Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) erfordert nicht unbedingt eine Therapie, da er grundsätzlich reversibel ist – das heißt, er kann wieder zurückgehen. Bei vielen der Betroffenen mit schwach ausgeprägter Alopecia areata wachsen die kahlen Stellen wieder zu. Statt einer Therapie mit Medikamenten kommt daher durchaus auch bloßes Abwarten infrage.

Kreisrunder Haarausfall kann immer wieder auftreten – selbst die wirksamste Therapie kann nicht verhindern, dass das Haar eventuell erneut ausfällt. Ob eine Behandlung nötig ist, hängt vom Einzelfall und dem Wunsch des Patienten ab. Viele Menschen leiden erheblich unter den kahlen Stellen am Kopf – vor allem, da sie oft auch für andere sichtbar sind. Eine Therapie sollte sorgfältig nach Nutzen-Risiko-Erwägungen ausgewählt werden, da manche Medikamente starke Nebenwirkungen entfalten. Zudem eignen sich einige Medikamente nicht zur Behandlung von Kindern mit Alopecia areata.

Bis heute gibt es keine Therapie gegen kreisrunden Haarausfall, die die Krankheit ursächlich heilen kann. Sogenannte symptomatische Therapien sollen aber zu einer vollständigen Wiederbehaarung beitragen. Bei der Alopecia areata richtet sich die Behandlung nach dem Stadium beziehungsweise dem Fortschritt des Haarausfalls. Es lassen sich zwei Behandlungsarten unterscheiden:

  • eine örtliche (äußerliche, topische) Therapie und
  • eine Therapie mit Tabletten (innere, systemische Therapie).

Gängige Wirkstoffe sind:

  • Zink (Tabletten)
  • örtliche Therapie mit Kortikoiden zum Auftragen auf die Haut (Cremes, Lösungen, Schaum)
  • systemische Therapie mit Kortikoiden
  • örtliche Immuntherapie mit DCP (Diphenylcyclopropenon) zum Auftragen auf die Haut
  • Thymuspeptide zur örtlichen Anwendung oder zum Einnehmen

Zink

Ist die Alopecia areata nur schwach ausgeprägt und seit kurzer Zeit sichtbar, kann der Betroffene für mehrere Monate Zink einnehmen – Nebenwirkungen sind nicht zu erwarten. Ob Zink allerdings wirkt, hängt stark vom Einzelfall ab; wissenschaftlichen Studien zufolge ist es nicht sehr wahrscheinlich.

Kortikoide

Eine weitere Möglichkeit stellt die örtliche Behandlung mit einer kortikoidhaltigen Lösung oder Creme oder mit Kortikoid-Schaum dar, bei der die Präparate auf die Haut aufgetragen werden. Gängige Wirkstoffe sind:

  • Mometason,
  • Betamethason,
  • Amcinonid und
  • Clobetasol-Propionat.

Eine solche Behandlung ist für bis zu drei Monate möglich. Wie und ob diese Therapie wirkt, ist wiederum für den Einzelfall nicht vorherzusagen.

Eine systemische Therapie mit Kortikoiden (Wirkstoff: Prednisolon) eignet sich bei leichteren Verläufen des kreisrunden Haarausfalls aufgrund des ungünstigen Verhältnisses zwischen Wirkung und Nebenwirkung oft nicht. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine systemische Therapie versucht wird: wenn die örtliche Therapie nur langsam oder unzureichend wirkt oder der kreisrunde Haarausfall sehr ausgeprägt verläuft.

Die systemische Therapie erfolgt meist über vier Wochen; wirkt die Behandlung, verlängert der Arzt sie unter Umständen um maximal weitere vier Wochen. Eine solche systemische Therapie stoppt den Haarausfall oft und führt dazu, dass die Haare wieder nachwachsen.

