Künstliche Strahlenbelastung: Historisches

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Der erste Nachweis von künstlich erzeugter ionisierender Strahlung gelang Wilhelm Conrad Röntgen (1845 bis 1923) am 8. November des Jahres 1895. Bei Experimenten mit Kathodenstrahlröhren entdeckte er eine Strahlung, die heute als Röntgenstrahlung bezeichnet wird. Er selber nannte diese neue Art von Strahlung bis zu seinem Tod X-Strahlen. Im Angelsächsischen hat sich der Name X-Ray jedoch bis heute erhalten.

Im Jahre 1919 gelang Ernest Rutherford (1871-1937) zum erstenmal der Nachweis einer auf künstlichem Wege erzeugten Radioaktivität. Durch Beschuss von N 14 mit Alphateilchen, seinen Lieblingsforschungsobjekten, erzeugte er das Sauerstoffisotop O 17. Bei dem Prozess wurde zwar ein Proton freigesetzt, aber das Endprodukt, das O 17, war stabil.

Als die eigentlichen Entdecker der künstlichen Radioaktivität gelten jedoch Irene Curie und Frederic Joliot. Beim Beschuss von Al 27 mit Alphateilchen entstand das radioaktive P 30, das sich über einen Betaplus-Zerfall mit einer Halbwertszeit von 130 s in das stabile Si 30 umwandelt.

Es sei hier kurz daran erinnert, dass der Entdecker der natürlichen Radioaktivität Antoine Becquerel war, ohne dessen Vorarbeiten die Entdeckung der künstlichen Radioaktivität sicher sehr viel schwieriger gewesen wäre

Die Kernspaltung des Urans wurde im Jahre 1938 von Otto Hahn (1879-1968) und Fritz Straßmann (1902-1980) im damaligen Kaiser-Wilhelm Institut für Chemie in Berlin entdeckt. Wichtige Vorarbeiten, die diese Entdeckung sicherlich erst ermöglicht haben, wurde dabei durch James Chadwick geleistet, der im Jahr 1932 das Neutron identifiziert hatte. Bei den Experimenten von Hahn und Straßmann wurde das U 235 in die beiden Nuklide Ba 144 und Kr 89 gespalten. Die an der Masse von 235 fehlenden Teilchen waren 2 freigesetzte Neutronen.

Wesentliche theoretische Vorarbeiten zur Entdeckung der Kernspaltung hatte Lise Meitner (1878-1968) geleistet. An den eigentlichen Experimenten war sie jedoch nicht mehr beteiligt, da sie nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland im März 1938 nunmehr als deutsche Jüdin antisemitischen Verfolgungen ausgesetzt war. Sie emigrierte daher kurz darauf nach Schweden.

Hahn erhielt für diese bahnbrechenden Arbeiten im Jahre 1944 den Nobelpreis für Chemie, Straßmann ging als Hahns "Assistent" leer aus und auch Lise Meitner wurde die Ehrung versagt, obwohl sie als der eigentliche Kopf des Teams galt.

Tschernobyl

In den westeuropäischen Ländern ist die Strahlenexposition durch den Unfall von Tschernobyl (April 1986) mittlerweile vernachlässigbar klein geworden. Der Beitrag zur Strahlenexposition beträgt, wie in der Tabelle ersichtlich, nur noch 0,01 mSv pro Jahr. In der näheren Umgebung von Tschernobyl in der Ukraine dagegen ist die Strahlendosisleistung teilweise immer noch so hoch, dass diese Gegenden als unbewohnbar und teilweise als Sperrgebiet gelten.

Beruflich strahlenexponierte Personen

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es ca. 333.000 beruflich strahlenexponierte Personen. Sie sind in der Medizin, in kerntechnischen Anlagen oder in Wissenschaft, Technik oder der Forschung tätig. Die über diesen Personenkreis gemittelte jährliche effektive Dosis beträgt 0,24 mSv . Für diesen Mittelwert gelten die gleichen oben genannten Erwägungen.



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