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Alle Verhütungsmethoden und ihre Sicherheit

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (24. Juli 2013)

Überblick

Kondom, Pille, Coitus interruptus oder Sterilisation? Die Bandbreite der Verhütungsmethoden ist groß – doch welches Verhütungsmittel bietet auch ausreichend Sicherheit? Jedes Paar muss zunächst für sich selbst herausfinden, welche Verhütungsmethode am besten für es geeignet ist. Nicht vergessen sollte man dabei, dass manche Verhütungsmethoden nicht sehr sicher sind, während andere bei korrekter Anwendung zuverlässig vor einer Schwangerschaft schützen.

Wie sicher eine Verhütungsmethode ist, verrät der Pearl-Index. Ein Pearl-Index von 1 bedeutet zum Beispiel, dass eine von 100 Frauen mit der gewählten Methode ungewollt schwanger wurde.

Die verschiedenen Verhütungsmethoden lassen sich in vier Kategorien einordnen:

  • hormonelle Verhütungsmethoden
  • Barrieremethoden
  • natürliche Familienplanung (NFP)
  • operative Verhütungsmethoden
  • chemische Verhütungsmittel

Hormonelle Verhütungsmethoden

Hormonelle Verhütungsmethoden – wie die verschiedenen Varianten der Antibabypille oder die Dreimonatsspritze – verhindern mithilfe von Hormonen eine Schwangerschaft. Abhängig vom Präparat funktioniert dies mithilfe unterschiedlicher Mechanismen.

Hormonelle Verhütungsmittel können zum Beispiel bewirken, dass ...

  • ... bei der Frau der Eisprung ausbleibt. Bleibt der Eisprung aus, kann die Eizelle nicht befruchtet werden – eine Schwangerschaft ist daher nicht möglich.
  • ... sich der Schleim im Gebärmutterhals verändert. Das erschwert Spermien den Weg zur Eizelle.
  • ... sich der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut verändert. Das erschwert es einer befruchteten Eizelle, sich einzunisten.
  • ... der Transport der Eizelle im Eileiter und dadurch eine Befruchtung erschwert wird.
Sicherheit hormoneller Verhütungsmethoden
Verhütungsmittel  Pearl-Index Kurzinfo
Pille0,1 - 0,9sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Einphasenpille0,2 - 0,5sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Zweiphasenpille0,2 - 0,7sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Zwei- und Dreistufenpräparate0,2 - 0,5sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Mikropille0,2 - 0,5sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Minipille0,8 - 3sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
östrogenfreie Pille0,1 - 0,4sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Depotspritze (Dreimonatsspritze)0,3 - 0,88sehr sicheres Verhütungsmittel; da der Menstruationszyklus nach Absetzen der Spritzen oft nur sehr zögerlich wieder in Gang kommt aber vor allem für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung empfehlenswert
Hormonimplantat0 - 0,08sehr sicheres Verhütungsmittel
Verhütungsring0,4 - 0,65sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung
Verhütungspflaster0,72 - 0,9sehr sicheres Verhütungsmittel bei korrekter Anwendung

Barrieremethoden

Unter Barrieremethoden versteht man Verhütungsmethoden, die eine Barriere zwischen der Eizelle und den Spermien aufbauen und so eine Schwangerschaft verhindern. Der Klassiker unter dieser Form der Verhütungsmethoden ist das Kondom.

