Syndesmoseband: Sorgt für Stabilität

Veröffentlicht von: Till von Bracht (12. Juni 2014)

© Hermes

Michael Ballack, Marco Reus oder das deutsche Tennis-Ass Andrea Petkovic – sie alle konnten wegen einer Verletzung der Syndesmose am Sprunggelenk nicht an einem sportlichen Großereignis teilnehmen.

Die Syndesmose besteht aus zwei Anteilen: dem vorderen und dem hinteren Syndesmoseband. Das hintere Syndesmoseband ist wesentlich stabiler als das vordere – eine Verletzung der Syndesmose betrifft daher meist das vordere Syndesmoseband.

Vor allem das vordere Syndesmoseband trägt wesentlich zur Stabilität des gesamten Beines bei. Es befindet sich wenige Zentimeter oberhalb der Knöchel und hält das untere Schienbein und das Wadenbein zusammen.

Ein Blick auf die Anatomie des Sprunggelenks erklärt, warum das Syndesmoseband für die Stabilität des Beines so wichtig ist: Das obere Sprunggelenk besteht aus drei Knochen:

  • dem Sprungbein (Talus),
  • dem Wadenbein (Fibula) und
  • dem Schienbein (Tibia).
Wadenbeinfraktur

Sprunggelenk: 1) Wadenbein (Fibula), 2) Schienbein (Tibia), 4) Außenknöchel, 5) Syndesmose, 6) Schienbeingelenkfläche, 7) Innenknöchel, 8) Sprungbein (Talus)

Das Schienbein und das Wadenbein bilden zusammen eine Art umgedrehte "u-förmige Gabel" für das Sprungbein. Das Syndesmoseband verbindet das untere Schienbein mit dem Wadenbein und sorgt so für die nötige Stabilität im Sprunggelenk.

Das Syndesmoseband ist nur zwei bis drei Zentimeter lang und ungefähr so breit wie ein Finger. Dennoch sorgt es vor allem bei Fußballspielern und -fans häufig für Aufsehen. Der Grund: Ein Riss der Syndesmose hat schon vielen Profis in entscheidenden Momenten die Teilnahme an einem Spiel gekostet.

Verdreht man beim Sport sein Sprunggelenk sehr stark – zum Beispiel während eines Zweikampfs im Fußball – kann das Syndesmoseband

  • überdehnen,
  • einreißen oder sogar
  • komplett durchreißen.

Ist das Syndesmoseband komplett oder auch nur teilweise gerissen, werden das Schienbein und das Wadenbein mit jedem Schritt auseinandergedrückt. Dabei entstehen teils heftige Schmerzen.

Grundsätzlich kann man in der Medizin Verletzungen der Syndesmose in drei Schweregrade einteilen:

GradVerletzungBeinträchtigungBefund
IDehnung der SyndesmoseGehen schmerzfreimilde Schwellung, stabiles oberes Sprunggelenk
IITeilriss der SyndesmoseGehen schmerzhaftmoderate Schwellung, stabiles oberes Sprunggelenk
IIIkompletter SyndesmoserissGehen unmöglichstarke Schwellung, instabiles oberes Sprunggelenk

Ohne das Syndesmoseband könnte der Mensch sein Bein nicht belasten – er könnte nicht gehen oder laufen. Das Syndesmoseband ist für das Sprunggelenk ebenso wichtig wie das Kreuzband für das Kniegelenk.

Syndesmoseriss

Ein Syndesmoseriss kann entstehen, wenn ein Sportler sein Sprunggelenk sehr stark nach außen oder innen verdreht – beispielweise nach einem Foul oder wenn er mit dem Fuß umknickt. Dabei werden Schien- und Wadenbein so stark auseinander gedrückt, dass das Syndesmoseband der heftigen Belastung nicht mehr standhält.

Wissenswertes

Ein Syndesmoseriss ist eine typische Fußballverletzung – sie hat schon so manchem Fußballer die Teilnahme an einem wichtigen Turnier verwehrt.

Der Nationalspieler Marco Reus riss sich zum Beispiel nur wenige Tage vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 das vordere Syndesmoseband – die Verletzung bedeutete für den Mittelfeldspieler das WM-Aus.

Ein ähnliches Schicksal ereilte Michael Ballack im Jahre 2010. Der damalige Kapitän der DFB-Elf hatte sich nach einem Foul einen Syndesmoseriss zugezogen – diese Verletzung verhinderte seine Teilnahme an der Fußball-WM in Südafrika.

Manchmal tritt ein Syndesmoseriss auch nach einem Sturz aus einer gewissen Höhe auf. Durch den harten Aufprall wird die Gelenkgabel förmlich aufgespalten, wovon auch das Syndesmoseband betroffen ist.

Meist tritt ein Syndesmoseriss nicht als alleinige Verletzung auf, sondern in Kombination mit anderen Bandverletzungen im Sprunggelenk (z.B. einem Außenbandriss). Nur sehr selten kommt es zu einem sogenannten isolierten Syndesmoseriss.

Reißt das Syndesmoseband teilweise oder ganz, spüren Betroffene einen sehr starken und stechenden Schmerz. Sobald die Person versucht, ihren Fuß zur Seite zu drehen, nehmen die Schmerzen zu. Das verletzte Bein lässt sich nach einem Syndesmoseriss nicht mehr belasten. Hinzu kommen

  • Druckschmerzen und
  • eine Schwellung des Sprunggelenks.

Bei Verdacht auf einen Syndesmoseriss sollte man umgehend mit der Erstbehandlung beginnen. Das heißt: Wer sich beim Sport das Syndesmoseband verletzt, sollte möglichst noch auf dem Sportplatz das betroffene Sprunggelenk kühlen und hochlagern.

Nach erfolgter Erstversorgung ist es wichtig, das Syndesmoseband auf jeden Fall von einem Arzt untersuchen und behandeln zu lassen. Er kann feststellen, ob das Syndesmoseband nur gedehnt ist oder ob es sich um einen Syndesmoseriss handelt.

Sollte das Syndesmoseband gedehnt oder angerissen sein, erfolgt in der Regel eine konservative Therapie. Dabei wird die betroffene Syndesmose durch eine Unterschenkelschiene sowie durch einen Stütz- oder Gipsverband für mehrere Wochen ruhiggestellt und entlastet.

Bei einem vollständigen Syndesmoseriss ist eine Operation unumgänglich. Dabei näht der Arzt zunächst die Syndesmose wieder zusammen und stabilisiert sie anschließend mit einer Stellschraube. Die Schraube sorgt dafür, dass der richtige Abstand zwischen Schien- und Wadenbein erhalten bleibt. Nach etwa sechs Wochen entfernt der Arzt sie wieder – danach können Betroffene behutsam mit einem Belastungstraining beginnen.



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