Heiserkeit: Wenn die Stimme heiser oder ganz weg ist

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (08. August 2017)

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Heiserkeit kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Häufig steckt eine akute Kehlkopfentzündung im Rahmen einer Erkältungskrankheit dahinter. In den meisten Fällen ist Heiserkeit ein vorübergehendes, harmloses Symptom. Sie kann jedoch auch auf eine ernste Erkrankung hinweisen.

Wer heiser ist, hat typischerweise eine rauchige, raue Stimme. Manchmal ist die Stimme auch völlig weg – dann ist nur noch ein Flüstern möglich.

Was ist Heiserkeit?

Heiserkeit ist eine Stimmstörung: Die Stimme ist so beeinträchtigt, dass der Stimmklang verändert und die Lautstärke eingeschränkt sind.

Die menschliche Stimme entsteht im Wesentlichen im Kehlkopf (Larynx). Dieser befindet sich am oberen Ende der Luftröhre. Der Kehlkopf enthält zwei Stimmlippen, deren freie Ränder die Stimmbänder bilden. Beim Sprechen treten die Stimmlippen zusammen und verschließen die Stimmritze fast vollständig. Strömt dann beim Ausatmen Luft durch diesen Spalt, bringt sie die Stimmlippen in Schwingung und es entstehen Töne. Heiserkeit entsteht, wenn dieser Vorgang beeinträchtigt ist.

Illustration: Stimmlippen © iStock

Der Kehlkopf von oben: Können die Stimmlippen nicht richtig schwingen, kann Heiserkeit die Folge sein.

Heiserkeit ist also keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom für eine Störung – ähnlich wie zum Beispiel Schmerzen. Wenn die Stimme heiser klingt, heißt es daher: Nicht zu lange abwarten und im Zweifel den Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsuchen!

Heiserkeit: Mögliche Ursachen

Häufige Ursachen von Heiserkeit sind:

Entzündungen von Kehlkopf und/oder Kehldeckel

Eine akute Entzündung im Bereich von Kehlkopf (sog. Laryngitis) und/oder Kehldeckel (sog. Epiglottitis) ist mit Abstand die häufigste Ursache von Heiserkeit.

Eine akute Kehlkopfentzündung tritt vor allem im Rahmen von Erkältung oder Grippe auf. Fast immer sind es Viren, die die Entzündung auslösen. Aufgrund der Entzündungsreaktion können die Stimmlippen nicht mehr frei schwingen – Heiserkeit ist die Folge.

Eine akute oder chronische Kehlkopfentzündung kann nicht nur durch Krankheitserreger, sondern auch durch äußere Reize entstehen, zum Beispiel durch das Einatmen von Tabakrauch.

Personen, die unter der Refluxkrankheit leiden, können ebenfalls eine Kehlkopfentzündung entwickeln. Dabei fließt saurer Magensaft zurück in die Speiseröhre und reizt den Kehlkopf.

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Der menschliche Kehlkopf (Larynx): Ist er entzündet, zählt Heiserkeit zu den typischen Beschwerden.

Überbelastung/Fehlbelastung der Stimme

Heiserkeit kann durch Überbelastung/Fehlbelastung entstehen – etwa durch Singen, Schreien oder langes Sprechen. Oft sind es Sänger und Menschen mit typischen Sprechberufen (wie Lehrer, Kindergärtner, Callcenter-Mitarbeiter, Marktschreier, Schauspieler, Ärzte, Pfarrer), die von Heiserkeit betroffen sind.

Die Heiserkeit kann vorübergehend sein, zum Beispiel, wenn eine Person ihre Stimme kurzfristig bei einem Rockkonzert angestrengt hat. Die Stimme kann aber auch über einen längeren Zeitraum hinweg heiser bleiben. Eine solche chronische Heiserkeit betrifft vor allem Menschen, die ihre Stimme berufsbedingt regelmäßig stark belasten. Durch die ständige Überbeanspruchung können sich Knötchen an den Stimmbändern bilden.

