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Asbest

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (20. Oktober 2014)

© Jupiterimages/Comstock Images

Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren verwendete man Asbest aufgrund seiner großen Hitzebeständigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Chemikalien – etwa um Bremsbeläge herzustellen, die Schutzkleidung der Feuerwehr zu verstärken oder als Asbestzement im Hausbau.

Bereits Ende der 1970er Jahre wurden die ersten asbesthaltigen Produkte verboten, weil sich immer deutlicher herausstellte, dass das Einatmen von Asbeststaub gesundheitsschädlich ist. Aber erst 1993 untersagte man schließlich auch gesetzlich,

  • Asbest zu verwenden,
  • zu verarbeiten
  • oder auch nur in Verkehr zu bringen.

Dennoch findet sich Asbest heutzutage immer noch in vielen Haushaltsgegenständen, Bodenbelägen oder Hauswänden.

Erkrankungen durch Asbest, wie etwa die Asbestose, zählen auch heute noch zu den häufigsten Berufskrankheiten mit Todesfolge. Da es Jahrzehnte dauern kann, bis eine durch Asbest verursachte Erkrankung Symptome entwickelt, steigt die Zahl der Toten durch Asbest noch immer an. Man geht davon aus, dass der Höhepunkt dieser Entwicklung noch lange nicht erreicht ist.

1. Was ist Asbest?

2. Wo kommt Asbest vor?

3. Welche Erkrankungen können durch Asbest entstehen?

4. Wie weist man Asbest im Körper nach?

5. Wie schützt man sich vor Asbest?

Was ist Asbest?

Die Mineralfaser Asbest besteht aus Magnesium/Eisen-Silikaten. Asbest brennt nicht und schmilzt erst bei Temperaturen über 1.000 Grad Celsius. Zudem widersteht es den meisten Laugen oder Säuren und ist ein schlechter Wärme- und Schallleiter, weshalb es sich gut als Isolationsmaterial eignet.

Asbestfasern sind vor allem deshalb so gefährlich, weil sie sich im menschlichen Körper in extrem feine Längsfasern aufspalten. Durch diese Längsspaltung können sie sehr lange im Gewebe der Lunge verbleiben. Besonders gefährlich sind Asbestfasern, die mehr als fünf Mikrometer lang und weniger als ein Mikrometer dünn sind.

Atmet man Asbestfasern ein, werden nur etwa 60 Prozent über den in der Lunge produzierten Schleim und die dortigen Flimmerhärchen nach etwa ein bis fünf Stunden wieder abtransportiert und dadurch unschädlich gemacht. Probleme können auftreten, wenn man Asbeststaub über längere Zeit ausgesetzt ist.

Wo kommt Asbest vor?

Bevor man die Gesundheitsgefahren durch Asbest erkannte, verwendete man Asbest insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren aufgrund seiner vielen praktischen Eigenschaften gern und oft. Man isolierte mit Asbest etwa Kraftwerke oder Schiffe und setzte die Mineralfaser aus Brandschutzgründen verbreitet in öffentlichen Gebäuden, Hochhäusern, Heizungsanlagen, Fassadenverkleidungen, Dachverkleidungen sowie bei Kraftfahrzeugen ein. Weitere Verwendung fanden Asbestfasern in feuerbeständigen Textilien, Schnüren, Stopf- und Spritzmassen, Asbestpappe und -zement, Drahtnetzen sowie Filtern von unter anderem Gasmasken, Dichtungsringen, Kupplungs- und Bremsbelägen.

Seit 1993 ist es gesetzlich untersagt, Asbest zu verwenden, zu verarbeiten oder in Verkehr zu bringen. Arbeitnehmer dürfen dem Werkstoff Asbest nicht ausgesetzt sein. Ausnahmen gelten allerdings bei Abbruch-, Sanierungs- oder Instandhaltungsarbeiten, die unter entsprechenden Schutzmaßnahmen durchgeführt werden dürfen. Schätzungen zufolge war 2005 von den 2.484 durch Berufskrankheiten verursachten Todesfällen ein Großteil mit Asbestbelastung zu erklären.

Auch im Alltag kann man heute noch Asbest ausgesetzt sein. Die Mineralfaser findet sich zum Beispiel in

  • Isolierungen,
  • Dämmplatten,
  • alten PVC-Fußböden,
  • der Elektro- und Wärmeisolierung von alten Toastern,
  • Haartrocknern oder
  • Nachtspeicherheizungen.

