Handystrahlung: Wie gefährlich ist sie wirklich?

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (26. Juni 2015)

Herauszufinden, ob Handystrahlung wirklich gefährlich ist und wie genau sie sich auswirkt, ist mit der rasanten Verbreitung der Mobilfunktechnologie zunehmend wichtiger geworden. Die möglichen Folgen intensiver Handynutzung für die Gesundheit sind aber immer noch nicht restlos geklärt.

Für andere elektromagnetische Strahlung, deren Wellenlänge geringer ist als die von Handystrahlung, steht die gesundheitsschädliche Wirkung jedoch fest: Ab einer Wellenlänge von knapp unter 200 Nanometern und weniger können elektromagnetische Wellen bewirken, dass Atome oder Moleküle negativ geladene Teilchen (Elektronen) verlieren und somit positiv geladene Reste (sog. Ionen) zurückbleiben. Darum bezeichnet man sie als ionisierende Strahlung – dazu gehören:

Von ionisierender Strahlung geht ein Gesundheitsrisiko aus, weil sie das Erbmaterial direkt schädigen (und so z.B. krebserregend wirken) kann. Handystrahlung hat aber keine ionisierende Wirkung.

Doch auch nicht-ionisierende elektromagnetische Strahlung kann Auswirkungen auf den menschlichen Körper haben. So können niederfrequente elektrische und magnetische Felder im Körper elektrische Felder und Ströme erzeugen. Und durch hochfrequente elektromagnetische Felder (z.B. durch Handystrahlung) kann sich biologisches Gewebe erwärmen: Diese Wirkung machen wir uns zum Beispiel zur Erhitzung von Speisen in Mikrowellenherden zunutze.

Das Besondere am Handy: Hier entstehen die elektromagnetischen Felder direkt am Kopf, wenn wir ohne Freisprecheinrichtung telefonieren. Einen Teil der Energie dieser Handystrahlung nimmt der Kopf auf (wer über ein Headset telefoniert, nimmt die Energie entsprechend mit dem Körperteil auf, in dessen Nähe sich das Handy befindet). Zudem sind die elektromagnetischen Felder, die beim Telefonieren mit Handys am Körper auftreten, allgemein deutlich stärker als die, denen der Körper beispielsweise neben Mobilfunk-Basisstationen ausgesetzt ist.

Als Maß für die Energieaufnahme dient die sogenannte spezifische Absorptionsrate (SAR), angegeben in Watt pro Kilogramm (W/kg). Um gesundheitliche Auswirkungen der Handystrahlung auszuschließen, soll die spezifische Absorptionsrate eines Handys höchstens 2 Watt pro Kilogramm betragen.

Ob und wie elektromagnetische Felder die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen können, ist nach wie vor Diskussionsthema. Bisher ist es nicht gelungen, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen verschiedenen Erkrankungen und elektromagnetischen Feldern nachzuweisen. So stellt elektromagnetische Strahlung (wie die Handystrahlung) nach heutiger Kenntnis zum Beispiel kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Blutkrebs (Leukämie) dar.

Dass bisher keine wissenschaftlichen Beweise für ein Gesundheitsrisiko durch Handys vorliegen, heißt allerdings nicht automatisch, dass Handystrahlung nicht gefährlich ist. Wie sich die Allgegenwart elektromagnetischer Felder langfristig auf uns auswirkt und ob Schwangere, Ungeborene oder Kinder ein besonderes Risiko tragen, ist noch nicht ausreichend untersucht.

Darum ist es ratsam, in Sachen Handystrahlung auf Nummer sicher zu gehen und den Mobilfunk als Risikotechnologie zu behandeln – wie es beispielsweise das Europäische Parlament, der Europarat, die Europäische Umweltagentur und unabhängige Expertenvereinigungen wie die Internationalen Kommission für elektromagnetische Sicherheit tun.

Das gilt besonders für Kinder und Jugendliche, die sich noch in der Entwicklung befinden und darum auf Handystrahlung und andere Umwelteinflüsse empfindlicher reagieren können als Erwachsene.


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