Gut- und bösartige Veränderungen

Manchmal stecken Tumoren hinter einer Heiserkeit – die meisten davon sind gutartig. So können beispielsweise gutartige Zysten, Stimmbandpolypen oder das sogenannte Reinke-Ödem die Ursachen sein. Seltener sind bösartige Tumoren an den Stimmlippen für Heiserkeit verantwortlich.

Nervenschädigungen/-störungen

Heiserkeit kann die Folge einer Nervenschädigung oder -störung sein.

Ist beispielsweise die Muskulatur des Kehlkopfs aufgrund einer Nervenschädigung teilweise oder völlig gelähmt, können die Stimmlippen nicht mehr richtig schwingen. Eine Stimmlippenlähmung kann zum Beispiel nach einer Operation im Halsbereich auftreten, etwa an der Schilddrüse. Eine weitere Ursache sind Verletzungen. Diese können zum Beispiel durch Gewalteinwirkungen auf den Kehlkopfbereich entstanden sein – oder durch einen Beatmungsschlauch, der über Mund oder Nase in die Luftröhre eingeführt wurde.

Auch im Rahmen der sogenannten spasmodischen Dysphonie kommt es zur Heiserkeit. Dabei entstehen, vermutlich aufgrund einer Neurotransmitterstörung, Krämpfe in der Kehlkopfmuskulatur.

Psychische Ursachen

Nicht zuletzt kann Heiserkeit psychisch bedingt sein – etwa als Folge von Angst, Stress oder Depressionen

Presbyphonie: Stimmveränderungen im Alter

Heiserkeit kann als Folge des natürlichen Alterungsprozesses entstehen. Die Stimmlippenmuskulatur verliert im Laufe der Jahre unter anderem an Elastizität. Die Stimme wird schwächer und das Sprechen ist mit größerer Anstrengung verbunden als früher.

Weitere mögliche Ursachen von Heiserkeit

Heiserkeit kann noch viele weitere Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel – wenn auch selten – innere Krankheiten wie Tuberkulose oder Amyloidose, aber auch rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis.

Heiserkeit: Diagnose

Nicht immer ist bei Heiserkeit sofort ein Arztbesuch notwendig. In den meisten Fällen klingt das Symptom nach einigen Tagen von alleine ab.

Wann zum Arzt?

Gehen Sie auf jeden Fall zum Arzt, wenn Sie schon länger als drei Wochen heiser sind.

Umgehend zum Arzt sollten Sie auch, wenn bestimmte Risikofaktoren vorliegen. Dazu zählen zum Beispiel

Im Gespräch wird Ihnen der Arzt zunächst einige Fragen stellen, zum Beispiel:

  • Wie lange ist die Stimme schon heiser bzw. weg?
  • Müssen Sie in Ihrem Beruf viel sprechen?
  • Wann tritt die Heiserkeit auf (z.B. permanent oder zu bestimmten Tageszeiten)?
  • Haben Sie Schmerzen und/oder Schluckbeschwerden?
  • Hatten Sie in letzter Zeit Kontakt zu chemischen Reizstoffen oder Rauch?
  • Rauchen Sie? Trinken Sie Alkohol?
  • Hatten Sie eine Operation im Halsbereich, z.B. an der Schilddrüse?

Anschließend folgt eine körperliche Untersuchung: Der Arzt tastet zum Beispiel die Lymphknoten ab, begutachtet Mundraum und Rachen oder hört die Lunge ab. Hat er den Verdacht, dass eine Infektion hinter der Heiserkeit steckt, wird er möglicherweise einen Abstrich nehmen, um die Erreger zu bestimmen.

Wichtiger Teil der Untersuchung ist die Kehlkopfspiegelung (Laryngoskopie). Sie kommt vor allem zum Einsatz, wenn die Heiserkeit schon länger besteht. Auch ist sie wichtig, wenn der Patient unter Beschwerden leidet, die möglicherweise mit einer ernsten Erkrankung in Zusammenhang stehen könnten. Mit einem Endoskop schaut sich der HNO-Arzt den Kehlkopf an. Währenddessen kann eine sogenannte Stroboskopie sinnvoll sein. Mit ihrer Hilfe kann der Arzt die schnell ablaufenden Stimmlippenbewegungen durch eine Art Zeitlupenaufnahme sichtbar machen und so Störungen der Stimmbänder erkennen.

