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Appetitlosigkeit: Wenn nichts mehr schmecken will

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (29. Juni 2017)

© iStock

Das Lieblingsessen steht auf dem Tisch. Perfekt! Nur eine Sache fehlt: der Appetit. Wenn die Lust am Essen plötzlich nicht mehr da ist, muss das nicht unbedingt auf eine Erkrankung hinweisen. Vielmehr ist gelegentliche Appetitlosigkeit ganz normal. Hält sie jedoch länger an, sollten Sie ihr auf den Grund gehen.

Guter Appetit gilt oft als Zeichen von Gesundheit und grundsätzlich stimmt das auch – wenn man einmal von krankhaftem Heißhunger absieht. Besonders in Stresssituationen, in Trauerphasen, bei großer Aufregung oder Liebeskummer bleibt das Bedürfnis nach Essen oft auf der Strecke. Appetitlosigkeit hat dann jedoch keinen Krankheitswert und ist kein Grund zur Sorge.

Wenn Sie aber unter längerfristiger oder sogar andauernder Appetitlosigkeit leiden, kann das Zeichen einer Erkrankung sein. In diesem Fall sollten Sie zeitnah einen Arzt aufsuchen, um die Ursache herauszufinden.

Was ist eigentlich Appetit und wann spricht man von Appetitlosigkeit?

Der Appetit, also die Lust aufs Essen, wird im zentralen Nervensystem (ZNS) geregelt. Verschiedene Botenstoffe (Neurotransmitter) wie zum Beispiel Serotonin beeinflussen, wie stark der Appetit gerade ist. Dieser Vorgang ist von ganz unterschiedlichen Faktoren abhängig: Dazu zählen etwa körperliche Anspannung, die aktuelle Gefühlslage, aber auch Sinneseindrücke wie Aussehen, Geruch oder Geschmack des Essens. Nicht zuletzt spielt natürlich auch eine Rolle, wie voll der Magen gerade ist.

Unter Appetitlosigkeit versteht man ein fehlendes Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme. Länger anhaltende Appetitlosigkeit bezeichnen Ärzte als Anorexie.

Appetitlosigkeit: Mögliche Ursachen

Appetitlosigkeit kann sehr viele und sehr unterschiedliche körperliche oder psychische Ursachen haben. Oft ist Appetitmangel Symptom einer Krankheit oder Zeichen einer beginnenden Erkrankung. Aber auch Stress oder bestimmte Medikamente können zur Appetitlosigkeit führen.

Häufige Ursachen von Appetitlosigkeit sind z.B.:

Psychische Ursachen

Appetitlosigkeit kann psychische Ursachen haben. Ärger und Stress können regelrecht den Appetit verderben. So vergessen manche Menschen buchstäblich das Essen, wenn sie berufliche oder private Probleme haben. Und auch psychische Erkrankungen können mit Appetitlosigkeit verbunden sein. So haben beispielsweise Menschen, die an einer Depression leiden, oft keinen Appetit und verlieren an Gewicht.

Appetitlosigkeit und Essstörungen

Bei der Magersucht, aber auch bei anderen Essstörungen wie der Ess-Brech-Sucht (Bulimie), sind das Verhältnis zum Essen und das normale Hungergefühl grundlegend gestört. Oft haben die Betroffenen zwar Appetit, sie erlauben sich aber nicht, etwas zu sich zu nehmen.

Mögliche Ursache von Appetitlosigkeit: Stress. © iStock

Mögliche Ursache von Appetitlosigkeit: Stress.

Erkrankungen des Verdauungstrakts

Ist der Verdauungstrakt krank, schlägt sich das meist auch auf den Appetit nieder. Mögliche Gründe für Appetitlosigkeit sind dann zum Beispiel:

Bösartige Erkrankungen des Magens oder des Darms können ebenfalls mit Appetitlosigkeit einhergehen – zum Beispiel Magenkrebs. Krebs ist nur eine von vielen möglichen Ursachen für mangelnden Appetit. Gehen Sie dennoch auf Nummer sicher: Wenn Appetitlosigkeit länger anhält, lassen Sie sich von Ihrem Arzt untersuchen, vor allem, wenn Sie weitere Beschwerden haben.  

Weitere mögliche Ursachen

Weitere mögliche Ursachen und Auslöser für Appetitlosigkeit sind – neben vielen anderen:

Appetitlosigkeit im Alter

Ältere Menschen leiden häufiger unter fehlendem Appetit. Ein Grund: Viele Sinneseindrücke wie Geschmacks- und Geruchssinn nehmen mit dem Alter ab. Die Senioren verspüren weniger Hunger und verlieren außerdem ihr Durstgefühl. Das kann dazu führen, dass sie abmagern und regelrecht austrocknen (Dehydration).