Sicherheit von Barriere-Methoden
Methode Pearl-Index Kurzinfo
Kondom0,2 - 4schützt vor Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten, sehr sicher bei korrekter Handhabung
Frauenkondom5 - 25schützt vor Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten, Sicherheit ist abhängig von der korrekten Handhabung
Spirale (Intrauterinpessar)0,5 - 2,7sichere Verhütungsmethode
Hormonspirale (Intrauterinsystem)0,16 sehr sichere Verhütungsmethode
Diaphragma (plus Spermizid)1 - 20Je nach Handhabung sichere Verhütungsmethode; ein Diaphragma sollte immer mit Spermiziden kombiniert werden.
Portiokappe (plus Spermizid)6 - 18Eine Portiokappe sollte immer mit Spermiziden kombiniert werden.
Lea Contraceptivum2,2 - 2,9Bisher gibt es zum Pearl-Index des Lea Contraceptivums keine unabhängigen Studien, sondern nur die Angaben des Herstellers. Möglicherweise liegt das Auftreten von Schwangerschaften daher höher. Die gleichzeitige Anwendung eines Spermizids ist zu empfehlen.

Natürliche Familienplanung (NFP)

Wer ohne Hormone oder Chemie verhüten möchte und auf Kondome & Co. verzichten will, kann auf Methoden der natürlichen Familienplanung (NFP) zurückgreifen. Hier ist allerdings zu beachten, dass einige Methoden in puncto Verhütung als unsicher gelten. Einzig die symptothermale Methode kann bei richtiger Durchführung eine sehr sichere Verhütungsmethode sein.

Sicherheit der natürlichen Familienplanung
Methode Pearl-Index Kurzinfo
Coitus interruptus4 - 18sehr unsichere Verhütungsmethode; nicht zu empfehlen
Knaus-Ogino-Methode9 - 30Sehr unsichere Verhütungsmethode; in Kombination mit der Temperatur-Methode und der Billings-Methode kann der Pearl-Index verbessert werden.
Temperatur-Methode0,5 - 3nur in Kombination mit der Billings-Methode empfehlenswert
Billings-Methode5 - 35nur in Kombination mit der Temperatur-Methode empfehlenswert
Symptothermale Methode0,3Kombination aus Temperatur-Methode und Billings-Methode, in dieser Kombination sehr sicher
Stillperiodeunbekanntnicht verlässlich
Scheidenspülung30nicht zu empfehlen
Verhütungscomputer2 - 5Die Sicherheit richtet sich nach den jeweiligen Verhütungsmethoden, auf denen die Computer basieren. Vorteil: Die Daten müssen nicht mehr aufgeschrieben und von Hand ausgewertet werden.

Operative Verhütungsmethoden

Wer seine Familienplanung abgeschlossen hat oder sich sicher ist, keine Kinder mehr bekommen zu wollen, für den kommt eine operative Verhütungsmethode wie die Sterilisation infrage. Während dieser Eingriff für Frauen in der Regel eine endgültige Entscheidung bedeutet, kann eine Sterilisation beim Mann zum Teil auch wieder rückgängig gemacht werden. Beide Formen sind als sehr sichere Verhütungsmethoden einzustufen.

Sicherheit operativer Methoden
Methode Pearl-Index Kurzinfo
Sterilisation der Frau0,1sehr sicheres Verhütungsmittel, aber nur für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung zu empfehlen
Sterilisation des Mannes0,1sehr sicheres Verhütungsmittel, aber nur für Männer mit abgeschlossener Familienplanung zu empfehlen

Chemische Verhütungsmittel

Als chemische Verhütungsmittel bezeichnet man sogenannte Spermizide. Dabei führt die Frau bestimmte Wirkstoffe kurz vor dem Geschlechtsverkehr in die Scheide ein (z.B. in Form von Salben, Gels, Zäpfchen oder Schaum). Die Wirkstoffe sollen die Spermien abtöten, verlangsamen oder ihren Weg behindern. Die alleinige Verwendung von chemischen Verhütungsmitteln ist allerdings nicht sehr sicher und daher nur in Kombination mit anderen Verhütungsmethoden empfehlenswert.

Sicherheit chemischer Verhütungsmittel
Methode Pearl-Index Kurzinfo
Spermizide3 - 21nur in Kombination mit Verhütungsmethoden wie Diaphragma, Portiokappe oder Lea Contraceptivum zu empfehlen

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