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Frieren (Kälteempfindlichkeit): Ursachen und Behandlung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. August 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Wenn es kalt ist, friert man – das ist ein normaler Schutzmechanismus des Körpers. Außergewöhnliche Kälteempfindlichkeit kann aber auch ein Zeichen für Infekte, Durchblutungsstörungen und hormonelle Erkrankungen sein.

Was ist Frieren?
Frieren ist eine Schutzreaktion des Körpers. Sie verhindert, dass die Körpertemperatur zu stark abfällt.

Mit Wärme- und Kälterezeptoren in der Haut (sogenannten Thermorezeptoren) nimmt der Körper die Außentemperatur wahr. Wenn diese sinkt, senden die Rezeptoren Signale ans Gehirn. Dort, genauer gesagt im sogenannten Hypothalamus, befindet sich das Temperaturzentrum

Dieses Netzwerk aus Nervenzellen empfängt Signale von den Thermorezeptoren und wertet sie aus. So kann es erkennen, ob die aktuelle Ist-Temperatur des Körpers der Soll-Temperatur entspricht. Wenn nicht, kann das Temperaturzentrum den Körper in einen Zustand versetzen, in dem er Wärme erzeugt, spart und auf die lebenswichtigen Organe konzentriert. Diesen Zustand nimmt der Betroffene als "Frieren" wahr.  

Frieren (Kälteempfindlicheit): Mögliche Ursachen

Der menschliche Organismus funktioniert optimal, wenn die Körperkerntemperatur etwa 37 Grad Celsius beträgt. Das Temperaturzentrum im Gehirn sorgt dafür, dass der Körper möglichst nicht von diesem Sollwert abweicht. Erhält es verstärkt Signale von den Kälterezeptoren, setzt es verschiedene Prozesse in Gang, um die Körpertemperatur zu erhöhen. Kurz: Man friert.

Beim Frieren geschieht Folgendes:

  • Die Durchblutung – und somit die Wärmeversorgung – konzentriert sich auf die lebenswichtigen Organe wie Herz, Gehirn, Nieren und Verdauungsorgane.
  • Gleichzeitig strömt weniger Blut durch die Körperteile, die am weitesten vom Rumpf entfernt sind, die sogenannten "Akren". Dazu gehören z.B. die Finger, Zehen, Nase oder die Ohren. An diesen Stellen friert man bei Kälte zuerst. Typisch bei Frieren sind daher z.B. kalte Hände und kalte Füße. Die Akren sind auch besonders anfällig für Erfrierungen, umgangssprachlich auch als "Frostbeulen" bezeichnet. Deshalb ist es bei niedrigen Temperaturen unterhalb von 0 Grad Celsius wichtig, Zehen und Finger vor der Kälte zu schützen.
  • Die Blutgefäße in der Haut ziehen sich zusammen, dadurch wird die Haut blass.
  • Die Muskeln zittern. Dieser Vorgang erzeugt Wärme.
  • Die Härchen auf der Haut stellen sich auf, es kommt zur typischen "Gänsehaut".

Individuelle Kälteempfindlichkeit

Wie stark jemand bei einer bestimmten Umgebungstemperatur friert, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Unter anderem hängt die Kälteempfindlichkeit eines Menschen von der Dicke des Unterhautfettgewebes ab. Dieses isoliert die inneren Organe und schützt sie somit vor Wärmeverlust. Darum frieren dünne Menschen häufig schneller als diejenigen, die mehr Unterhautfettgewebe haben.

Auch Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) neigen eher zum Frieren sowie zu kalten Füßen oder Händen als Menschen mit normalem oder hohem Blutdruck. Denn je niedriger der Blutdruck ist, umso weniger Blut erreicht die kleinen Gefäße in Händen und Füßen.

Krankhafte Kälteempfindlichkeit

Eine der Außentemperatur unangemessene Kälteempfindlichkeit kann auch Hinweis auf eine Erkrankung sein. So tritt Frieren häufig auf bei:

Wenn ein Mensch einen grippalen Infekt hat, kämpft sein Körper mit Krankheitserregern. Im Rahmen dieser Entzündung sorgen manchmal bestimmte Botenstoffe dafür, dass sich der Sollwert der Körpertemperatur verschiebt. Der Erkrankte beginnt dann zu frieren, obwohl er sich eigentlich nicht in einer kalten Umgebung befindet.

Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) frieren häufig, weil bei ihnen Stoffwechselprozesse langsamer ablaufen und somit weniger Körperwärme entsteht.

Magersüchtige Menschen frieren häufig, weil ihr Unterhautfettgewebe zu dünn ist. Zudem enthalten sie ihrem Körper Nahrung vor, die er braucht, um Energie zu gewinnen und Wärme zu produzieren.

Kälte an bestimmten Körperstellen

Örtlich begrenzte Kältegefühle lassen sich in der Regel auf Durchblutungsstörungen zurückführen. Nicht nur Menschen mit niedrigem Blutdruck (Hypotonie) haben oft kalte Hände und kalte Füße. Häufig treten Durchblutungsstörungen auch bei Diabetes mellitus sowie Arteriosklerose auf.

Frieren (Kälteempfindlicheit): Diagnose

Frieren und Kälteempfindlichkeit sind keine medizinischen Diagnosen, können aber Symptome anderer Erkrankungen sein. Wer den Eindruck hat, ungewöhnlich häufig und/oder stark zu frieren, kann seinen Hausarzt um Rat fragen.

Der Arzt klärt zunächst, ob noch weitere Beschwerden vorliegen, die auf die ursächliche Erkrankung hindeuten könnten. Zudem kann er dem Patienten Blut abnehmen. Bestimmte Blutwerte (etwa die Schilddrüsenwerte) können helfen, die Ursache des ständigen Frierens zu finden. Besteht der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung (etwa eine Schilddrüsenunterfunktion), können weitere Untersuchungen nötig sein.

Frieren (Kälteempfindlicheit): Was hilft?

Eine spezielle Therapie gegen das Frieren gibt es nicht. Bewährte Hausmittel sind wärmende Kleidung, Decken, Heißgetränke und Bewegung.

Handelt es sich dabei um ein Symptom, ist es wichtig, die Grunderkrankung zu behandeln. Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion verschreibt der Arzt in der Regel Schilddrüsenhormone. Bei schwerwiegenden Durchblutungsstörungen ist es wichtig, dass ein Arzt die Beschwerden abklärt.

Bei Erkältungen und grippalen Infekten verschwindet das Frieren, wenn die Krankheit ausgestanden ist. Eine Therapie richtet sich hierbei nach der genauen Ursache des grippalen Infekts (z.B. Viren oder Bakterien).

Weitere Informationen

Quellen:

Fieber. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 19.6.2017)

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 26.7.2017)

Behrends, J. C., et al.: Duale Reihe Physiologie. Thieme, Stuttgart 2016

Baenkler, W.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

Aktualisiert am: 22. August 2017

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