Appetitlosigkeit: Diagnose

Wenn Appetitlosigkeit länger anhält, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Um die mögliche Ursache einzugrenzen, benötigt der Arzt einige Informationen und wird daher einige Fragen stellen. Zum Beispiel:

  • Wie lange besteht die Appetitlosigkeit bereits?
  • Stehen Sie unter psychischer Anspannung, z.B. durch eine berufliche oder private Veränderung?
  • Nehmen Sie aktuell Medikamente ein? Wenn ja, welche?
  • Haben Sie etwas an Ihrer Ernährung geändert?
  • Haben Sie ohne ersichtlichen Grund abgenommen?
  • Leiden Sie unter weiteren Beschwerden (wie AbgeschlagenheitDurchfallSchmerzen)?
  • Leiden Sie bereits unter einer Erkrankung, wenn ja, welche?

Anschließend wird der Arzt seinen Patienten gründlich körperlich untersuchen. So misst er möglicherweise die Temperatur, den Puls und den Blutdruck. Je nachdem, welche Ursache der Arzt vermutet, führt er weitere Untersuchungen durch, z.B.

Wenn Sie unter Appetitlosigkeit leiden, kann es sinnvoll sein, dass Sie ihr Gewicht regelmäßig mit einer Waage kontrollieren. Ob Ihr Gewicht im Normalbereich liegt, können Sie mithilfe des Body Mass Index (BMI) berechnen.

Appetitlosigkeit: Was tun?

Vorübergehende Appetitlosigkeit ist meist harmlos und bedarf keiner Therapie. Hält der mangelnde Appetit jedoch über längere Zeit an, richtet sich die Behandlung nach der jeweiligen Ursache. Einige Beispiele:

Ist der Appetitmangel psychisch bedingt, kann es hilfreich sein, zu einem Psychologen beziehungsweise Psychotherapeuten Kontakt aufzunehmen. Besprechen Sie dies mit Ihrem Arzt!

Ernährungs- und Essverhalten

Ein fehlerhaftes Ernährungs- und Essverhalten hat oft einen psychischen Hintergrund. Daher ist grundsätzlich wichtig, die genauen Auslöser der Appetitlosigkeit zu ergründen und nach Möglichkeit aufzuarbeiten. Vor allem bei Essstörungen (wie z.B. Magersucht) und anderen psychischen Erkrankungen ist eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung wichtig.

Generell empfiehlt sich: Nehmen Sie sich Zeit zum Essen, kochen Sie etwas Leckeres oder lassen es zubereiten. Besonders das gemeinsame Essen in geselliger Runde kann das Appetitgefühl wieder aufleben lassen. Um den Appetit wieder anzuregen, sind zudem mehrere kleine Mahlzeiten anstatt einer großen ratsam. 

Appetitanregende Mittel

Verschiedenen pflanzlichen Mitteln, insbesondere solchen mit Bitterstoffen, wird eine appetitsteigernde Wirkung nachgesagt. Hierzu zählen beispielsweise Wermut oder Angelikawurzel. Auch eine Tasse Ingwertee kann appetitanregend sein. Andere Wirkstoffe wiederum fördern den Speichelfluss und die Magensaftsekretion. Meist sind diese Stoffe als Tees, Säfte oder Kapseln in der Drogerie oder Apotheke erhältlich.

Bei dauerhafter Appetitlosigkeit können verschiedene Medikamente dabei helfen, den Appetit anzuregen. Solche Mittel sollten Sie nur in Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen.

Appetitlosigkeit: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Appetitlosigkeit":

Quellen:

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

Hartmann, L.: Beratungskompetenz Magen und Darm in der Apotheke. Springer, Berlin Heidelberg 2012

Siegenthaler, W.: Siegenthalers Differenzialdiagnose Innere Krankheiten. Vom Symptom zur Diagnose. Thieme, Stuttgart 2012

Müller, C., et al.: Ernährung in Prävention und Therapie: Ein Lehrbuch. Hippokrates, Stuttgart 2009

Immel-Sehr, A.: Appetitlosigkeit. Keine Lust auf Essen. Pharmazeutische Zeitung online. Ausgabe 32/2007: www.pharmazeutische-zeitung.de (Stand: August 2007)

Aktualisiert am: 29. Juni 2017

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