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Juckreiz (Pruitus): Quälend, aber meist harmlos

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. Oktober 2015)

© Jupiterimages/Stockbyte

Egal, ob er die Haut am ganzen Körper oder nur die Kopfhaut betrifft – Juckreiz (Pruritus) ist ein unangenehmes Gefühl. Er veranlasst den Betroffenen, sich an der Stelle zu kratzen, zu scheuern oder zu drücken. In den meisten Fällen ist Juckreiz zwar lästig, aber harmlos.

Juckreiz: Inhaltsverzeichnis

Was ist Juckreiz?

Juckreiz ist ein unangenehmes Gefühl auf der Haut, das das Bedürfnis auslöst, sich an einer Körperstelle kratzen zu wollen.

Empfindungen der Haut wie beispielsweise Schmerz, Kälte- oder Hitzegefühl dienen als Warnsignale und lösen Schutzreflexe aus – zum Beispiel das schnelle Wegziehen der Hand von einer heißen Herdplatte.

Auch Juckreiz (Pruritus) zählt im Prinzip zu diesen Schutzmechanismen: Er löst Kratzbewegungen aus, die dazu dienen, schädliche Parasiten oder andere Fremdkörper von der Hautoberfläche zu entfernen. Im Gegensatz zu einem kurzfristigen, akuten Juckreiz – für den es oftmals keinen erkennbaren Grund gibt, kann lang anhaltender, chronischer Juckreiz auf eine Erkrankung oder Störung hinweisen. Verschiedene Krankheiten können dann die Ursache sein.

Besonders starker Juckreiz tritt bei Erkrankungen und bestimmten Reaktionen der Haut auf.

Nicht nur Krankheiten, sondern auch Medikamente können als Nebenwirkung Pruritus hervorrufen. Zudem vermögen bestimmte Botenstoffe im Körper, wie zum Beispiel Histamin, Juckreiz auszulösen. Histamin spielt eine wichtige Rolle bei allergischen Reaktionen, etwa bei Heuschnupfen. Dort verursacht es unter anderem Juckreiz in der Nase.

Der Juckreiz kann auf bestimmte Hautregionen begrenzt sein. Beispiele dafür sind Juckreiz am After, im Genitalbereich – oder wenn nur die Kopfhaut juckt. Wenn nicht nur ein Bereich, sondern der ganze Körper juckt, spricht man von generalisiertem Juckreiz.

Wenn der Juckreiz scharf begrenzt auftritt und sich gut lokalisieren lässt, bezeichnen Mediziner ihn als epikritischen Pruritus. Ein brennender und schlecht lokalisierbarer Juckreiz hingegen heißt protopathischer Pruritus. Treten Veränderungen der Haut – wie ein Hautausschlag – gleichzeitig mit Juckreiz auf, spricht man von einer Prurigo.

Juckreiz ist das am häufigsten vorkommende Symptom, das von der Haut ausgeht.

Ursachen

Je nach Art und Lokalisation kommen bei Juckreiz (Pruritus) verschiedene Ursachen infrage. Hauterkrankungen, bei denen ein besonders starker Juckreiz auftritt, sind beispielsweise:

Juckreiz (Pruritus) kann an einer einzelnen Körperstelle, zum Beispiel am After bei Hämorrhoiden oder einer Analfissur (lokalisierter Juckreiz), oder am ganzen Körper auftreten (generalisierter Juckreiz), ohne dass sonstige Veränderungen der Haut auffallen. Für beide Juckreiz-Formen kommen als Ursachen verschiedene Grunderkrankungen in Frage. Der Juckreiz tritt dann meist zusätzlich zu anderen Beschwerden der jeweiligen Krankheit als begleitendes Symptom auf:

Weitere Juckreiz-Ursachen sind:

Diagnose

Um bei Juckreiz (Pruritus) die richtige Diagnose zu stellen, befragt der Arzt den Betroffenen zunächst ausführlich:

  • Wo juckt es?
  • Wie stark ist der Juckreiz?
  • Seit wann tritt er auf?
  • Juckt es immer in bestimmten Situationen?
  • Haben Sie in der letzten Zeit Medikamente eingenommen?
  • Sind bei Ihnen Grunderkrankungen oder Allergien bekannt?

Diese und weitere Fragen können dem Arzt erste Hinweise auf mögliche Ursachen für den Juckreiz geben und die Diagnose unterstützen.

Nach der Befragung folgt eine körperliche Untersuchung. Dabei sucht der Arzt beispielsweise nach Kratzspuren, trockenen Hautstellen, farblichen Veränderungen oder Hinweisen auf Krankheitserreger. In manchen Fällen tastet er außerdem Lymphknoten, Leber und Milz ab.

Zur erweiterten Diagnostik können zählen:

Vermutet der Arzt eine Infektion mit einem Erreger, macht er einen Abstrich von der betroffenen Stelle und lässt eine Erregerkultur anlegen.

Es hängt davon ab, welche Ursache beziehungsweise Diagnose der Arzt hinter dem Juckreiz vermutet, ob er sich mithilfe spezieller Untersuchungen absichern kann und muss, zum Beispiel mittels:

Therapie

Grundsätzlich hängt die Therapie bei Juckreiz (Pruritus) von der zugrundeliegenden Ursache ab. Um die Beschwerden zu lindern, kann es in manchen Fällen helfen, wenn man die entsprechenden Stellen mehrmals täglich, besonders nach dem Waschen, mit einer wirkstofffreien Fettsalbe eincremt. Zur Körperreinigung sollten Sie nur alkalifreie Seifen verwenden.

Cremes oder Lotionen mit Menthol, Kampfer, Harnstoff oder Gerbstoffen können den Juckreiz kurzfristig lindern. Spezielle Salben gegen Juckreiz enthalten zum Beispiel:

Auch Medikamente zum Einnehmen sind bei Juckreiz manchmal eine geeignete Therapie. Hier bieten sich dann oft Antihistaminika (z.B. Cetirizin) an. Wenn psychische Ursachen vorliegen, können angstlösende und beruhigende Medikamente (Anxiolytika) und Neuroleptika zum Einsatz kommen. Hilfreich gegen Juckreiz ist außerdem eine Bestrahlung mit UV-B-Strahlen.

Wird der Juckreiz durch eine andere Krankheit (z.B. eine Stoffwechselstörung oder Bluterkrankung) ausgelöst, ist eine gezielte Therapie dieser Grunderkrankung erforderlich.

Man nahm bislang an, dass Juckreiz vereinfacht gesagt eine Minimalform des Schmerzreizes sei und beide Impulse auf gleiche Weise im Nervensystem weitergeleitet werden. Mittlerweile konnten Wissenschaftler aber herausfinden, dass Schmerzen und Juckreiz auf unterschiedlichen Nervenbahnen ins Gehirn geleitet werden. Den Forschern gelang es im Tierversuch, gezielt die juckreizvermittelnden Nervenzellen zu hemmen. Ob solche Ergebnisse in Zukunft auch zur Juckreiz-Therapie genutzt werden können, bleibt abzuwarten.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu „Juckreiz (Pruritus)”:

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Eigenverlag, Köln 2015

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2015)

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft: Chronischer Pruritus. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/048 (Stand: Juli 2012)

Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. 266. Auflage. De Gruyter, Berlin 2014

Sterry, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Yan-Gang Sun et al.: Cellular Basis of Itch Sensation. Science, Vol. 325, Iss. 5947, pp. 1531-1534 (18.9.2009)

Stand: 15. Oktober 2015

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