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Nachtschweiß: Symptom mit vielen Ursachen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (16. Mai 2017)

© iStock

Nächtliches Schwitzen, auch Nachtschweiß genannt, ist nicht nur unangenehm. Es kann auch auf eine Erkrankung hinweisen. Auch wenn die Ursachen oft harmlos sind, sollte man länger anhaltenden Nachtschweiß immer abklären lassen.

Was ist Nachtschweiß?

Von Nachtschweiß sprechen Mediziner, wenn eine Person nachts übermäßig schwitzt. Die Betroffenen wachen oft schweißgebadet auf – und müssen den durchnässten Schlafanzug und das Bettlaken wechseln.

Eine starke Schweißproduktion muss nicht zwingend krankhaft sein – bei hochsommerlichen Temperaturen, während eines Saunabesuchs oder beim Sport ist es nicht nur normal, sondern sogar sehr wichtig, dass Sie viel schwitzen: Der Feuchtigkeitsfilm auf der Haut kühlt und schützt Ihren Körper vor Überwärmung.

Auch nächtliches Schwitzen kann eine ganz normale Reaktion Ihres Körpers sein: Möglicherweise entsteht der Nachtschweiß, weil die Raumtemperatur in Ihrem Schlafzimmer zu hoch oder Ihr Bettzeug zu dick ist – oder Sie tragen zu warme Nachtkleidung. In manchen Fällen ist Nachtschweiß aber auch Symptom einer Erkrankung: Fast jeder Mensch kennt nächtliches Schwitzen etwa im Rahmen einer schweren Erkältung oder Grippe. Bei solchen Infekten leiden die Betroffenen aber nicht nur unter Nachtschweiß, sondern schwitzen auch tagsüber vermehrt. Es gibt aber auch Erkrankungen, bei denen das Schwitzen vorwiegend oder ausschließlich nachts auftritt.

Übermäßiges Schwitzen = Hyperhidrosis

Übermäßiges Schwitzen bezeichnen Meidziner als Hyperhidrosis oder Hyperhidrose – dieser Begriff sagt aber noch nichts darüber aus, ob das starke Schwitzen in der Nacht oder tagsüber auftritt. Er umschreibt lediglich, dass ein Mensch am ganzen Körper oder auch an bestimmten Körperstellen viel schwitzt, zum Beispiel an den Händen oder unter den Achseln. Eine Hyperhidrose kann ein Symptom unterschiedlicher Krankheiten sein oder auch als eigenständiges Krankheitsbild ohne weitere erkennbare Ursache auftreten.

Was sind die Ursachen?

Nachtschweiß kann viele Ursachen haben und muss nicht unbedingt Zeichen einer körperlichen Erkrankung sein. In manchen Fällen ist nächtliches Schwitzen schlichtweg eine natürliche Reaktion auf eine zu hohe Umgebungstemperatur. Wer einen zu warmen Schlafanzug trägt oder in einem geheizten Raum schläft, dem kann rasch zu warm werden.

Aber auch die Ernährung spielt eine Rolle: Scharfe Gewürze und üppige Mahlzeiten vor dem Schlafengehen können Nachtschweiß fördern – ebenso wie Alkohol und Drogen.

Darüber hinaus kann nächtliches Schwitzen durch bestimmte Medikamente ausgelöst werden. Dazu zählen etwa

Psychische Ursachen sind ebenfalls möglich. So können zum Beispiel Angsterkrankungen, übermäßiger Stress oder Schmerzen mit Nachtschweiß einhergehen. Hinter vermehrtem Schwitzen, das in der Nacht auftritt, können aber auch körperliche Erkrankungen / Reaktionen stecken.

Eine Frau liegt in einem Pyjama auf dem Bett. © Jupiterimages/iStockphoto

Eine harmlose Ursache für Nachtschweiß ist zu warme Kleidung.

Überblick: Mögliche Ursachen von Nachtschweiß

Übrigens: Manchmal findet man keine Ursachen für den Nachtschweiß. Ärzte sprechen dann von idiopathischem Nachtschweiß. Lassen Sie länger anhaltenden Nachtschweiß aber in jedem Fall ärztlich abklären.

B-Symptome: Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust

Im Rahmen bestimmter Erkrankungen tritt Nachtschweiß häufig gemeinsam mit Fieber und Gewichtsverlust auf. 

