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Muskelzucken

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. August 2016)

© iStock

Ein ständig wiederkehrendes Muskelzucken kann nervig sein, hört jedoch nach einer Weile meist von allein auf und in der Regel sind die Ursachen harmlos. Unter Umständen können Muskelzuckungen aber auch als Folge einer Erkrankung auftreten.

Je nach Ausprägung kann Muskelzucken den Alltag der Betroffenen sehr belasten – oder im Fall einer Epilepsie auch die Gefahr von Verletzungen mit sich bringen. Muskelzuckungen bei Tic-Störungen oder dem Tourette-Syndrom sind häufig nicht nur für den Betroffenen unangenehm, sie fallen auch der Umwelt auf und lösen oft Unverständnis und Irritation aus.

Was ist Muskelzucken?

Als Muskelzucken bezeichnet man plötzlich einsetzende Zuckungen der Muskulatur, die man nicht bewusst steuern kann. Ein Beispiel hierfür ist das Zucken der Beine beim Einschlafen oder ein gelegentliches Zucken des Augenlids.

Muskelzucken: Inhaltsverzeichnis

Muskelzucken: Was sind die Ursachen?

Muskelzuckungen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und viele verschiedene Ursachen haben, wie zum Beispiel:

Damit sich ein Muskel zusammenziehen kann, sind Nervenimpulse notwendig, die vom Gehirn an die entsprechenden Muskelzellen weitergegeben werden. Wenn sich die Nervenimpulse allerdings überschießend und unkontrolliert entladen, entstehen Muskelzuckungen.

Die Art und Weise, wie die beteiligten Muskeln zucken, hängt von der jeweiligen Ursache ab. Bei epileptischen Anfällen zum Beispiel kommt es zu sehr heftigem Muskelzucken, das den gesamten Körper verkrampfen kann. Die kältebedingten Zuckungen der Kiefermuskulatur, die fast jeder Mensch als "Zähneklappern" kennt, sind dagegen eher ein feines Zittern. Das Beispiel "Zähneklappern" zeigt auch, dass Muskelzucken manchmal nur eine bestimmte Körperregion betrifft.

Ein ähnliches Beispiel ist das Augenzucken: Dabei fängt die Muskulatur um das Auge oder im Augenlid an zu zucken. Das Zucken der Augenmuskeln beziehungsweise des Augenlids kann dabei unterschiedlich stark sein – angefangen von sehr feinen und schnellen Zuckungen (z.B. bei Erschöpfung, Stress) bis hin zu einem ausgeprägten Augenzwinkern im Rahmen einer Tic-Störung.

Manchmal ist Augenzucken oder Muskelzucken an anderen Körperstellen als kurze Bewegung unter der Haut sichtbar. Dabei ziehen sich kleine Muskelbündel (sog. Faszikel) wiederholt zusammen. Mediziner verwenden für solche feinen Muskelzuckungen auch den Begriff Faszikulationen. Faszikulationen können im Rahmen von neurologischen Erkrankungen vorkommen oder auch bei völlig gesunden Menschen (z.B. nach intensivem Sport) auftreten.

Muskelzucken: Diagnose

Bei häufigem oder dauerhaftem Muskelzucken ist ein Arztbesuch zu empfehlen. So lässt sich feststellen, ob harmlose Ursachen wie eine vorübergehende Nervenreizung oder eine ernste Erkrankung dahinter stecken. Der richtige Ansprechpartner bei Muskelzuckungen ist der Neurologe. Für die Diagnose benötigt er Informationen vom Betroffenen, um ein genaueres Bild der Beschwerden zu bekommen, zum Beispiel:

  • Welche Körperstellen sind betroffen?
  • Wann ist das Muskelzucken erstmals aufgetreten?
  • Wie oft tritt es auf?
  • Gab es ein auslösendes Ereignis (z.B. eine Untersuchung oder eine Verletzung)?
  • Bestehen weitere Beschwerden neben den Muskelzuckungen (wie Brennen, Schmerzen, Fieber)?
  • Sind Vorerkrankungen bekannt (z.B. Epilepsie)?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?
  • Trinken Sie regelmäßig Alkohol?

Es folgen eine körperliche Untersuchung sowie eine neurologische Untersuchung, bei welcher der Arzt unter anderem Nerven, Muskulatur und Reflexe prüft. Auch elektronische Messungen können notwendig sein, um die Ursachen des Muskelzuckens herauszufinden. Hierzu gehören beispielsweise

Je nach Befund können weitere Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel:

Muskelzucken: Therapie

Bei Muskelzucken richtet sich die Therapie nach der jeweiligen Ursache. Manchmal verschwinden die Beschwerden von ganz alleine, wenn keine behandlungsbedürftige Erkrankung dahinter steckt.

Muskelzucken kann auch stressbedingt auftreten. Wenn Sie sich in einer stressigen Lebensphase befinden, können Entspannungstechniken dabei helfen, langfristig den Stresslevel zu senken, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden. Empfehlenswert sind zum Beispiel autogenes Training oder progressive Muskelentspannung.

Ist das Muskelzucken eine Nebenwirkung von Medikamenten, setzen Sie diese nicht eigenmächtig ab, sondern halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, ob Sie auf ein anderes Präparat umsteigen können. 

Treten die Muskelzuckungen als Folge eines Magnesiummangels auf, kann die Einnahme  spezieller Magnesiumpräparate die Beschwerden lindern.

Bei Tics beziehungsweise dem Tourette-Syndrom lässt sich die Anzahl und Stärke der Tics und Muskelzuckungen durch spezielle Medikamente (sog. Neuroleptika) verringern.

Wird das Muskelzucken durch eine Epilepsie verursacht, können Medikamente aus der Gruppe der Antiepileptika helfen (z.B. die Wirkstoffe Carbamazepin, Valproinsäure oder Clonazepam).

Muskelzucken: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Muskelzucken":

Quellen:

Grehl, H.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2016)

Gleixner, C., Müller, M., Wirth, S.: Neurologie und Psychiatrie. Für Studium und Praxis 2015/16. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2015

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Tics. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/012 (Stand: 20.9.2012)

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

Stand: 22. August 2016

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