Interview: Die richtigen Laufschuhe

Veröffentlicht von: Till von Bracht (22. April 2010)

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Gute Laufschuhe sind wichtig – für jeden Läufer. Der Grund: "Der falsche Laufschuh erhöht das Risiko von Laufverletzungen", erklärt Dr. Wolfgang Potthast von der Deutschen Sporthochschule Köln. Wer also mit einem Laufschuh joggt, der nicht richtig passt, kann seinen Bändern und Gelenken langfristig schaden.

Aber wie findet man den richtigen Laufschuh? Was sollte man beim Kauf beachten? Brauchen Frauen zum Beispiel andere Joggingschuhe als Männer? Wie hilfreich können Laufbandanalysen bei der Auswahl sein? Und welches sind die Laufschuhe der Zukunft? Onmeda hat Dr. Potthast zum Thema Laufschuhe befragt.

Bild von Dr. Potthast.

Sportwissenschaftler Dr. Potthast beantwortet alle wichtigen Fragen rund um das Thema Laufschuhe.

Dr. Potthast hat Physik und Sportwissenschaften in Bonn und Köln studiert. Seit dem Jahr 2000 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Biomechanik und Orthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln. Er erforscht unter anderem, wie Sportschuhe, Sportprothesen und Sportböden die Belastungen auf das Muskel-Skelett-System verändern. Für seine wissenschaftliche Arbeiten hat Dr. Potthast mehrere Auszeichnungen erhalten, unter anderem den New Investigator Award der International Society of Biomechanics on Sports 2005. Außerdem ist er aktives Mitglied mehrerer internationaler Fachgesellschaften, wie zum Beispiel der Internationalen Gesellschaft für Biomechanik (International Society of Biomechanics).

Onmeda: Herr Dr. Potthast, wenn man in ein Schuhgeschäft geht, dann trifft man auf ein breites Spektrum an Laufschuh-Typen von unterschiedlichen Herstellern. Worin unterscheiden sich Laufschuhe eigentlich?

Dr. Potthast: Unabhängig von der individuellen Auffassung der Hersteller unterscheidet man drei wesentliche Laufschuh-Kategorien: Zum einen werden sogenannte Dämpfungsschuhe (Cushion-Schuhe) angeboten, die die Kräfte beim Aufsetzen des Fußes verringern sollen. Dämpfungsschuhe erkennt man daran, dass der mittlere Teil der Sohle weich gepolstert ist. Zum anderen findet man sogenannte Bewegungskontrollschuhe (Motion-Control-Schuhe). Bewegungskontrollschuhe sollen ein Nach-Innen-Knicken des Fußes kontrollieren, das man als Pronationsbewegung bezeichnet. Zusätzlich bieten viele Hersteller noch sogenannte Neutralschuhe an, die einen Mittelweg zwischen Dämpfungs- und Bewegungskontrollschuhen bilden: Sowohl die Dämpfung als auch die Kontrolle der Pronationsbewegung sind vorhanden, aber geringer ausgeprägt.

"Laufschuhe sollten die natürliche Laufbewegung unterstützen, nicht einschränken."

Onmeda: Entsprechen diese Funktionen, also Dämpfung, Bewegungskontrolle und Bewegungsführung dem aktuellen Stand der sportwissenschaftlichen Forschung?

Dr. Potthast: Nur eingeschränkt. Denn vor allem eine ausgeprägte Dämpfung und eine starke Kontrolle sowie Führung der Fußbewegung, wie man sie in Dämpfungsschuhen und Bewegungskontrollschuhen findet, gehen nach wie vor von der Annahme aus, dass sowohl die Krafteinwirkung beim Aufsetzen des Fußes als auch die Pronationsbewegung schädlich seien. Heute weiß man, dass diese Faktoren keinen Einfluss auf lauftypische Verletzungen haben.



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