Ausfluss aus der Scheide (Scheidenausfluss): Meist ganz natürlich

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (29. November 2017)

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Jede Frau hat ihn: Ausfluss aus der Scheide (Scheidenausfluss). Er gehört zu den normalen weiblichen Körperfunktionen. Unter bestimmten Umständen kann sich der Ausfluss jedoch verändern und ein Anzeichen für Erkrankungen sein.

Was ist Ausfluss?
Als Ausfluss bezeichnet man bei Frauen das Sekret, das die Scheide fortwährend (und meist in geringer Menge) absondert. Im Regelfall ist der Ausfluss weiß und geruchslos (sog. Weißfluss). Der normale Ausfluss aus der Scheide besteht aus einer Flüssigkeit des Gebärmutterhalses sowie Zellen der Scheidenschleimhaut und enthält viele Milchsäurebakterien.

Der Fachbegriff für Ausfluss aus der Scheide lautet "Fluor genitalis" oder "Fluor vaginalis".

Warum haben Frauen Ausfluss?

Dank der vielen Milchsäurebakterien im Ausfluss entsteht in der Scheide ein saures Milieu. Dieses saure Milieu sorgt dafür, dass sich in die Scheide eingedrungene Krankheitserreger (z.B. Bakterien oder Pilze) in der Scheide schlecht vermehren können. Eine gesunde Scheidenflora kann durch ihr saures Milieu Infektionen weitestgehend abwehren.

Wie viel Ausfluss ist normal?

Wie viel Ausfluss aus der Scheide austritt, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Außerdem schwankt die Menge an Scheidenausfluss im Rahmen des weiblichen Zyklus: Unter dem Einfluss des Geschlechtshormons Östrogen nimmt der Ausfluss aus der Scheide kurz vor dem Eisprung und vor dem Einsetzen der Menstruation zu. Zur Zyklusmitte hin ist zudem ein eher dünnflüssiger und durchsichtiger Scheidenausfluss typisch, während der Ausfluss kurz vor und nach der Periode zähflüssiger ist.

Ein Scheidenausfluss, der in seiner Beschaffenheit verändert ist, kann auch ein Anzeichen für eine Störung sein: Beispiele hierfür sind ein

  • wässriger,
  • schleimiger,
  • schaumiger oder
  • krümeliger Ausfluss,
  • ein eitriger oder blutiger Ausfluss
  • sowie ein brauner oder grünlicher Ausfluss aus der Scheide.

Oft begleiten weitere Symptome einen veränderten Ausfluss: So können zum Beispiel Beschwerden wie Juckreiz, Schwellungen, Rötungen, Schmerzen beim Wasserlassen oder ein unangenehmer Geruch auftreten.

Bei einem derart veränderten Ausfluss aus der Scheide ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen, um die Ursachen für die Veränderung abzuklären.

Das gilt besonders bei ungewöhnlichem Ausfluss in der Schwangerschaft: Wenn bei einer Schwangeren (wie es oft der Fall ist) eine Scheidenentzündung hinter dem Ausfluss aus der Scheide steckt, sollte zeitnah eine Diagnose und Therapie erfolgen. Denn in sehr schweren Fällen einer Scheidenentzündung kann ohne Behandlung eine Fehlgeburt die Folge sein.

Was sind die Ursachen für Ausfluss aus der Scheide?

Für veränderten Ausfluss aus der Scheide (Scheidenausfluss) kommen verschiedene Ursachen infrage.

Wichtig zu wissen: Eine gewisse Menge an Scheidenausfluss ist völlig normal und stellt keinen Anlass zur Sorge dar. Im Rahmen des weiblichen Zyklus schwankt die Ausfluss-Menge aus hormonellen Gründen. Daneben können Ursachen  wie Stress oder sexuelle Erregung dazu führen, dass vorübergehend ein vermehrter Ausfluss aus der Scheide auftritt.

Wenn sich der Ausfluss aus der Scheide verändert, können die Ursachen hierfür jedoch auch krankhaft sein. Oft ist ein veränderter Scheidenausfluss zum Beispiel Anzeichen für:

  • eine bakterielle Scheidenentzündung (Kolpitis): Der Ausfluss aus der Scheide ist hierbei häufig
    • wässrig,
    • schleimig,
    • gelblich-eitrig,
    • schaumig,
    • krümelig oder
    • blutig
    • und oft übel riechend.
    • eine bakterielle Vaginose: Hierbei ist der Ausfluss aus der Scheide häufig
      • grau-weiß,
      • dünnflüssig und
      • riecht meist unangenehm fischig.
      • eine Pilzinfektion (Scheidenpilz): Der Ausfluss ist hierbei typischerweise
        • stark weißlich-krümelig.
      • eine Gonorrhö: Als Anzeichen für den sogenannten Tripper kann ein wässriger Ausfluss aus der Scheide auftreten.

      Neben Bakterien und Pilzen können auch Viren (z.B. Herpesviren) oder andere Mikroorganismen (wie das Geißeltierchen Trichomonas vaginalis bei einer Trichomoniasis) eine Scheideninfektion mit Scheidenausfluss verursachen.

      Darüber hinaus kann Ausfluss weitere Ursachen haben, wie zum Beispiel:

      In vielen Fällen steckt ein verändertes Scheidenmilieu hinter einem veränderten Ausfluss aus der Scheide. Denn das kann die Entstehung von Infektionen begünstigen.

      Zu den möglichen Ursachen für ein verändertes Scheidenmilieu zählen zum Beispiel:

      Ausfluss aus der Scheide: Diagnose

      Wenn sich der Ausfluss aus der Scheide (Scheidenausfluss) in seiner Beschaffenheit ungewohnt verändert oder übermäßig starker Ausfluss auftritt, ist ein Termin beim Frauenarzt (Gynäkologen) ratsam.