Beim Herausreißen alter PVC-Böden oder Zwischendecken beispielsweise sowie bei unsachgemäßen Reparaturarbeiten können Asbestfasern freigesetzt werden. Heimwerker sollten daher besonders vorsichtig sein. Ein Problem mit Asbest liegt heute inzwischen darin, dass viele Menschen es gar nicht erkennen würden, wenn sie darauf stoßen. So können Betroffene schnell einer Gesundheitsgefahr ausgesetzt sein, weil sie sich beim Umgang mit dem Gefahrenstoff nicht richtig schützen, geschweige denn ihn richtig entsorgen. Oft stellt sich eine Asbestbelastung erst im Nachhinein raus.

Erkrankungen durch Asbest

Ist man Asbeststaub über eine längere Zeit ausgesetzt, erhöht das das Risiko für verschiedene Erkrankungen. Zudem stehen Asbestfasern unter Verdacht, genetische Veränderungen in Körperzellen hervorzurufen und dadurch eine krebserregende Wirkung zu haben. Häufig entdeckt man gesundheitliche Schäden durch Asbest erst spät, weil sie lange Zeit unauffällig wirken – anfangs ähneln die Beschwerden oft einer chronische Bronchitis oder Ähnlichem.

Aufgrund seiner gesundheitsschädlichen Wirkung schränkte man die Verwendung seit den 1980er Jahren extrem ein und verbot sie schließlich 1993 ganz. Dennoch steigt die Zahl der Asbesterkrankungen weiterhin stetig an. Die Ursache hierfür liegt in der langen Latenzzeit bis zum Ausbruch einer asbestbedingten Erkrankung, die 30 Jahre oder mehr betragen kann. Man vermutet, dass diese Zahl ihren Höhepunkt noch lange nicht erreicht hat.

Asbestose

Bei einer Asbestose vermehrt sich das Bindegewebe der Lunge (Lungenfibrose) als Reaktion auf den über eine längere Zeit eingeatmeten Asbeststaub beziehungsweise die eingeatmeten Asbestfasern. Spezielle Fresszellen der Lungen (sog. Alveolarmakrophage) versuchen die Asbestfasern aufzunehmen und zu entfernen. Dabei werden verschiedene Substanzen freigesetzt, durch die in der Lunge mehr Bindegewebe gebildet wird, was wiederum die Lungenfunktion beeinträchtigt.

Video: Asbestose – krank durch Asbestpartikel in der Lunge

Lungentumore

Lungentumore können als Reaktion auf längeren Asbestkontakt entstehen. Im Vergleich zu Nichtrauchern ist das Krebsrisiko für Raucher, die Asbest ausgesetzt sind, hundertfach höher.

Mesotheliome

Mesotheliome sind sehr seltene, bösartige (maligne) Tumore des Brust- und Bauchfells. Aufgrund dieser Seltenheit gilt das Auftreten eines Mesothelioms als sicheres Zeichen für einen andauernden Asbestkontakt.

Wie weist man Asbest im Körper nach?

Um nachzuweisen, ob man Asbeststaub ausgesetzt war, nimmt der Arzt Proben des Lungenschleims. Diese gewinnt man zum Beispiel bei einer Lungenspiegelung über eine bronchoalveoläre Lavage (BAL) oder über den ausgehusteten Auswurf.

War man Asbeststaub längere Zeit ausgesetzt, finden sich in der Lunge sogenannte Asbestkörperchen. Diese sind vor allem an ihren beiden Enden von eisenhaltigen Proteinen umhüllt, wodurch sie unter dem Mikroskop in ihrer Form Hanteln, Bambusrohren oder Schaschlikspießen ähneln. Häufig sind bereits Alveolarmakrophagen zu erkennen, die sich an ihnen aufreihen.

Wie schützt man sich vor Asbest?

Den Kontakt zu Asbest sollten Sie möglichst meiden. Wer aus beruflichen Gründen mit Asbest zu tun hat, etwa bei Renovierungen oder Sanierungen, sollte unbedingt eine entsprechende Schutzausrüstung benutzen. Das heißt entsprechende Schutzkleidung, Atemschutz, Absaugvorrichtungen und Ähnliches sind Pflicht!

Für eine fachgerechte Asbestentsorgung beziehungsweise Entsorgung von asbesthaltigen Produkten muss gesorgt werden. Asbestverunreinigte Gegenstände werden als Sondermüll behandelt.

Rauchen erhöht das Risiko für asbestbedingten Lungenkrebs mehr als hundertfach – eine Raucherentwöhnung kann dieses Risiko also deutlich senken.

Treten nach dem Kontakt mit Asbest Atemwegsbeschwerden auf, nehmen Sie diese unbedingt ernst und lassen Sie sie von einem Arzt abklären.


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