Problem der Therapie: die Nebenwirkungen und die Tatsache, dass nach der Behandlung wieder kahle Stellen auftreten können. Experten gehen davon aus, dass sowohl die örtliche als auch die systemische Kortikoid-Behandlung die durch das eigene Immunsystem ausgelöste Entzündung am Haarfollikel hemmt.

DCP

Die momentan effektivste und mit Studien gut belegte Therapie der ausgeprägten Alopecia areata ist die äußerliche Immuntherapie mit dem Wirkstoff DCP (Diphenylcyclopropenon). Dieses Verfahren setzen Ärzte vor allem dann ein, wenn der kreisrunde Haarausfall mehr als etwa ein Drittel der Kopfhaut umfasst. Der Immuntherapie mit DCP geht häufig eine erfolglose Behandlung mit Kortikoiden voraus. Es handelt sich dabei um einen sogenannten "individuellen Heilversuch" – DCP ist nicht offiziell für die Therapie der Alopecia areata zugelassen.

Ziel der Behandlung ist es, dass DCP eine Reaktion vom Typ der Kontaktallergie (Allergie vom Typ IV) auslöst. Zuvor muss der Patient mit einer wirkstoffhaltigen Lösung, die auf die Kopfhaut aufgetragen wird, sensibilisiert werden, also gegen DCP empfindlich werden. Ist dies geschehen, trägt der Arzt den Wirkstoff in verschiedenen Konzentrationen wöchentlich erneut auf und löst somit wiederholt ein sogenanntes allergisches Kontaktekzem aus. Es geht mit geröteter Haut, Juckreiz und eventuell mit geschwollenen Lymphknoten einher. In manchen Fällen reagiert der Betroffene zu stark und es entsteht ein überschießendes Ekzem.

Die normale Reaktion sollte im Laufe der Behandlung immer wieder auftreten, dies spricht dafür, dass die Therapie wirkt. Dann erhöht sich die Chance, dass die Haare nach ein bis sechs Monaten wieder wachsen und im besten Fall keine kahlen Stellen mehr verbleiben (sog. Remission).

Auch für eine Therapie mit DCP gilt, dass sie umso schwieriger ist, je länger der kreisrunde Haarausfall schon besteht und je ausgeprägter er war. Patienten müssen damit rechnen, dass die örtliche Behandlung mit DCP nur so lange wirkt, wie sie eingesetzt wird. Um die Therapie erfolgreich und sicher durchzuführen, sollten Betroffene sich nur an speziell geschulte, mit der DCP-Therapie vertraute Ärzte wenden. Kinder mit Alopecia areata dürfen nicht mit DCP behandelt werden.

Weitere Methoden

Darüber hinaus lässt sich kreisrunder Haarausfall auch mithilfe von UV-A-Strahlen behandeln (sog. PUVA-Therapie). In manchen Fällen kann eine örtliche Reiztherapie mit dem Wirkstoff Dithranol in Betracht gezogen werden. Dithranol wird üblicherweise in der Therapie der Schuppenflechte (Psoriasis) eingesetzt – klinische Studien zur Wirksamkeit bei kreisrundem Haarausfall gibt es nicht.

Teilweise kommen bei kreisrundem Haarausfall zudem Thymuspeptide zum Einsatz. Sie sollen einen regulierenden Effekt auf das Immunsystem ausüben. Präparate mit Thymuspeptiden gibt es als Shampoos und Lotionen, aber auch als Tabletten zum einnehmen. Bislang gibt es jedoch keine gesicherten Belege für die Wirksamkeit dieser Behandlung.

Als wirkungslos, unzureichend oder meist enttäuschend sehen Experten folgende Therapien an:

  • Hemmstoffe namens Calcineurin-Inhibitoren (Wirkstoffe wie Tacrolimus und Pemicrolimus)
  • sog. Biologics (gentechnisch hergestellte Eiweiße, die wiederum bestimmte körpereigene Eiweiße hemmen), z.B. Alefacept und Etanercept



Apotheken-Notdienst