      Um erste Hinweise zu erhalten, welche Ursachen der Ausfluss haben kann, erkundigt sich der Arzt zunächst näher nach den Beschwerden und den Begleitumständen, möglicherweise mit Fragen wie diesen:

      • Seit wann besteht der Ausfluss?
      • Wie intensiv ist der Ausfluss und wie sieht er aus?
      • Hat der Ausfluss einen unangenehmen Geruch (z.B. fischig)?
      • Tritt der Ausfluss ständig auf oder nur in bestimmten Situationen?
      • Haben Sie begleitende Beschwerden wie Juckreiz oder Brennen?
      • Wie sieht die Intimhygiene aus?

      Meist folgt dann eine Untersuchung der Scheide. Dabei kontrolliert der Arzt die Scheidenwand und den Gebärmutterhals sowie Farbe, Menge, Art und Geruch des Ausflusses. Außerdem bestimmt er mit einem Teststäbchen den pH-Wert des Scheidensekrets.

      Bei einem veränderten Ausfluss aus der Scheide ist es für die Diagnose auch wichtig, nach möglichen Erregern zu suchen. Hierzu nimmt der Arzt einen Abstrich der Scheidenwand und untersucht ihn mikroskopisch. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, besteht die Möglichkeit, eine Erregerkultur anzulegen (d.h. die Erreger in einer geeigneten Umgebung anzuzüchten) und diese im Labor zu untersuchen.

      Je nach vermuteter Ursache für den Scheidenausfluss können zur weiteren Diagnose zusätzliche Untersuchungen nötig sein, wie zum Beispiel

      • ein zytologischer Abstrich (Gewinnung von Zellmaterial, um die Zellen unter dem Mikroskop zu untersuchen),
      • eine Gewebeentnahme (sog. Biopsie) oder
      • eine Kolposkopie (Untersuchung des Gebärmutterhalses mit einem speziellen Endoskop)

      Therapie: Wie behandelt man Ausfluss aus der Scheide?

      Bei einem veränderten Ausfluss aus der Scheide (Scheidenausfluss) richtet sich die Therapie in erster Linie nach der Ursache.

      Gestörte Scheidenflora

      Tritt der Scheidenausfluss ohne weitere Krankheitssymptome auf, können Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien dabei helfen, die natürliche Scheidenflora wiederherzustellen. Auch bei Scheideninfektionen kommen zusätzlich zu den Medikamenten, die direkt gegen den Erreger wirken, oft Scheidenzäpfchen mit Milchsäurebakterien zum Einsatz.

      Steckt ein Östrogenmangel hinter dem Scheidenausfluss, bieten sich östrogenhaltige Hormonpräparate an, die man örtlich anwendet (z.B. als Creme oder Zäpfchen).

      Auch eine falsche Intimhygiene kann die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen und zu Scheidenausfluss führen. Bei der Intimpflege sollten Frauen deshalb am besten folgende Tipps beherzigen:

      • Verzichten Sie im Intimbereich möglichst auf parfümierte Produkte, alkalische Seifen oder Duschgele.
      • Waschen Sie sich im Intimbereich ein- bis zweimal täglich mit warmem Wasser.
      • Falls Sie im Intimbereich nicht auf reinigende Produkte verzichten möchten, achten Sie darauf, dass diese schonend sind.
      • Verzichten Sie auf Waschlappen im Intimbereich. Waschen Sie sich stattdessen besser unter fließendem Wasser mit der Hand.

      Scheideninfektion mit Bakterien oder Pilzen

      Entsteht der Ausfluss als Folge einer Scheideninfektion, hängt die Therapie vom jeweiligen Erreger ab:

      Die Behandlung erfolgt meist in Form von Scheidenzäpfchen oder Salben. Die Medikamente können aber auch als Tabletten oder Injektion zum Einsatz kommen.

      Bei einem infektiös bedingten Ausfluss aus der Scheide ist meist auch eine Therapie des Partners ratsam. So lässt sich vermeiden, dass die Frau sich erneut infiziert (sog. Ping-Pong-Effekt). Außerdem ist es empfehlenswert, während der Behandlung auf Geschlechtsverkehr zu verzichten.

      Fremdkörper

      Wenn ein Fremdkörper (z.B. Spirale, vergessener Tampon) den vermehrten Scheidenausfluss verursacht, muss dieser entfernt werden.

      Allergie

      Bewirkt eine Allergie (z.B. Latexallergie) den Ausfluss aus der Scheide, besteht die beste Therapie darin, die auslösende Substanz zu meiden (wie z.B. Kondome aus Latex).

      Andere Erkrankungen

      Tritt der Ausfluss aus der Scheide als Begleitsymptom einer anderen Grunderkrankung auf, so muss diese gezielt behandelt werden.

      Ausfluss aus der Scheide: Weitere Informationen

      Onmeda-Lesetipps:

      Scheidenpilz: Infos zur Krankheit
      Bakterielle Vaginose: Infos zur Krankheit
      Forum Gynäkologie (mit Expertenrat)

      Quellen:

      Ausfluss. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 27.10.2017)

      Goerke, K., et al.: Klinikleitfaden Gynäkologie Geburtshilfe. Urban & Fischer, München 2013

      Kaufmann, M., et al.: Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2012

      Gerdemann, A.: Intimhygiene: Weniger ist mehr. Pharmazeutische Zeitung online. Ausgabe 07 / 2011 (Juli 2011)

      Kirschbaum, M., et al.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2005

      Aktualisiert am: 29. November 2017