Blut im Stuhl (Hämatochezie, Meläna)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Oktober 2017)

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Wer beim Blick in die Kloschüssel Blut im Stuhl entdeckt, erschreckt sich meist. Schnell ereilen einen Gedanken an schwere Erkrankungen wie Darmkrebs. Doch es gibt zahlreiche vergleichsweise harmlosere Ursachen für Blut im Stuhl. Blutungen im Magen-Darm-Trakt, Hämorrhoiden oder kleine Verletzungen am After zählen zu den möglichen Auslösern.

Sofern nicht bereits bekannt ist, woher das Blut im Stuhl stammt – etwa bei einem bekannten Hämorrhoidalleiden –, sollte man ärztlich abklären lassen, wie es zum Blut im Stuhlgang kommt. So unangenehm es auch ist, ist es wichtig, den Ursachen nachzugehen.

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten von Blut im Stuhl:

1. Hämatochezie:
Das Blut im Stuhl ist als hellrotes Blut sichtbar, es handelt sich um frisches Blut. Ursache der Hämatochezie sind entweder Blutungen in den unteren Abschnitten des Darms (untere gastrointestinale Blutung), aus Hämorrhoiden oder eine sehr starke Blutung aus den oberen Bereichen des Verdauungstrakts.

2. Meläna (Teerstuhl):
Das Blut im Stuhl führt dazu, dass sich der Stuhl dunkel verfärbt. Dieser sogenannte Teerstuhl glänzt stark und klebt. Meist ist eine Blutung in einem der oberen Abschnitte des Magen-Darm-Trakts die Ursache (obere gastrointestinale Blutung). Zusätzlich zu dem Teerstuhl erbrechen Betroffene oft auch Blut (Hämatemesis). Seltener führen Blutungen in tieferen Darmabschnitten zu Meläna.

3. Roter Blutstuhl:
Bei Blutungen in tieferen Darmregionen ist manchmal helles Blut auf oder im Stuhl sichtbar. Bei Blutungen in den oberen Abschnitten des Verdauungstrakts tritt helles Blut im Stuhl auf, wenn der Darminhalt den Darm sehr schnell passiert. Dies ist zum Beispiel bei leerem Magen der Fall.

4. Okkultes Blut im Stuhl:
Die Blutbeimengungen im Stuhl lassen sich mit bloßen Auge nicht erkennen. "Okkult" bedeutet soviel wie "verborgen". Okkultes Blut im Stuhl kann der Arzt nur durch einen sogenannten Papierstreifen-Test feststellen, zum Beispiel im Rahmen der Darmkrebsvorsorge.

Ursachen abklären!

Wenn Sie Blut im Stuhl bei sich beobachten, sollten Sie mit einem Arzt darüber sprechen, um die genauen Ursachen feststellen zu lassen. Dies gilt in jedem Fall, wenn es stärker aus dem Darm blutet.

Blut im Stuhl: Mögliche Ursachen

Blut im Stuhl (Hämatochezie, Meläna) kann verschiedene Ursachen haben – viele davon sind zum Glück harmlos. In jedem Fall empfiehlt sich ein Arztbesuch, um die genauen Ursachen abzuklären. Denn Blut im Stuhl kann mitunter Zeichen einer ernsten Erkrankung oder einer größeren Blutung sein, die schnell ärztlich versorgt werden muss.

Hämorrhoiden gehören bei hellem Blut im Stuhl (Hämatochezie) zu den häufigen Ursachen. Hämorrhoiden sind gutartige knotenförmige Gefäßerweiterungen, die oberhalb des Schließmuskels im After liegen. Zusammen mit dem Schließmuskel dichten sie den After ab. Die exakte Bezeichnung für Erkrankungen der Hämorrhoiden lautet Hämorrhoidalleiden.

Auch kleine Schleimhautrisse (Fissuren) können zu Blut im Stuhl führen, zum Beispiel wenn man beim Stuhlgang stark pressen muss, etwa bei Verstopfung. Analfissuren kommen häufig bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa vor.

Darüber hinaus gehören verschiedene Veränderungen des Darms bei Blut im Stuhl zu den möglichen Ursachen, zum Beispiel:

Auch Blutkrankheiten, Gefäßentzündungen (Vaskulitiden) und Gefäßmissbildungen im Darm (Angiodysplasien) kommen bei Blut im Stuhl als Ursachen infrage. Zudem können Darminfekte, zum Beispiel durch Parasiten, mit Darmblutungen einhergehen.

Ursache für die Meläna, den Teerstuhl, ist meist eine Blutung aus dem oberen Verdauungstrakt, etwa dem Magen (obere gastrointestinale Blutung). Kommt das Blut mit Magensäure in Kontakt, gerinnt es und der Stuhl färbt sich schwarz. Blutungen im oberen Verdauungstrakt sind vor allem durch ein Geschwür (Ulkus) bedingt, zum Beispiel ein Magengeschwür (Ulcus ventriculi) oder ein Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni).

Auch ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie), bei dem sich Teile des Magens in Richtung Brustkorb verlagern, sowie Krampfadern in der Speiseröhre (Ösophagusvarizen) können zu einer gastrointestinalen Blutung und in der Folge zu Blut im Stuhl führen.

Diagnose: Suche nach den Ursachen

Bei Blut im Stuhl ist eine gezielte Diagnose wichtig – die nur ein Arzt stellen kann. In der Regel wird dies im ersten Schritt der Hausarzt sein. Er kann die Ursache der Beschwerden feststellen und gegebenenfalls eine Behandlung einleiten.