Je nachdem, welche Ursache der Arzt für die Heiserkeit vermutet, können zusätzliche diagnostische Untersuchungen sinnvoll sein – zum Beispiel:

Heiserkeit: Was tun?

Bei Heiserkeit richtet sich die Therapie nach der Ursache der Störung. Einige Beispiele:

  • Ist die Heiserkeit entstanden, weil Sie aufgrund Ihres Berufs viel sprechen müssen, kann eine Stimmtherapie/ein Stimmtraining helfen. Haben Sie Ihre Stimme dagegen einmalig verausgabt, zum Beispiel während eines Rockkonzerts, reicht es aus, wenn Sie sie vorübergehend schonen.
  • Wenn sich Stimmbandknötchen gebildet haben, kommt ebenfalls eine Stimmtherapie infrage. Eventuell ist es möglich, die Knötchen in einem kleinen Eingriff zu entfernen.
  • Leiden Sie unter der Refluxkrankheit, sodass saurer Magensaft den Kehlkopf reizt, wird Ihnen der Arzt evtl. einen Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol verschreiben. Das Medikament kann überschüssige Magensäure binden.
  • Ist Heiserkeit psychisch bedingt, kann eine Psychotherapie hilfreich sein.
  • Steckt ein Kehlkopfkrebs hinter der Heiserkeit, wird der Arzt den Tumor operativ entfernen, ihn bestrahlen oder beide Behandlungsmethoden miteinander kombinieren.

Tritt Heiserkeit im Rahmen einer Erkältungskrankheit auf, ist in der Regel keine spezielle Behandlung durch den Arzt nötig. Die Heiserkeit ist spätestens nach ein bis zwei Wochen verschwunden. Um Beschwerden wie Fieber, Schnupfen oder Schmerzen zu lindern, können Sie vorübergehend auf Präparate mit Wirkstoffen wie Paracetamol oder Diclofenac zurückgreifen und/oder Nasenspray verwenden.

Was Sie selbst tun können

Wenn Sie heiser sind oder Ihre Stimme weg ist, gibt es vieles, was Sie selbst tun können:

  • Schonen Sie Ihre Stimme – das heißt: Sprechen Sie wenig und flüstern Sie auch nicht. Versuchen Sie, sich möglichst nicht zu räuspern.
  • Sorgen Sie für ausreichende FlüssigkeitszufuhrWohltuend sind warme Getränke wie Tee.
  • Verzichten Sie in jedem Fall auf Rauchen und meiden Sie verrauchte Räume.
  • Trinken Sie keinen hochprozentigen Alkohol.
  • Meiden Sie vorübergehend sehr heiße und scharf gewürzte Mahlzeiten.

Hausmittel bei Heiserkeit

Inwieweit Hausmittel bei Heiserkeit hilfreich sind, ist in Studien bisher nicht abschließend geklärt. Manche schwören auf Hausmittel wie warme Milch mit Honig oder auf Dampfbäder mit Kamille oder Sole-Salzen. Bonbons beispielsweise mit Primelwurzel oder Isländisch Moos können wohltuend sein.

Scharfe Erkältungsbonbons – zum Beispiel mit Menthol – sind bei Heiserkeit nicht zu empfehlen!

Heiserkeit: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Erkältung
Kehlkopfentzündung

Quellen:

Riedl, B., Peter, W.: Basiswissen Allgemeinmedizin. Springer, Heidelberg 2017

Dysphonie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 20.6.2017)

Reiter, R., et al.: Heiserkeit – Ursachen und Therapie. Deutsches Ärzteblatt Jg. 112, Heft 19, S. 329-37 (8. Mai 2015)

Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Feldmann, H., Brusis, T.: Das Gutachten des Hals-Nasen-Ohren-Arztes. Thieme, Stuttgart 2012

Arnold, W., Ganzer, U.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie e.V. (DGPP): Stimmstörung. Online-Informationen der DGPP: www.dgpp.de (Stand: Januar 2011)

Stand: 8. August 2017

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