Lenalidomid

Von: Andrea Lubliner (Pharmazeutin und Fachtexterin für medizinische Fachtexte)
Letzte Aktualisierung: 11.11.2016

Allgemeines

Lenalidomid wird in Kombination mit dem GlukokortikoidDexamethason für die Behandlung von Patienten mit einer speziellen Krebserkrankung des Knochenmarks, dem multiplen Myelom, eingesetzt. Voraussetzung ist, dass mindestens eine vorausgegangene Therapie nicht angeschlagen hat.

Welchen Zwecken dient dieser Wirkstoff?

  • Vermehrung von Blutkrebs-Zellen hemmen
  • Blutversorgung von Krebsgewebe unterbinden
  • Entzündungen hemmen
  • körpereigene Abwehr gegen Krebszellen aktivieren
  • Blutbildung fördern

Gegenanzeigen

Im Folgenden erhalten Sie Informationen über Gegenanzeigen bei der Anwendung von Lenalidomid im Allgemeinen, bei Schwangerschaft & Stillzeit sowie bei Kindern. Bitte beachten Sie, dass die Gegenanzeigen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Wann darf Lenalidomid nicht verwendet werden?

Lenalidomid darf bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff nicht eingesetzt werden. Gleiches gilt für Patienten, die mit schwerem Hautausschlag auf die Anwendung von Thalidomid reagiert haben.

Da Lenalidomid wie das mit ihm chemisch verwandte Thalidomid schwerste Schädigungen der Leibesfrucht verursachen kann, müssen gebärfähige Frauen vier Wochen vor Beginn der Behandlung, während der Behandlung und für vier Wochen nach der Behandlung und selbst während einer Einnahmeunterbrechung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Die Patientin kann auch eine absolute und ständige Enthaltsamkeit zusichern, die sie jeden Monat erneut bestätigen muss.

Nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko durch einen Arzt und unter seiner Kontrolle darf Lenalidomid angewendet werden bei
  • Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen und entsprechenden Risikofaktoren dafür wie Übergewicht, Rauchen oder Zuckerkrankheit
  • Neigung zu Verschlüssen von Venen oder Arterien und bei vorausgegangenem Schlaganfall, Herzinfarkt oder Lungenembolien
  • Störungen des Blutbildes (beispielsweise Blutplättchenmangel oder Mangel an Neutrophilen)
  • eingeschränkter Nierenfunktion
  • Störungen der Schilddrüsenfunktion
  • vorbestehender Lebererkrankung durch Hepatitis-Viren, erhöhten Ausgangswerten der Leberenzyme und einer Antibiotikabehandlung, da dies Risikofaktoren für eine erhöhte Lebergiftigkeit von Lenalidomid sind
  • Störungen der Nervenfunktion
  • Neigung zu allergischen Reaktionen.
Hinweis:
Lenalidomid wird hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden. Daher wird der Arzt bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Dosis sorgfältig wählen und die Nierenfunktion überwachen.

Was müssen Sie bei Schwangerschaft und Stillzeit beachten?

Da Lenalidomid wie das mit ihm chemisch verwandte Thalidomid schwerste Schädigungen der Leibesfrucht verursachen kann, müssen gebärfähige Frauen vier Wochen vor Beginn der Behandlung, während der Behandlung und für vier Wochen nach der Behandlung und selbst während einer Einnahmeunterbrechung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden. Die Patientin kann auch eine absolute und ständige Enthaltsamkeit zusichern, die sie jeden Monat erneut bestätigen muss.

Es ist nicht bekannt, ob Lenalidomid in die Muttermilch übergeht. Deshalb sollte das Stillen während der Behandlung mit Lenalidomid abgebrochen werden.

Was ist bei Kindern zu berücksichtigen?

Über die Anwendung von Lenalidomid bei Kindern gibt es keine Erfahrungen aus Studien. Daher sollte die Altersgruppe bis 17 Jahre von der Behandlung mit dem Wirkstoff ausgenommen sein.

Welche Nebenwirkungen kann Lenalidomid haben?

Im Folgenden erfahren Sie das Wichtigste zu möglichen, bekannten Nebenwirkungen von Lenalidomid. Diese Nebenwirkungen müssen nicht auftreten, können aber. Denn jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Medikamente. Bitte beachten Sie außerdem, dass die Nebenwirkungen in Art und Häufigkeit je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Sehr häufige Nebenwirkungen:
Lungenentzündung, Infektion der oberen Atemwege, Blutplättchenmangel, Mangel an Neutrophilen, Blutarmut, Blutungen, Mangel an weißen Blutkörperchen, Blut-Kaliummangel, Appetitlosigkeit, Nervenstörungen in Armen und Beinen, Schwindel, Zittern, Störung der Geschmacksempfindung, Kopfschmerzen, Verschwommensehen, Venenverstopfungen (vorwiegend tiefe Venenthrombose), Lungenembolie, Atembeschwerden, Nasen-Rachen-Entzündung, Halsschmerzen, Bronchitis, Nasenbluten, Verstopfung, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen, Hautausschläge, Muskelkrämpfe, Knochenschmerzen, Beschwerden und Schmerzen in Muskeln und Knochen, Bindegewebsschmerzen und Bindegewebsbeschwerden, Erschöpfung, Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme), Fieber, Grippe-ähnliche Beschwerden.