Wenn sich Blut im Stuhl befindet, ist es wichtig den Auslöser zu finden, da sich durch den Blutverlust auf Dauer eine Blutarmut (Anämie) entwickeln kann – selbst wenn vermeintlich harmlose Ursachen wie Hämorrhoiden die Blutung hervorrufen.

Bei Blut im Stuhl muss der Arzt herausfinden, an welcher Stelle es im Magen-Darm-Trakt blutet. Den ersten Hinweis darauf gibt die Farbe des Stuhls: Ist er schwarz gefärbt (Meläna), sind hellrote Blutauflagerungen (Hämatochezie) sichtbar oder wurde das Blut durch einen Stuhlbluttest beziehungsweise Papierstreifentest (z.B. Hämoccult-Test) entdeckt? Ein solcher Test weist mittels einer biochemischen Reaktion Blut im Stuhl nach, das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist (sog. verstecktes oder okkultes Blut – daher auch die Bezeichnung "Okkultbluttest").

Der Arzt erkundigt sich in einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) unter anderem nach:

  • den Stuhlgewohnheiten (Wie häufig? Eher Durchfall oder Verstopfung? Hat sich der Stuhl in der letzten Zeit verändert?),
  • eventuellen Beschwerden (z.B. Bauchschmerzen),
  • Vorerkrankungen (etwa Hämorrhoiden, Darmpolypen oder Magengeschwüre),
  • dem Appetit,
  • der Ernährung oder
  • ob sich das Gewicht möglicherweise in den vergangenen Wochen verändert hat.

Anschließend folgt eine gründliche körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt den Bauch abtastet und mit dem Stethoskop abhorcht. Außerdem tastet der Arzt den Enddarm mit dem Finger ab (rektale Untersuchung). Hämorrhoidalleiden und Tumoren im Enddarm erkennt er häufig bereits mit diesen einfachen Untersuchungen.

Im Labor werden zusätzlich das Blut und der Stuhl untersucht. Manchmal ist ergänzend eine Spiegelung des Magen-Darm-Trakts, eine sogenannte Endoskopie, notwendig, um bei Blut im Stuhl die Diagnose zu sichern. Je nachdem, wo der Arzt die Blutung vermutet, wählt er eine Magenspiegelung (Gastroskopie), eine Darmspiegelung (Koloskopie) oder eine Enddarmspiegelung (Rektosigmoidoskopie).

Darmspiegelung: Per Fernbedienung bewegt der Arzt den Schlauch mit Kamera durch den Darm. © iStock

Darmspiegelung: Per Fernbedienung bewegt der Arzt den Schlauch mit Kamera durch den Darm.

Abhängig davom, was als Ursache vermutet wird, können weitere Untersuchungen sinnvoll sein. Dies kann

Bei der Szintigraphie verabreicht der Arzt sogenannte Radiopharmaka. Dies sind leicht radioaktive Medikamente, die sich in der jeweils zu untersuchenden Körperregion anreichern. Die Radiopharmaka markieren somit ein Organ beziehungsweise dessen Stoffwechsel. Eine spezielle Kamera zeichnet bei der eigentlichen Szintigraphie auf, wo sich das radioaktive Medikament angereichert hat. Das angefertigte Bild (Szintigramm) gibt dem Arzt dann Aufschluss über eventuelle krankhafte Veränderungen.

Therapie: Ursächliche Erkrankung behandeln

Findet sich Blut im Stuhl, ist nicht zwangsläufig eine Therapie nötig. Viele Blutungen stoppen von selbst. Bei stärkeren Blutungen ist es aber wichtig, möglichst schnell die Blutungsquelle zu finden, um den Blutverlust zu stoppen. Vor allem bei plötzlichen starken Blutungen, beispielsweise bei Blutungen aus einem Magengeschwür oder Krampfadern in der Speiseröhre, ist ein rascher Eingriff nötig. Grundsätzlich richtet sich die Behandlung nach der Ursache der Blutung.

Gesunder Darm: Aufnahme einer Darmspiegelung © iStock

Gesunder Darm: Aufnahme einer Darmspiegelung

Verursachen zum Beispiel Hämorrhoiden das Blut im Stuhl, besteht die Therapie bei leichten Beschwerden meist aus Salben und Zäpfchen. Ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden lässt sich behandeln, indem man die Hämorrhoiden veröden (sklerosieren) oder komplett entfernen lässt. Darmpolypen und Darmdivertikel entfernt der Arzt operativ, in der Regel mittels Endoskopie im Rahmen einer Darmspiegelung.

Sollte Darmkrebs das Blut im Stuhl verursacht haben, ist eine gezielte Therapie dieser Erkrankung erforderlich, je nach Stadium eine Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie).

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Blut im Stuhl (Hämatochezie, Meläna)":

Onmeda-Lesetipps:

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Ratgeber Analfissur
Tipps gegen Hämorrhoiden

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 17.10.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2015

Battegay, E. (Hrsg.): Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Largiader, F., Saeger, H.-D., Keel, M.J.B.: Checkliste Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2012

Sturm, A., Zidek, W.: Checkliste XXL Differenzialdiagnose Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2003

Ferlinz, R.: Internistische Differentialdiagnostik. Thieme, Stuttgart 1999

Aktualisiert am: 17. Oktober 2017