Faszientraining – rollen, dehnen, springen

Veröffentlicht von: Till von Bracht (18. Dezember 2015)

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Faszientraining hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen: In Fitnessstudios oder in Yoga-Kursen kann man zum Beispiel immer mehr Sportler beobachten, die mit einer Kunststoffrolle gymnastische Übungen machen. Aber was genau versteht man eigentlich unter Faszientraining?

Beim Faszientraining handelt es sich um ein gezieltes Training der Bindegewebshüllen, die wie ein Netz alle Muskelfasern, Muskeln, Knochen, Organe und Bandstrukturen umhüllen. Diese Gewebe – fachsprachlich Faszien genannt – besteht unter anderem aus kreuzförmig angeordneten Kollagenfasern und dehnbaren Elastinfasern.

Im Laufe des Lebens kann sich die geordnete Struktur der Faszien verändern – und zwar insbesondere durch

  • Unterforderung (durch Bewegungsmangel),
  • Überforderung (durch zu starke Belastung)
  • oder Fehlhaltungen.

Nach und nach bilden sich zwischen den einzelnen Kollagenfasern Querverbindungen, was die Faszien zunehmend verhärten und verkleben lässt. Dies wiederum schränkt die Funktionalität der Muskeln ein und kann zu unterschiedlichen Beschwerden führen – zum Beispiel zu Verspannungen, die wiederum Nacken-, Schulter- oder Rückenschmerzen hervorrufen können.

Ein Faszientraining zielt darauf ab, die verklebten Faszien neu zu strukturieren und so das Gewebe wieder elastischer zu machen. Dazu eignen sich vor allem spezielle Dehn- und Bewegungsübungen sowie Massagen. Bis sich durch ein regelmäßiges Faszientraining die Verhärtungen der Faszien gelöst haben, dauert es allerdings einige Monate bis Jahre.

Eine grafische Darstellung eines Muskels. Alle Muskeln sind umhüllt von einer Faszienschicht, dem sogenannten Epimysium. © Jupiterimages/iStockphoto

Jeder Muskel ist von einer Faszienschicht umhüllt, dem sogenannten Epimysium. Innerhalb eines Muskels befinden sich weitere Faszien: das Perimysium und das Endomysium.

Besonders bekannt ist das Faszientraining mit einer Faszienrolle. Dabei handelt es sich um eine harte Schaumstoffrolle, die sowohl eine Art „intensive Selbstmassage“ als auch ein Kraft- und Koordinationstraining ermöglicht.

Neben Übungen mit der Faszienrolle umfasst ein ausgewogenes Faszientraining aber auch

  • Dehnübungen,
  • federnde Bewegungen wie das Seilspringen,
  • Massagen mit einem Tennisball
  • und Übungen zur Körperwahrnehmung (z.B. Gleichgewichtsübungen auf einem Wackelbrett).

Ein isoliertes Faszientraining ist im Grunde nicht möglich – schließlich bilden Faszien und Muskeln eine Einheit. Wer sich bewegt, dehnt und seine Muskeln trainiert, trainiert dabei auch automatisch seine Faszien.

Viele Sportler führen schon seit Jahren im Rahmen ihres üblichen Trainings Übungen durch, die auch Bestandteile des Faszientrainings sind – zum Beispiel Dehnübungen oder Gleichgewichtsübungen. Das „Besondere“ am Faszientraining sind also nicht die Übungen an sich, sondern die damit erwarteten Auswirkungen auf das Bindegewebe.

Viele versprechen sich mit dem Faszientraining eine Reihe positiver Wirkungen. So soll ein regelmäßig durchgeführtes Faszientraining zum Beispiel

  • die Belastbarkeit von Sehnen und Bändern erhöhen,
  • Gelenk- und Muskelschmerzen lindern,
  • die Beweglichkeit erhöhen,
  • die Muskulatur vor Verletzungen schützen,
  • für eine raschere Regeneration sorgen
  • und den Körper in Form halten.

Inwiefern sich die erwarteten Effekte mit einem langfristigen Faszientraining besser erreichen lassen als mit anderen Bewegungsformen (z.B. Pilates oder Jogging), bleibt nach derzeitigem Forschungsstand allerdings fraglich.

Fest steht: Faszientraining allein ist kein Allheilmittel – es kann das normale Kraft- und Ausdauertraining nicht ersetzen, sondern lediglich ergänzen.

Wer keine Beschwerden hat und sich regelmäßig bewegt, benötigt in der Regel kein spezielles Faszientraining. Wer jedoch aufgrund von Bewegungsmangel oder Fehlhaltungen unter Schmerzen und Verspannungen leidet, bei dem kann ein ausgewogenes Faszientraining zur Linderung der Beschwerden beitragen.