Patientenverfügung: Entscheidung für den Ernstfall

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (22. Juli 2015)

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Immer mehr Menschen setzen sich mit dem Thema Patientenverfügung auseinander. Doch was muss man beachten, wenn man eine Patientenverfügung verfassen möchte?

Nach einem schweren Unfall jahrelang an Schläuchen zu hängen, ohne Aussicht auf Besserung – diese Vorstellung ist für viele Personen ein Albtraum. Sie haben Angst, dass ihr Leiden möglicherweise verlängert wird und sie darauf keinen Einfluss haben. Andere Menschen sehen die Apparatemedizin hingegen als Chance, um möglichst lange leben zu können. Welche medizinischen Maßnahmen im Ernstfall durchgeführt werden sollen oder nicht, kann jeder Volljährige in einer Patientenverfügung festlegen.

Ein Mediziner braucht für jeden Eingriff die Zustimmung oder Ablehnung des Patienten – egal, um welche Behandlung es geht. Ist die Person nicht mehr in der Lage, ihren Willen zu äußern, muss jemand anders entscheiden, was zu tun ist – es sei denn, es liegt eine Patientenverfügung vor.

Wer sich in Ruhe Gedanken darüber macht, welche Schritte für ihn im Notfall infrage kommen, kann seine Entscheidung bereits im Vorfeld treffen – und in einer Patientenverfügung festhalten. Hilfreich ist es, wenn Sie sich dabei von einem Arzt beraten lassen – zum Beispiel von Ihrem Hausarzt oder einem anderen fachkundigen Experten.

Eine Patientenverfügung sollten Sie immer schriftlich abfassen und so genau wie möglich formulieren. Sie können sie jederzeit formlos widerrufen. Pflicht ist die Patientenverfügung nicht – sondern vielmehr ein Angebot.

Mit einer Patientenverfügung können Sie festlegen, welche medizinischen Maßnahmen in bestimmten Situationen durchgeführt oder unterlassen werden sollen, wenn Sie diese Entscheidung nicht mehr selbst treffen können.

Die Patientenverfügung richtet sich insbesondere an Ärzte und Behandlungsteams, aber auch an einen gesetzlichen Vertreter mit entsprechender Vollmacht. Die Verfügung soll diese Personen darüber informieren, wie sie in bestimmten Situationen reagieren müssen, um dem Willen des Patienten zu entsprechen. Bestehen Zweifel darüber, wie der Wille des Patienten im Einzelfall auszulegen ist – etwa, weil die Patientenverfügung ungenau formuliert ist – entscheidet ein Gericht darüber, welche Maßnahmen ergriffen werden sollen. Daher ist es besonders wichtig, dass Sie sich bei der Patientenverfügung ausreichend Zeit nehmen und Ihre Wünsche möglichst eindeutig festhalten!

Der Wille des Patienten zählt

Seit September 2009 ist die Patientenverfügung im sogenannten "Dritten Gesetz zur Änderung des Betreuungsrechts" (Patientenverfügungsgesetz) fest im Betreuungsrecht verankert. Ärzte sind in den "Grundsätzen der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung" vom 21. Januar 2011 verpflichtet, sich nach dem schriftlich festgelegten Willen des Patienten zu richten.