Eiweiß im Urin (Proteinurie): Wann ist das bedenklich?

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (21. Dezember 2017)

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Normalerweise befindet sich kein oder kaum Eiweiß im Urin. Wie viel Eiweiß im Urin vorkommt, findet der Arzt über Teststreifen heraus. Auch wenn der Urin schäumt, ist das ein Anzeichen für einen zu hohen Eiweißgehalt.

Was ist Proteinurie?

Befindet sich zu viel Eiweiß im Urin, spricht man von einer Proteinurie. Wie hoch der Eiweiß-Anteil ist, kann der Arzt mithilfe einer Urinprobe feststellen. Ungewöhnliche Werte können auf eine Erkrankung hinweisen.

Ähnlich wie ein Sieb filtern die Nieren nicht benötigte Stoffe aus dem Blut, um diese mit dem Urin zu entsorgen. Im Blut befindliche Eiweiße (Proteine) halten die Nieren dabei fast vollständig zurück. Diese gelangen deshalb normalerweise nicht in den Urin. Zu große Proteine passen nicht durch den "Filter", kleinere Eiweiße führen die Nieren dem Körper nach dem Filtern wieder zu. Geringe Mengen Eiweiß können dennoch auch bei Gesunden im Urin vorkommen.

Unter bestimmten Umständen oder im Zusammenhang mit bestimmten Erkrankungen funktioniert die Filterfunktion der Nieren jedoch manchmal nicht mehr richtig – sie werden durchlässiger. Das kann sich durch eine Proteinurie bemerkbar machen. Ein zu hoher Eiweiß-Anteil im Urin kann daher ein Hinweis darauf sein, dass etwas mit den Nieren beziehungsweise dem Körper nicht stimmt.

Werden im Urin innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Milligramm Eiweiß nachgewiesen, liegt eine Proteinurie vor. Niedrigere Werte gelten als normal. Von einer Proteinurie spricht man auch, wenn eine andere Eiweißverteilung als üblich im Urin auftaucht.

Bei ansonsten gesunden Menschen setzt sich das aus dem Blut gefilterte Eiweiß im Urin meist wie folgt zusammen:

  • Plasmaproteine (z.B. Albumin): 60 Prozent
  • Glykoproteine und Immunproteine (z.B. Immunglobulin G): 40 Prozent

Bei gesunden Menschen ist der Eiweiß-Anteil im Urin niedrig. Vorübergehend kann es auch einmal zu leicht erhöhten Protein-Werten kommen, ohne dass dies bedenklich sein muss, etwa nach körperlichen Anstrengungen wie Sport. Experten sprechen dann von einer sogenannten benignen reversiblen Proteinurie, also einer "gutartigen umkehrbaren Proteinurie". Diese Form der Proteinurie wird häufig zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung festgestellt. Durch Beschwerden macht sie sich in der Regel nicht bemerkbar.

Eiweiß im Urin: Man sieht eine Urinprobe mit leicht schäumendem Urin. © Jupiterimages/iStockphoto

Schäumender Urin deutet auf zu viel Eiweiß im Urin hin.

Bleiben die Werte jedoch dauerhaft erhöht oder ist der Eiweiß-Anteil sehr hoch, sollte das näher untersucht werden. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass die Nieren nicht richtig arbeiten. Bei stärkeren Nierenschäden treten neben der Proteinurie zudem meist spürbare Symptome auf, zum Beispiel Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme). Ein zu hoher Eiweiß-Anteil im Urin kann außer in Zusammenhang mit Nierenerkrankungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten.

Schäumender Urin kann ein Hinweis auf eine Proteinurie sein.

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Mögliche Ursachen

Für zu viel Eiweiß im Urin (Proteinurie) kann es verschiedene Ursachen geben.

