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Stillperiode

Veröffentlicht von: Till von Bracht (16. Juli 2014)

© Jupiterimages/Goodshoot

Viele Frauen (und auch Männer) vermuten, Stillen könne zuverlässig vor einer erneuten Schwangerschaft schützen, da es angeblich den Eisprung unterdrückt. Zu Unrecht: Tatsächlich ist es so, dass die Regelblutung der Frau in der Stillzeit häufig zwar ausbleibt – mit einem Eisprung kann allerdings dennoch gerechnet werden!

Wie hoch der Empfängnisschutz der Stillperiode genau ist, hängt davon ab, wie konsequent Sie stillen. Grundsätzlich gilt: Die Stillperiode bietet nur dann einen gewissen Empfängnisschutz, wenn:

  • Sie Ihr Kind tagsüber mindestens alle vier Stunden und nachts alle sechs Stunden stillen,
  • Sie insgesamt mindestens 80 Minuten täglich stillen,
  • Sie während dieser Zeit nicht zufüttern und
  • Sie nach der Geburt Ihres Kindes noch keine Monatsblutung bekommen haben.

Nur wenn alle vier Voraussetzungen auf Sie zutreffen, liegt der Pearl-Index der Stillperiode bei 2, das heißt, zwei von hundert Frauen, die sonst keine weiteren Verhütungsmethoden anwenden, werden innerhalb eines Jahres schwanger. Ist lediglich eine dieser Kriterien nicht oder nicht mehr erfüllt, verringert sich der Empfängnisschutz erheblich.

Bei Frauen, die nicht stillen, setzt die erste Regelblutung nach der Geburt schon nach etwa sechs Wochen wieder ein.

Nur unter ganz bestimmten Umständen kann die Stillperiode nach der Geburt vor einer erneuen Schwangerschaft schützen. Als sichere Verhütungsmethode ist Stillen daher nicht geeignet.

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt, welche Verhütungsmethode für Sie geeignet ist. Die Pille kommt zum Beispiel nicht infrage, da die Hormone in die Muttermilch übergehen können!

Prinzipiell kann der Empfängnisschutz der Stillperiode mehrere Jahre anhalten. Weltweit und vor allem in den Entwicklungsländern schützt die Stillperiode viele Frauen zwei bis drei Jahre vor einer erneuten Schwangerschaft. In Deutschland kommt dies allerdings nur äußerst selten vor, da ältere Säuglinge und Kleinkinder in der Regel nicht rund um die Uhr nach Bedarf gestillt werden.

Ursache für die Unfruchtbarkeit in der Stillperiode ist wahrscheinlich das Hormon Prolaktin, das während des Stillens ausgeschüttet wird. Prolaktin verhindert während der Schwangerschaft und teilweise auch in der Stillzeit einen Eisprung, indem es die Produktion der Hormone FSH (follikelstimulierende Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) hemmt. FSH sorgt dafür, dass die Eizelle reifen kann. LH löst den Eisprung aus und fördert nach dem Eisprung die Entwicklung des Gelbkörpers.

Wenn die Stillpausen allerdings zu lang sind oder Sie das Kind mit Säuglingsnahrung zufüttern, sinkt der Prolaktinspiegel zu weit ab. Dann reicht er zur Verhütung nicht mehr aus.

WISSENSWERTES

Auch wenn Sie Ihr Kind voll stillen, bedeutet dies keinen sicheren Schutz vor einer erneuten Schwangerschaft. Es ist nie genau vorherzusagen, wann der erste Eisprung nach der Entbindung stattfindet. Häufig genug fällt er noch in die Stillzeit.

Für einen sicheren Empfängnisschutz sollten Sie in der Stillzeit zusätzlich mit nicht-hormonellen Methoden verhüten – zum Beispiel mit Kondomen oder einem Diaphragma. Beachten Sie: Nach der Geburt muss das Scheidendiaphragma oder die Portiokappe neu angepasst werden!

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