Interview zum Thema Brustvergrößerung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Januar 2013)

© Jupiterimages/Goodshoot

Früher war es vor allem der High Society sowie TV- und Musik-Stars vorbehalten, ihren Körper künstlich zu verschönern. Heutzutage ist eine Operation wie die Brustvergrößerung für die breite Bevölkerung ein Thema. Fast jede Frau wünscht sich wohlgeformte, straffe Brüste, und immer mehr nehmen durchaus einen schönheitschirurgischen Eingriff in Kauf, um dieses Ziel zu erreichen.

Brustvergrößerungen mit Silikonimplantaten gelten als Standardmethode, um dem Busen mehr Fülle und eine ansprechende Form zu verleihen. Onmeda hat mit dem Schönheitschirurgen Dr. Lüerßen über das Thema gesprochen und den aktuellen Stand in Sachen künstliche Brustvergrößerung erfragt. Eine Tendenz ist eindeutig, so Dr. Lüerßen: "Die Altersgrenze hat sich nach unten verschoben."

Dr. med. Wolf D. Lüerßen ist Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und führt die Zusatzbezeichnung als Phlebologe (Venenspezialist). Dr. Lüerßen arbeitet seit über 20 Jahren als niedergelassener Schönheitschirurg und hat während dieser Zeit mehr als 1.500 Brustvergrößerungen vorgenommen. Er ist Inhaber der "Aasee-Park-Clinic" in Münster (www.dr-lueerssen.de)

Dr. Lüerßen ist Mitglied folgender ärztlicher Fachgesellschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC)
  • Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC, vormals VDPC)
  • Europäische Akademie für ästhetische Chirurgie (European Academy for Cosmetic Surgery; EACS )
  • Deutsche Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin (German Society of Anti-Aging Medicine; GSAAM)

Onmeda: Herr Dr. Lüerßen, Brustvergrößerungen sind bei Ihnen Klinikalltag. Wenn Sie die letzten Jahre und Jahrzehnte Revue passieren lassen: Hat sich grundlegend etwas verändert?

Dr. Lüerßen: In der Tat hat sich einiges verändert, wobei man zwei Gruppen von Frauen unterscheidet: Einerseits die etwas älteren Frauen, die nach der Geburt ihrer Kinder eine Brustvergrößerung wünschen, und andererseits sehr junge Frauen. Die Gruppe der älteren Frauen kommt aus dem gleichen Grund wie schon vor 20 Jahren. Sie möchten, dass ihre Brüste wieder die ursprüngliche Größe und Form erhalten. Es geht also weniger um eine Vergrößerung, sondern mehr um das Wiederherstellen des ursprünglichen Zustands.

Onmeda: Heißt das, dass sich die Brüste nach der Schwangerschaft stark verändern?

Dr. Lüerßen: In manchen Fällen bildet sich die Brust nach Schwangerschaft und Stillzeit zurück, es entwickelt sich eine sogenannte Involutionsatrophie. Einige Frauen, die das betrifft, entscheiden sich daraufhin für eine Brustvergrößerung.

Onmeda: Sie sprachen noch eine zweite Gruppe an, die jüngeren Frauen. Haben sich bei ihnen die Gründe geändert?

Dr. Lüerßen: Definitiv. Insbesondere die Altersgrenze hat sich nach unten verschoben: Immer mehr sehr junge Frauen, teilweise sogar Mädchen, wünschen sich eine Brustvergrößerung. Sie kommen zu mir in die Klinik, bringen Fotos aus Hochglanzmagazinen mit und erklären, dass ihre Brust denen der Stars oder Models ähneln solle. Hier zeigen sich sehr stark der Einfluss der Medien und die oft völlig falsche und unrealistische Erwartungshaltung der Frauen beziehungsweise Mädchen.

Onmeda: Es werden also auch Mädchen operiert?

Dr. Lüerßen: Nein. Für eine Brustvergrößerung muss eine Frau volljährig sein. Wenn ich das Gefühl habe, dass eine Patientin unabhängig von der Altersgrenze in ihrer Entwicklung noch nicht ausgereift ist, lehne ich den Eingriff ebenfalls ab. Letztlich liegt die Entscheidung beim behandelnden Arzt.

"Brustvergrößerung für 79,- Euro im Monat"

Onmeda: Wie stark ist denn die Gruppe der Frauen, die sich schon in jungen Jahren operieren lassen wollen, gewachsen?

Dr. Lüerßen: Bei mir in der Klinik sind es nur wenige. Denn die Entscheidung für eine Brustvergrößerung ist natürlich immer auch eine finanzielle Frage. In Kliniken, die den Frauen Finanzierungsmodelle für die Brustvergrößerung anbieten, ist der Anteil junger Patientinnen sehr hoch und beträgt sicher 30 Prozent. Was ich problematisch finde: Dort werden teilweise Finanzierungen angeboten, ohne dass eine Schufa-Auskunft vorliegt. Nicht zuletzt deshalb nutzt die Mehrheit der Frauen in solchen Kliniken dieses Angebot. Wer aufmerksam die Zeitungen studiert, findet schon mal ein Angebot wie "Brustvergrößerung für 79,- Euro im Monat". Ich sehe das sehr kritisch, da diese Art der Werbung Begehrlichkeiten weckt, die eigentlich falsch sind.

Onmeda: Bieten Sie Ihren Patientinnen auch die Möglichkeit, die Brustvergrößerung zu finanzieren?

Dr. Lüerßen: Ja, das bieten wir auch an. Es nutzen aber nur sehr wenige Frauen.

Onmeda: Sie sprachen bereits Gründe für eine Brustvergrößerung an. Gibt es weitere typische Motive für die Operation?

Dr. Lüerßen: Viele Frauen haben ungleich große oder ungleich geformte Brüste. Solche Asymmetrien betreffen fast 90 Prozent aller Frauen. Das Spektrum reicht von kaum sichtbaren Unterschieden bis zu deutlichen Abweichungen. Jüngere Frauen stört diese Ungleichheit oft und sie suchen Rat bei einem Schönheitschirurgen. Weitere Gründe sind schlauchförmig ausgebildete Brüste oder beidseits unterentwickelte Brüste, von denen eine deutlich kleiner als die andere ist. Dann gibt es Frauen, die kleine, aber wohlgeformte Brüste haben. Sie wünschen sich im klassischen Sinne einfach einen größeren Busen. Diese Gruppe ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden.

Onmeda: Wie erklären Sie sich das?

Dr. Lüerßen: Wie schon angedeutet, spielen die Medien sowie allgegenwärtige Bilder von Models mit Traumfiguren und schönen Brüsten eine große Rolle. Mir fällt außerdem auf, dass sich die Mädchen heutzutage eher trauen, das Thema anzusprechen und einen Arzt aufzusuchen. Die Möglichkeit der Finanzierung erleichtert den Schritt zusätzlich.


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