Vorübergehende gutartige Proteinurie (benigne reversible Proteinurie)

Zu einer vorübergehenden und harmlosen Proteinurie (sog. benigne reversible Proteinurie) kann es zum Beispiel durch folgende Umstände kommen:

  • körperliche Anstrengung (z.B. Sport)
  • Stress
  • Kälte
  • Hitze
  • Fieber
  • Wachstum (die sog. orthostatische Proteinurie ist eine lageabhängige Proteinurie, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen im Wachstum auftritt; nach längerem Stehen ist die Eiweiß-Ausscheidung im Urin höher, nach nächtlichem Liegen normalisiert sie sich wieder)

Eine benigne reversible Proteinurie erfordert normalerweise keine Behandlung.

Proteinurie als Folge von Erkrankungen

Die Eiweiß-Werte im Urin können sich zudem im Rahmen bestimmter Nierenerkrankungen erhöhen, wie etwa:

Eine Proteinurie kann aber auch im Zusammenhang mit Erkrankungen außerhalb der Nieren entstehen, zum Beispiel bei:

Proteinurie als Nebenwirkung von Medikamenten

Ebenso können Medikamente bei manchen Betroffenen die Nierenfunktion stören und dadurch die Eiweiß-Ausscheidung erhöhen, wie etwa:

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Diagnose

Um festzustellen, wie hoch der Eiweiß-Anteil im Urin ist beziehungsweise ob eine Proteinurie vorliegt, benötigt der Arzt eine Urinprobe des Betroffenen. Da manche Medikamente die Eiweiß-Menge im Urin beeinflussen können, sollte der Arzt über alle eingenommenen Arzneimittel im Bilde sein.

Meist nutzt der Arzt einen sogenannten Urin-Schnelltest, um Aufschluss über den Eiweiß-Anteil im Urin zu bekommen. Dafür taucht er einen speziellen Teststreifen kurz in die Urinprobe und wartet ab, wie sich der Streifen verfärbt. Je nach Art der Verfärbung kann er nun einschätzen, ob Normalwerte vorliegen oder ob es Abweichungen gibt. Solche Teststreifen sind auch in der Apotheke erhältlich, sodass ein Urin-Schnelltest im Prinzip auch zuhause vorgenommen werden kann.

Eiweiß im Urin: Man sieht eine Urinprobe und Teststreifen für einen Schnelltest. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein Schnelltest zeigt, ob eine Proteinurie vorliegt.

Weicht das Ergebnis des Schnelltests von der Norm ab, sind weitere Laboruntersuchungen notwendig, die mehr darüber aussagen, wie viel Eiweiß im Urin vorkommt und welche Eiweiße das genau sind (z.B. Albumin). In der Regel untersucht man bei auffälligen Befunden deshalb den sogenannten 24-Stunden-Sammelurin.

Weitere Untersuchungen können folgen, um die Ursache der Proteinurie festzustellen, wie zum Beispiel:

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Therapie

Ob bei zu viel Eiweiß im Urin (Proteinurie) eine Therapie notwendig ist und wie diese aussieht, hängt von der Ursache der erhöhten Werte ab. Eine vorübergehende Proteinurie ist in der Regel harmlos und erfordert in der Regel keine Therapie. Liegt eine dauerhafte Proteinurie vor, die in Zusammenhang mit einer Erkrankung steht, sollte diese behandelt werden. Erfolgt die übermäßige Eiweiß-Ausscheidung als Nebenwirkung von Medikamenten, sollte in Absprache mit dem Arzt überlegt werden, welchen anderen Medikamente infrage kommen.

Eiweiß im Urin (Proteinurie): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Eiweiß im Urin (Proteinurie)":

Onmeda-Lesetipps:

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Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Online-Informationen der National Kidney Foundation: www.kidney.org (Abrufdatum: 21.12.2017)

Online-Informationen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie: www.dgfn.eu (Abrufdatum: 21.12.2017)

Proteinurie. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 10.7.2017)

Urintests verstehen. Online-Informationen der Stiftung für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: www.gesundheitsinformation.de (Stand: 27.12.2016)

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Kuhlmann, U., et al.: Nephrologie. Thieme, Stuttgart 2008

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Müller, M. J., et al.: Ernährungsmedizinische Praxis. Springer, Berlin Heidelberg 2006

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Aktualisiert am: 21. Dezember 2017

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