Völlegefühl: Normal oder krankhaft?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (29. November 2017)

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Ein Völlegefühl nach einer üppigen Mahlzeit, die den Magen überlastet, ist ganz normal. Wenn jedoch ein unerklärliches Völlegefühl oder andere Verdauungsbeschwerden sich häufen oder länger anhalten, ist ein Arztbesuch ratsam, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen.

Was ist Völlegefühl?

Völlegefühl im Bauch ist das unangenehme Empfinden, das ein übervoller Magen und Darm hervorrufen. Neben üppigem Essen kann verschluckte Luft im Bauch oder übermäßige Gasbildung im Darm dafür verantwortlich sein. Auch wenn Gase nicht entweichen können, fühlt sich der Bauch prall und voll an.

Typisch beim Völlegefühl ist meist ein regelrechter Blähbauch: Dann ist der Bauch stark angespannt, aufgebläht und nach vorne gewölbt. Da das Völlegefühl zu den Anzeichen einer Verdauungsstörung (bzw. Dyspepsie) zählt, tritt es oft zusammen mit anderen entsprechenden Beschwerden auf – zum Beispiel mit:

Ein stark ausgeprägtes Völlegefühl kann auch mit Krämpfen sowie mit kolikartigen Bauch- und Magenschmerzen verbunden sein.

Völlegefühl: Ursachen

Ein Völlegefühl im Bauch hat meist keine krankhaften Ursachen: Jeder gesunde Mensch kann es nach einer üppigen Mahlzeit, die den Magen überlastet, entwickeln.

Vor allem sehr fetthaltige Lebensmittel, stark gesüßte Lebensmittel sowie blähende Speisen (wie Hülsenfrüchte und verschiedene Kohlsorten) können ein Völlegefühl und weitere Beschwerden im Magen-Darm-Bereich verursachen.

Allerdings können bestimmte Umstände ein Völlegefühl fördern – zum Beispiel:

Wenn ein Völlegefühl jedoch regelmäßig auch nach ganz normalen Essensportionen ohne Überlastung des Magens auftritt, kann das darauf hindeuten, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Meistens steckt eine Störung der Verdauung beziehungsweise der Produktion von Verdauungssaft hinter einem scheinbar grundlosen Völlegefühl. Als Ursachen kommen beispielsweise folgende Krankheiten infrage:

Völlegefühl durch hormonelle Schwankungen

Bei Frauen können auch hormonelle Schwankungen ein Völlegefühl verursachen, beispielsweise

Verstopfung, Blähungen und ein dadurch bedingtes Völlegefühl kommen besonders in der Frühschwangerschaft vor. Denn die hormonelle Umstellung zu Beginn der Schwangerschaft macht die Verdauung träger.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft tritt ein Völlegefühl häufig nach dem Essen auf, wenn die wachsende Gebärmutter auf den gefüllten Magen drückt. Daher empfiehlt es sich für Schwangere, besser über den Tag verteilt mehrere kleine Mahlzeiten als wenige große zu sich zu nehmen.

Völlegefühl ist auch ein häufiges Symptom beim prämenstruellen Syndrom (PMS), das sich kurz vor der Menstruation bemerkbar machen kann. Oft tritt es in Kombination mit Rückenschmerzen und Kopfschmerzen auf.

In den Wechseljahren kann sich die Hormonumstellung auf die Darmschleimhaut auswirken – in der Folge kann es zu Unverträglichkeitsreaktionen im Zusammenhang mit verschiedenen Lebensmitteln kommen, was wiederum ein Völlegefühl nach dem Essen erzeugen kann.

Völlegefühl: Diagnose

Nicht jedes Völlegefühl macht einen Arztbesuch notwendig: Wenn sich Magen und Darm nach einer sehr üppigen Mahlzeit übervoll anfühlen, ist das zunächst normal.

