Juckreiz im Genitalbereich: Lästig, aber meist harmlos

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. November 2017)

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Juckreiz im Genitalbereich ist zwar lästig, aber meist harmlos. Hält das Jucken länger an, kann es aber ein Anzeichen für eine Erkrankung sein, die eine Behandlung erfordert. Frauen sind öfter betroffen als Männer.

Was ist Juckreiz im Genitalbereich?

Juckreiz im Genitalbereich (fachsprachlich: Pruritus genitalis) ist eine Missempfindung an Haut oder Schleimhaut im Bereich der Organe, die dem Geschlechtsverkehr und der Fortpflanzung dienen.

Für den Juckreiz im Genitalbereich sorgen wie an jeder anderen Stelle verschiedene Botenstoffe des Körpers – beispielsweise Histamin oder Zytokine. Nervenfasern leiten die Sinnesempfindung zum Gehirn weiter, wo daraufhin ein Kratzreflex entsteht: Die Betroffenen verspüren den praktisch unwiderstehlichen Drang, die juckende Haut zu kratzen, zu scheuern oder zu reiben.

Der Zweck von Juckreiz besteht darin, eventuelle Parasiten, Brennhaare (z.B. von Brennnesseln) oder andere Fremdkörper von der Hautoberfläche zu entfernen. Wie andere Empfindungen der Haut – zum Beispiel Schmerz, Berührung, Kälte oder Hitze – dient das Jucken also als Schutzmechanismus.

Wenn die äußere Scheide (Vagina), der Penis oder die Eichel kurzfristig juckt, ist dies meist harmlos. Hingegen ist ein lang anhaltender Juckreiz im Genitalbereich als Warnsymptom zu betrachten. Eine solche chronische Juckempfindung kann man in drei Gruppen einteilen:

  1. Pruritus auf ursprünglich nicht entzündeter Haut (anfangs liegen also noch keine Hautveränderungen vor)
  2. Pruritus auf ursprünglich entzündeter Haut (bei Hauterkrankungen)
  3. Pruritus mit chronischen Hautverletzungen durch Kratzen (das Aussehen der Haut ist durch diese Kratzverletzungen geprägt)

Am häufigsten tritt ein länger anhaltender Juckreiz im Genitalbereich bei der Frau als sogenannter Pruritus vulvae auf – der Schambereich (bzw. Vulva) juckt dabei überwiegend infolge von Pilzinfektionen. Beim Mann kommt Juckreiz im Intimbereich seltener vor.

Juckreiz im Genitalbereich: Ursachen

Juckreiz im Genitalbereich kann viele verschiedene Ursachen haben. Wenn die äußere Scheide (Vagina), der Scheideneingang, der Penis oder die Eichel kurzfristig juckt, sind die Gründe oft harmlos: Die Missempfindung dient – ähnlich wie das Schmerz-, Kälte- oder Hitzeempfinden – dem Schutz der Haut.

Vor allem ein länger andauernder Juckreiz im Genitalbereich kann jedoch Anzeichen für eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein.

So kann ein krankheitsbedingter Juckreiz im Genitalbereich beispielsweise folgende Ursachen haben:

Bei der Frau steckt meistens eine Pilzinfektion hinter einem Juckreiz im Genitalbereich.

Häufig ist der Pilz Candida dafür verantwortlich, dass der Schambereich juckt: Candida besiedelt zwar auch die gesunde Schleimhaut des Menschen, kann sich aber unter bestimmten Umständen (z.B. durch die hormonellen Veränderungen während einer Schwangerschaft) krankhaft vermehren und einen Juckreiz im Genitalbereich auslösen. Je nachdem, welche Stelle infiziert ist, entzündet sich

Meist tritt in diesen Fällen begleitend zum Juckreiz im Genitalbereich ein weißlicher Ausfluss aus der Scheide auf.

Beim Mann kommt es seltener vor, dass der Genitalbereich juckt – ein möglicher Grund ist beispielsweise eine Vorhautverengung (Phimose). Bei beiden Geschlechtern kann der Juckreiz im Genitalbereich auch ohne erkennbare Ursachen (d.h. idiopathisch) auftreten – dann ist das Jucken vermutlich psychosomatisch bedingt.

Sowohl mangelnde als auch übertriebene Hygiene kann einen Juckreiz im Genitalbereich begünstigen.

Zudem kann ein ständiger Juckreiz im Genitalbereich eine Art Teufelskreis in Gang setzen:

  • Starkes Kratzen verringert kurzfristig das Jucken und fördert damit weiteres Kratzen.
  • Wer sich jedoch lange oder stark kratzt, schädigt die Haut – es entstehen neue entzündliche Hautveränderungen, die jucken und das Kratzen weiter fördern.
  • So verschlimmert sich der Hautzustand immer mehr.