Häufige Nebenwirkungen:
Blutvergiftung, Infektionen mit Bakterien oder Viren, Pilzinfektionen, Nasennebenhöhlenentzündung, Mangel an allen Blutzellen, Schilddrüsenunterfunktion, Magnesiummangel im Blut, Kalziummangel im Blut, Austrocknung, Gangstörungen, Gleichgewichtsstörungen, verminderte Sehschärfe, grauer Star, Hörstörungen, Taubheit, Ohrensausen, Vorhofflimmern, verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Bluthochdruck, Unterhautblutungen, Magen-Darm-Blutungen (einschließlich Blutungen aus dem After und Hämorrhoiden, Magengeschwüren oder dem Zahnfleisch), Bauchschmerzen, Mundtrockenheit, Mundschleimhautentzündung, Schluckstörung, abnormale Leberfunktionstests, Nesselsucht, vermehrtes Schwitzen, trockene Haut, Juckreiz, Dunkelfärbung der Haut, Hautausschläge, Gelenksschwellung, Blut im Urin, Harnverhalt, Harninkontinenz, Erektionsstörungen, Brustschmerzen, Antriebslosigkeit, Prellungen.

Gelegentliche Nebenwirkungen:
spezieller Hautkrebs (Basalzellkarzinom), Blutzellenauflösung und dadurch verursachte Blutarmut (autoimmunhämolytische Anämie, hämolytische Anämie), Überempfindlichkeitsreaktion, Verlust der Libido, Herzrhythmusstörungen (auch von den Herzkammern ausgehend), EKG-Veränderung (QT-Zeit-Verlängerung), Vorhofflattern, Dickdarmentzündung, Blinddarmentzündung, Leberfunktionsstörungen, Hautverfärbung, Lichtempfindlichkeitsreaktion, Fanconi-Syndrom.

Nebenwirkungen unbekannter Häufigkeit:
Akutes Leberversagen, Leberentzündung aufgrund einer Vergiftung, Leberentzündung mit Auflösung der Leberzellen, Leberentzündung mit Gallestau, Mischformen der Leberentzündung, Aktivierung von Virus-Infektionen (Gürtelrose, Hepatitis).

Besonderheiten:
Manchmal wird der Wirkstoff regelwidrig auch ohne Vorbehandlung mit anderen Zytostatika zur Therapie bösartiger Krebsformen des Knochenmarks eingesetzt. Dabei kann es nach Beseitigung der zuerst aufgetretenen Krebsgeschwüre durch die Behandlung mit Lenalidomid zu einer Erkrankung an besonderen Hautkrebsformen kommen. Vor und während der Therapie (auch der regulären) mit dem Wirkstoff ist daher eine sorgfältige ärztliche Untersuchung der Patienten auf Anzeichen von Hautkrebs nötig.

Welche Wechselwirkungen zeigt Lenalidomid?

Bitte beachten Sie, dass die Wechselwirkungen je nach Arzneiform eines Medikaments (beispielsweise Tablette, Spritze, Salbe) unterschiedlich sein können.

Substanzen, die die Bildung roter Blutkörperchen anregen, oder andere Stoffe, die das Risiko für Blutgefäßverstopfungen zusätzlich erhöhen können, wie zum Beispiel eine Hormonersatztherapie, sollten bei Patienten, die Lenalidomid mit Dexamethason erhalten, mit ärztlicher Vorsicht angewendet werden.

Lenalidomid erhöht die Konzentration des HerzglykosidsDigoxin im Blut. Es ist nicht bekannt, ob der Effekt in der Therapiesituation (höhere Lenalidomid-Dosen und begleitende Therapie mit Dexamethason) abweicht. Daher ist während der Behandlung mit Lenalidomid eine ärztliche Überwachung der Digoxin-Konzentration wichtig.

Die gleichzeitige Verabreichung von Lenalidomid mit Substanzen, die seinen Abbau behindern wie den Pilzmitteln Itraconazol und Ketoconazol, mit Cyclosporin (gegen Organabstoßungen), dem Makrolid-AntibiotikumClarithromycin, dem AntiarrhythmikumChinidin und dem BlutdrucksenkerVerapamil ist zu vermeiden. Sie kann nämlich zum Ansteigen der Konzantration von Lenalidomid im Blut und damit zu einer Zunahme der Lebergiftigkeit führen. Wird eine solche Kombinationsbehandlung verordnet, wird der Arzt den Patienten sorgfältig auf Nebenwirkungen überwachen.

