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Stand: 22. Mai 2012Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die Parodontitis-Vorbehandlung ist ein wichtiger Baustein der Parodontosebehandlung. Hierbei befreit der Zahnarzt die Zähne von weichen und harten Zahnbelägen (Plaque) – der Hauptursache für Parodontitis (auch unter der veralteten Bezeichnung Parodontose bekannt). Anschließend gibt er Ihnen individuell auf Sie abgestimmte Tipps zur Zahnpflege und Mundhygiene. Dies ist wichtig, damit Sie regelmäßige Hygienemaßnahmen selbstständig zu Hause durchführen können. Eine regelmäßige Zahnhygiene ist besonders wichtig, um Parodontose, genauer gesagt Parodontitis, zu bekämpfen und auch vorzubeugen.
Dabei ist auch ein gewisses Maß an Eigeninitiative notwendig, denn es ist ratsam, die häusliche Zahnpflege auf die Parodontitis beziehungsweise Parodontose abzustimmen. Erkrankte Zahnfleisch-Areale sollten Sie trotz der Blutungsneigung nicht schonen, sondern im Gegenteil besonders intensiv, aber vorsichtig reinigen.
Störfelder im Mundraum wie undichte Füllungen beseitigt der Zahnarzt im Rahmen der Parodontitis-Vorbehandlung. Zahnersatz wie Zahnprothesen wird hingegen erst nach Abschluss der Parodontosebehandlung angefertigt.
Wenn bei der Parodontitis (im Volksmund häufig auch als Parodontose bezeichnet) tiefe Zahnfleischtaschen von mehr als fünf Millimetern vorhanden sind, umfasst die Parodontosebehandlung weitere, operative Schritte.
Bei einer Parodontosebehandlung kommt in der Regel zunächst eine gewebeschonende geschlossene Kürettage zum Einsatz. Dabei säubert der Zahnarzt die Zahnfleischtasche mit verschiedenen sogenannten Parodontalinstrumenten (Kürette, Ultraschall). Er glättet die in der Tasche liegenden Zahnoberflächen und befreit sie von Bakterien. Die Prozedur kann gegebenenfalls nach einiger Zeit wiederholt werden. Die Kürettage erfolgt unter örtlicher Betäubung, sodass in der Regel keine Schmerzen auftreten. Jedoch kann das Schaben mit den Instrumenten am Zahn etwas unangenehm sein und es können Blutungen auftreten. Bis zu sechs Tage nach der Parodontosebehandlung kann das Zahnfleisch noch besonders sensibel sein.
Parodontalchirurgische Maßnahmen sind ebenfalls ein Teil der Parodontosebehandlung beziehungsweise Parodontitisbehandlung. Sie sind bei tieferen (mehr als sechs Millimeter), über lange Zeit bestehenden Zahnfleischtaschen sinnvoll, welche die geschlossene Kürettage nicht erreicht. Bei den meist durchgeführten offenen Kürettagen schneidet der Zahnarzt das Zahnfleisch mit dem Skalpell ein, um besser an die entzündete Stelle heran zu kommen. Falls nötig, entfernt er im weiteren Verlauf der Parodontosebehandlung krankhaftes Gewebe und/oder füllt Hohlräume mit Ersatzmaterialien auf . Danach reinigt er die operierten Stellen und vernäht das Zahnfleisch wieder. Der Eingriff bekämpft die Parodontitis zwar sehr effektiv, jedoch entstehen lange Zahnhälse, die mitunter sensibel reagieren können.
Mithilfe der sogenannten gesteuerten Geweberegeneration versucht der Zahnarzt, abgebautes Gewebe des Kieferknochens und der Zahnhaltefasern wieder aufzubauen beziehungsweise deren Wachstum anzuregen. Hierbei legt der Zahnarzt eine spezielle Folie zwischen Zahnhalteapparat und Zahnfleisch ein, durch welche der Kieferknochen die Möglichkeit hat, verlorenes Gewebe langsam wieder nachzubilden.
Um die Lücken des durch die Parodontitis oder Parodontose abgebauten Kieferknochens wieder zu füllen, kann der Zahnarzt aber auch körpereigenes Knochengewebe verpflanzen. All diese Methoden können die Knochensubstanz des Kieferknochens aber nur zum Teil wiederherstellen.
Im Rahmen einer Parodontitis-Therapie können weitere operative Maßnahmen notwendig werden:
| Weitere mögliche operative Maßnahmen | |
|---|---|
| Maßnahme | Erläuterung |
| Gingivektomie | Entfernung von Zahnfleisch |
| Gingivoplastik | Umlagerung und Rekonstruktion von Zahnfleisch |
| Lappenoperation | Umlagerung großer Schleimhautlappen |
| Osteoplastik | Modellieren von Knochen, eventuell mit Anlagern von Knochenersatz |
| Schleimhauttransplantat | Schleimhautersatz bei Schleimhautdefekten |
| Furkationsbehandlung | Entfernen von Wurzelanteilen oder Freilegen der Wurzelaufgabelung der Backenzähne |
Eine moderne und besonders sanfte Möglichkeit, die Zahnfleischtaschen im Rahmen der Parodontitis-Therapie (umgangssprachlich auch Parodontosebehandlung genannt) zu säubern, ist die Lasertherapie. Da der Zahnarzt mit dem Laserlicht Bakterien abtöten kann, die sich tief in den Taschen befinden, muss er das Zahnfleisch nicht mehr aufschneiden. Die Entzündung kann ohne diesen zusätzlichen Eingriff schnell abheilen. Sollte der Zahnarzt bei schweren Erkrankungen doch Zahnfleisch entfernen müssen, kann er mit dem Laser das Gewebe durch Verdampfen oberflächlich um Bruchteile von Millimetern abtragen oder unblutig öffnen. Bei diesem Verfahren kommt es seltener zu Nachblutungen und das Gewebe heilt deutlich schneller. Im Anschluss an die Parodontosebehandlung verabreicht der Zahnarzt häufig Arzneimittel, die das Bakterienwachstum hemmen und so Entzündungen vorbeugen können.
Zur Bekämpfung der Bakterien im Mund kommen Spüllösungen (z.B. Chlorhexidin-Digluconat, Wasserstoffdioxid), in schweren Fällen auch Antibiotika zum Einsatz. Diese bringt der Zahnarzt direkt in die Zahnfleischtaschen ein – der Betroffene kann den Wirkstoff aber auch als Tablette einnehmen.
Ist die Parodontitis-Therapie abgeschlossen und die Erkrankung dadurch gestoppt, ist bei der Nachbehandlung die Mitarbeit des Betroffenen gefragt. Wenn Sie selbst von Parodontose (medizinisch korrekter: Parodontitis) betroffen sind, sollten Sie alle Tipps zur Mundhygiene und Zahnpflege beherzigen, um damit Zahnbeläge und Zahnfleischentzündungen zu verhindern. Nehmen Sie hierzu Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt in regelmäßigen Abständen wahr, denn so kann der Zahnarzt erneute Entzündungen frühzeitig erkennen. Eine professionelle Zahnreinigung alle sechs Monate verringert das Auftreten von Zahnbelag und somit Zahnstein zusätzlich.
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