Ein ständiges oder bei leerem Magen auftretendes Völlegefühl kann jedoch Anzeichen für eine Störung sein. Dann ist es ratsam, die Ursache für die Beschwerden von einem Arzt abklären zu lassen. Im ersten Schritt zur Diagnose erfasst der Arzt die Krankengeschichte (sog. Anamnese) – dabei kann er zum Beispiel folgende Fragen stellen:

Besteht der Verdacht auf ein krankhaftes Völlegefühl, bietet sich anschließend eine Magenspiegelung (Gastroskopie) an. Über den hierzu eingeführten Schlauch (sog. Gastroskop) kann der Arzt

  • den Zustand der Magenschleimhaut beurteilen und
  • gleichzeitig eine Gewebeprobe (Biopsie) entnehmen, um sie feingeweblich zu untersuchen, und
  • einen Abstrich machen, um eventuell vorhandene Erreger nachzuweisen.

Zur Basisdiagnostik bei einem Völlegefühl gehört auch eine Blutuntersuchung. Deren Zweck besteht unter anderem darin, die Entzündungswerte im Blut zu bestimmen. Darüber hinaus können je nach vermuteter Ursache für die Beschwerden zusätzliche Untersuchungen nötig sein, wie zum Beispiel:

Gibt es Hinweise auf eine Nahrungsmittelunverträglichkeit, kann der Arzt spezielle Diagnoseverfahren anwenden (z.B. einen Test auf Laktoseintoleranz bei vermuteter Milchzuckerunverträglichkeit). Ob eine Lebensmittelallergie hinter dem Völlegefühl steckt, lässt sich unter anderem mit einer Blutuntersuchung oder einem Allergietest auf der Haut (z.B. Prick-Test) feststellen. Bei einer Pilzinfektion des Darms oder einer gestörten Darmflora (Dysbiose) kann eine Stuhluntersuchung Aufschluss über mögliche Infektionen beziehungsweise Störungen geben.

Völlegefühl: Therapie

Ein Völlegefühl kann nach zu üppigem Essen auch bei gesunden Menschen auftreten. Eine besondere Therapie ist dann nicht nötig. Um das Gefühl eines übervollen Magens und Darms gar nicht erst entstehen zu lassen, gelten allgemein folgende Tipps:

  • Verzichten Sie lieber auf große Mahlzeiten (nehmen Sie stattdessen häufiger kleinere Mahlzeiten ein).
  • Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung.
  • Kauen Sie die Speisen gut durch und essen Sie nicht zu schnell.
  • Es ist auch ratsam, Alkohol, Nikotin und künstliche Süßungsmittel zu vermeiden.

Wenn Sie doch aufgrund einer übermäßigen Essensportion oder der Nahrungszusammensetzung ein Völlegefühl im Bauch entwickeln, kann Ihnen als Hausmittel ein Tee mit Fenchel, Anis, Kümmel oder Pfefferminze helfen. Auch pflanzliche Bittermittel wie zum Beispiel Enzian- oder Angelikawurzel und das Auflegen einer Wärmflasche können helfen.

Ein weiteres wirksames Mittel gegen Völlegefühl ist Bewegung: Dadurch können Sie Ihre Verdauung fördern und damit die Beschwerden schneller abklingen lassen.

Je nach Ursache für das Vollegefühl können speziellere Behandlungsmaßnahmen sinnvoll sein: Stecken beispielsweise Stress und übermäßige Anspannung dahinter, bieten sich zur Therapie Entspannungsmethoden wie zum Beispiel autogenes Training an.

Ist das Völlegefühl durch eine Lebensmittelallergie oder sonstige -unverträglichkeit bedingt, besteht die wirksamste Behandlung grundsätzlich darin, die verantwortlichen Nahrungsmittel beziehungsweise -bestandteile zu vermeiden.

Ist das Völlegefühl Begleitsymptom einer anderen Krankheit, wie etwa einer Magenschleimhautentzündung, eines Zwölffingerdarmgeschwürs oder einer Pilzinfektion des Darms, ist es nötig, diese Grunderkrankung gezielt zu behandeln.

Völlegefühl: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Völlegefühl":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 29.11.2017)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Messmann, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012

Biesalski, H.K., Bischoff, S.C., Puchstein, C. (Hrsg.): Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010

Aktualisiert am: 29. November 2017

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