Die Kombination von Nachtschweiß, Gewichtsverlust und Fieber bezeichnet man als B-Symptomatik oder B-Symptome (auch: Begleit-Symptomatik).

Unter der B-Symptomatik versteht man begleitende Symptome, die bei schweren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder einer HIV-Infektion vorkommen oder auf eine bösartige Erkrankung wie Lymphdrüsenkrebs oder Leukämie hinweisen können.

Aber: Die B-Symptomatik ersetzt keine Diagnose – nur, weil eine Person gleichzeitig an Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiß leidet, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie tatsächlich ernsthaft erkrankt ist. Dennoch ist sicherheitshalber ein Arztbesuch zu empfehlen, wenn nächtliches Schwitzen, Fieber und / oder Gewichtsverlust über längere Zeit hinweg auftreten.

Diagnose

Nachtschweiß kann zwar harmlos sein – dennoch ist eine rasche Diagnose durch den Arzt empfehlenswert, wenn das nächtliche Schwitzen über einen längeren Zeitraum auftritt.

Der Arzt wird vor der körperlichen Untersuchung etwa wissen wollen,

  • seit wann der Nachtschweiß besteht,
  • ob der Nachtschweiß jede Nacht auftritt und
  • wie stark das nächtliche Schwitzen ist.

Eine typische Frage des Arztes könnte dann sein: "Wie oft müssen Sie den Pyjama oder das Bettlaken wechseln?" Zudem wird er nach weiteren Beschwerden fragen, so etwa nach

Auch wird er gegebenenfalls wissen wollen, ob der Patient bestimmte Medikamente einnimmt oder ob er unter bestimmten Vorerkrankungen leidet.

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Eine Ärztin erklärt ihrem Patienten etwas. © Jupiterimages/iStockphoto

Bei länger anhaltendem Nachtschweiß ist es ratsam, sich vom Arzt untersuchen zu lassen.

Hat der Arzt alle nötigen Fragen gestellt, untersucht er den Patienten gründlich. Dabei hört er zum Beispiel die Lungen ab oder tastet nach vergrößerten Lymphknoten. Blutuntersuchungen können weiteren Aufschluss über die mögliche Ursache geben. Je nachdem, welche Erkrankung der Arzt vermutet, können weiterführende Untersuchungen notwendig sein (z.B. Ultraschalluntersuchung, Röntgenaufnahmen, Knochenmarkpunktion).

Behandlung

Bei starkem oder lang anhaltendem Nachtschweiß unbekannter Ursache ist es zunächst wichtig, den Grund dafür zu finden und zu beseitigen. Da Nachtschweiß durch ganz unterschiedliche Umstände oder Erkrankungen hervorgerufen werden kann, ist auch die Therapie von Fall zu Fall sehr unterschiedlich.

Ist zum Beispiel eine bakterielle Infektion für den Nachtschweiß verantwortlich, ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig. Ist das nächtliche Schwitzen psychischer Natur, kann gegebenenfalls eine Psychotherapie sinnvoll sein.

Eine Frau schläft im Bett. © Jupiterimages/iStockphoto

Wenn keine Erkrankung dahintersteckt, können manchmal schon einfache Maßnahmen gegen Nachtschweiß helfen.

Tipps gegen Nachtschweiß ohne körperliche Ursachen

Wenn der Arzt keine erkennbare Ursache für Ihren Nachtschweiß gefunden hat, können unter Umständen ein paar allgemeine Maßnahmen Abhilfe schaffen:

  • Nehmen Sie kurz vor dem Schlafengehen keine großen Mahlzeiten mehr zu sich.
  • Essen Sie keine zu scharf gewürzten Speisen.
  • Verzichten Sie auf Kaffee und Alkohol.
  • Lüften Sie Ihr Schlafzimmer gründlich und schlafen Sie ohne Heizung.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Nachtschweiß”:

Quellen:

Online-Informationen der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): www.krebsgesellschaft.de (Abrufdatum: 13.1.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Nachtschweiß. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 1.12.2016)

Battegay, E.: Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013

Buchta, M., Höper, D.W., Sönnichsen, A.: Das Hammerexamen. Urban & Fischer, München 2008

Stand: 16. Mai 2017

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