Juckreiz im Genitalbereich: Diagnose

Bei Juckreiz im Genitalbereich besteht der erste Schritt zur Diagnose darin, die Krankheitsgeschichte zu erfassen (sog. Anamnese). Dazu möchte der Arzt zum Beispiel Folgendes wissen:

  • Wie stark ist der Juckreiz im Intimbereich und wann tritt er auf?
  • Besteht gleichzeitig ein Ausfluss?
  • Haben Sie hormonhaltige Medikamente eingenommen?
  • Bestand in der letzten Zeit ein Risiko für sexuell übertragbare Krankheiten?
  • Sind Grunderkrankungen bekannt?

Durch diese und weitere Fragen erhält der Arzt erste Hinweise auf die mögliche Ursache für den Juckreiz im Genitalbereich. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt vor allem den Zustand der äußeren Geschlechtsorgane überprüft.

Bei Frauen mit Juckreiz im Genitalbereich gehört es auch zur Untersuchung, die Scheide (Vagina) abzutasten und mit einem Scheidenspiegel (Spekulum) die Scheidenschleimhaut auf Auffälligkeiten zu untersuchen – wie Entzündungen oder Ausfluss. Gleichzeitig nimmt der Arzt einen Abstrich der Schleimhaut, untersucht diesen unter dem Mikroskop auf mögliche Erreger (wie Pilze oder Bakterien) und bestimmt den pH-Wert des Schleimhautsekrets.

Je nach vermuteter Ursache für den Juckreiz im Genitalbereich können weitere Untersuchungen folgen. Hierzu gehören beispielsweise:

Besteht der Verdacht, dass eine Krebserkrankung für den Juckreiz im Genitalbereich verantwortlich ist, kommen zudem bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder Computertomographie (CT) zum Einsatz.

Juckreiz im Genitalbereich: Therapie

Die gegen Juckreiz im Genitalbereich eingesetzte Therapie zielt auf die Ursache ab: Bei einer Pilzinfektion hilft eine Salbe, die pilzabtötende Wirkstoffe (sog. Antimykotika) enthält – wie beispielsweise Clotrimazol oder Nystatin. Ist eine Bakterien-Infektion für den Juckreiz am Penis oder an der äußeren Vagina verantwortlich, wirkt eine Antibiotika-Behandlung (z.B. mit Metronidazol oder Amoxicillin).

Steckt eine sexuell übertragbare Infektion hinter dem Juckreiz im Genitalbereich, ist eine Therapie in jedem Fall auch für Sexualpartner wichtig, um eine erneute Infektion auszuschließen.

Überwiegend sind Frauen von einem behandlungsbedürftigen Juckreiz im Genitalbereich betroffen. Für sie bieten sich Präparate mit Milchsäure oder Milchsäurebakterien an, um allgemein die Scheidenflora zu verbessern und Infektionen zu verhindern.

Hat ein Östrogenmangel Scheidenjucken verursacht, ist eine örtliche Hormontherapie mit 17-beta-Estradiol oder Estriol sinnvoll: Hierzu bekommt man eine Salbe, die man auf die Scheidenschleimhaut aufträgt. Besteht neben dem Juckreiz im Genitalbereich gleichzeitig eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen, können zur Behandlung entsprechend wirkende Kombinationspräparate (also Östrogene + Antibiotika bzw. Östrogene + Antimykotika) zum Einsatz kommen.

Wenn eine andere Krankheit (wie Diabetes mellitus oder Eisenmangel) den Juckreiz im Genitalbereich auslöst, ist es notwendig, diese Grunderkrankung gezielt zu behandeln.

Neben der ursächlichen Behandlung sind bei Juckreiz im Genitalbereich auch einige allgemeine Maßnahmen sinnvoll. So können Sie zum Beispiel selber wie folgt dazu beitragen, den Juckreiz zu lindern:

  • Unterlassen Sie alles, was die Haut zu sehr austrocknet – das heißt zum Beispiel:
    • baden Sie nicht zu häufig und
    • gehen Sie nicht in die Sauna.
  • Vermeiden Sie Kontakt mit irritierenden Stoffen oder Substanzen wie Kamille.
  • Verwenden Sie zum Waschen milde, nicht-alkalische Seifen, rückfettende Waschsyndets oder Dusch- und Badeöle.
  • Trocknen Sie sich vorsichtig ab (tupfen statt rubbeln).
  • Tragen Sie luftige Wäsche, beispielsweise aus Baumwolle.

Juckreiz im Genitalbereich: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Juckreiz (Pruritus): Was hilft, wenn es am ganzen Körper juckt?
Magazin: Die 6 besten Tipps für die richtige Intimpflege
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Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 28.11.2017)

Online-Informationen des Berufsverbands der Frauenärzte e.V.: www.frauenaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 28.11.2017)

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Diagnostik und Therapie des chronischen Pruritus. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/048 (Stand: Mai 2016)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Sterry, W., Burgdorf, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Kirschbaum, M., Münstedt, K. (Hrsg.): Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

Aktualisiert am: 28. November 2017