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

  • Vier Wochen vor der Behandlung mit dem Medikament, währenddessen und vier Wochen danach muss einer Schwangerschaft zuverlässig verhütet werden.
  • Das Medikament darf nur von Ärzten eingesetzt werden, die Erfahrung mit der Behandlung des Knochenkrebses multiples Myelom haben.
  • Vor und während der Therapie mit dem Medikament ist eine sorgfältige ärztliche Untersuchung auf Anzeichen von Hautkrebs nötig.
  • Das Medikament kann Erschöpfung, Schwindel, Schläfrigkeit und verschwommenes Sehen auslösen. Daher sollte beim Autofahren oder beim Bedienen von Maschinen Vorsicht walten.

Manchmal lösen arzneiliche Wirkstoffe allergische Reaktionen aus. Sollten Sie Anzeichen einer allergischen Reaktion wahrnehmen, so informieren Sie umgehend Ihren Arzt oder Apotheker.

Welche Medikamente beinhalten Lenalidomid?

Folgende Tabelle zeigt alle erfassten Medikamente, in welchen Lenalidomid enthalten ist.In der letzten Spalte finden Sie die Links zu den verfügbaren Anwendungsgebieten, bei denen das jeweilige Medikamente eingesetzt werden kann.

So wirkt Lenalidomid

Im Folgenden erfahren Sie mehr zu den Anwendungsgebieten und der Wirkungsweise von Lenalidomid. Lesen Sie dazu auch die Informationen zu den Wirkstoffgruppen Immunstärkende und -schwächende Mittel, Zytostatika, zu welcher der Wirkstoff Lenalidomid gehört.

Anwendungsgebiet des Wirkstoffs Lenalidomid

Lenalidomid wird in Kombination mit dem GlukokortikoidDexamethason für die Behandlung von Patienten mit einer speziellen Krebserkrankung des Knochenmarks, dem multiplen Myelom, eingesetzt. Voraussetzung ist, dass mindestens eine vorausgegangene Therapie nicht angeschlagen hat.

Des weiteren ist der Wirkstoff zugelassen für bestimmte Formen der Blutarmut, die unter dem Begriff Myelodysplastisches Syndrom (MDS) abgekürzt werden. Sie bestehen in Erkrankungen des Knochenmarks, bei denen die Blutbildung nicht von gesunden, sondern von erblich veränderten Ursprungszellen (Stammzellen) ausgeht. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, aus diesen Stammzellen vollständig reife und funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. In der Folge entsteht eine Blutarmut, die durch regelmäßige Transfusionen ausgeglichen werden muss.

Zu folgenden Anwendungsgebieten von Lenalidomid sind vertiefende Informationen verfügbar:

Wirkungsweise von Lenalidomid

Lenalidomid greift einerseits in die körpereigene Abwehr ein und gehört daher zur Wirkstoffgruppe der Immunologika. Andererseits verändert es die Erbsubstanz von Zellen, wodurch es zur Wirkstoffgruppe der Zytostatika gerechnet wird. Lenalidomid ist mit dem WirkstoffThalidomid (Ursache des Contergan-Skandals) chemisch verwandt.

Der Wirkungsmechanismus von Lenalidomid beinhaltet verschiedene Eigenschaften: Abtötung von Krebszellen, Verhinderung des Wachstums von Blutgefäßen, Förderung der Bildung roter Blutkörperchen und Veränderung der körpereigenen Abwehr. Im Speziellen hemmt Lenalidomid die Vermehrung bestimmter Krebszellen im Blut, fördert aber hingegen die Bildung von sogenannten Killerzellen, die Krebszellen auffressen. Indem Lenalidomid die Bildung neuer Blutgefäße unterdrückt, die das Krebsgewebe mit Nährstoffen versorgen, hemmt es auch indirekt dessen Wachstum.

Außerdem steigert Lenalidomid bei Ungeborenen die Bildung von rotem Blutfarbstoff und wirkt entzündungshemmend, indem es die Produktion von Eiweißfaktoren wie den Zytokinen behindert, die am Entzündungsgeschehen beteiligt sind.

Beim Myodysplastischen Syndrom der Form del(5q) veranlasst Leniladomid , dass die abnormalen Del(5q)-Zellen, aus denen sich keine reifen Blutzellen mehr bilden können, von selbst absterben.

Disclaimer:
Bitte beachten: Die Angaben zu Wirkung, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen sowie zu Gegenanzeigen und Warnhinweisen beziehen sich allgemein auf den Wirkstoff des Medikaments und können daher von den Herstellerangaben zu Ihrem Medikament abweichen. Bitte fragen Sie im Zweifel Ihre*n Arzt*Ärztin oder Apotheker*in oder ziehen Sie den Beipackzettel Ihres Medikaments zurate.