Druck auf den Ohren (Ohrendruck): Therapie

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (09. Februar 2017)

Häufig hält der Druck auf den Ohren (Ohrendruck) nur kurze Zeit an und verschwindet von selbst, sodass keine Behandlung nötig ist. In manchen Fällen hält er jedoch möglicherweise tage- bis wochenlang an. Dann kann eine Therapie erforderlich sein.

Gegen Druck im Ohr können kurzfristig oft schon einfache Maßnahmen helfen, wie zum Beispiel:

  • gähnen, kauen oder schlucken
  • das sog. Valsalva-Manöver: Einatmen und dann langsam Ausatmen, während der Mund geschlossen ist und man sich die Nase zuhält – dabei wird Luft in die Ohrtrompete gedrückt und ein Druckausgleich kann stattfinden. Bei erfolgreichem Druckausgleich hört man eine Art leises Knacken oder Klicken.

Wer bei Flugreisen Probleme mit Druck auf den Ohren hat, kann etwa eine halbe Stunde vor dem Start abschwellende Nasentropfen oder auch ein Nasenspray verwenden und so den Druckausgleich im Ohr erleichtern. Bei längeren Flügen sollte man das etwa eine halbe Stunde vor der Landung noch einmal wiederholen.

Druck auf den Ohren: Ein Mann hält sich die Nase zu. © iStock

Beim Druckausgleich in den Ohren kann das Valsalva-Manöver helfen.

Verursacht zu viel Ohrenschmalz im Gehörgang den Druck im Ohr, lässt sich das leicht beheben, indem der Hals-Nasen-Ohren-Arzt das Ohrenschmalz entfernt.

Liegt dem Ohrendruck eine Erkrankung zugrunde, sollte diese behandelt werden. Häufig kommen dann (je nach Ursache) auch Medikamente zum Einsatz, wie etwa:

Entsteht der Ohrendruck, weil sich hinter dem Trommelfell Flüssigkeit angesammelt hat (z.B. durch eine Mittelohrentzündung), kann es notwendig sein, in einem kleinen operativen Eingriff ein sogenanntes Paukenröhrchen ins Trommelfell einzusetzen. Das schafft eine Verbindung zwischen äußerem Gehörgang und Mittelohr, sodass die Flüssigkeit ablaufen kann und ein Luftaustausch wieder möglich ist.

Sind anatomische Begebenheiten (wie eine Nasenscheidewandverkrümmung oder eine vergrößerte Rachenmandel) die Ursache für den Druck auf den Ohren, können operative Maßnahmen angebracht sein.

Bei einer dauerhaft verengten Ohrtrompete können außerdem neuere Verfahren wie eine Ballondilatation infrage kommen, also eine Weitung der eustachischen Röhre durch einen Ballonkatheter. Bei dieser noch recht neuen Methode bringt der Hals-Nasen-Ohren-Arzt mithilfe eines speziellen Endoskops über die Nase und den Rachen einen Ballonkatheter in die verengte Ohrtrompete ein, der dann kurze Zeit mit physiologischer Kochsalzlösung aufgepumpt wird und diese dehnt. Experten vermuten, dass durch das Dehnen winzige Frakturen im Knorpelgewebe entstehen, das die Ohrtrompete umgibt, wodurch die Ohrtrompete mehr Platz hat und einen größeren Durchmesser bekommt. Auf diese Weise lassen sich die Belüftungsfunktion des Ohrs und dadurch auch begleitende Ohrenbeschwerden wie Druck im Ohr unter Umständen wieder verbessern. Ob sich eine Ballondilatation auf lange Sicht bewährt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht sagen. Vergleichende Analysen der bisherigen Studien lassen – auch aufgrund der geringen Probandenzahlen – bislang keine schlüssige Aussage zu.

Eine andere neuere Methode ist die sogenannte Lasertuboplastik. Bei diesem operativen Eingriff trägt der Arzt mit einem Laser Gewebe vom Eingang der Ohrtrompete ab und vergrößert diesen dadurch. Das soll sich positiv auf die Belüftungsstörung auswirken. Wie erfolgsversprechend diese Methode ist, lässt sich nicht eindeutig sagen. Vergleichende Analysen bisheriger Studien kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. Auch bei den hier verglichenen Studien war die Zahl der teilnehmenden Probanden gering.