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Voyeurismus

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (10. Mai 2011)

© Jupiterimages/iStockphoto

Voyeurismus (franz. voir = sehen) bezeichnet eine bestimmte Form der Sexualität. Ein Voyeur empfindet sexuelle Erregung, wenn er heimlich Menschen beobachtet, die nackt sind, sich ausziehen oder sexuell aktiv sind. Voyeurismus liegt dann vor, wenn diese Aktivität über einen längeren Zeitraum die bevorzugte oder auch ausschließliche Variante ist, um sich sexuell zu erregen.

Die Bandbreite von Voyeurismus ist groß: Manche Voyeure beobachten gerne Paare beim Sex, andere erregt es, wenn sie heimlich Frauen in der Umkleidekabine zuschauen. Wieder andere lauschen gern den Geräuschen, die andere Menschen beim Sex von sich geben. Ob am FKK-Strand, in Parks und Wäldern, an Bushaltestellen, auf fremden Balkonen oder gar in Wohnungen: Voyeure riskieren mit ihren Aktionen, entdeckt zu werden. Häufig befriedigt sich der Voyeur während seiner Beobachtung – oft bis hin zum Orgasmus. Oder er durchlebt das Gesehene im Nachhinein, indem er es sich in der Fantasie nochmals ausmalt und sich dabei befriedigt.

Auch wenn sich manche Voyeure vorstellen, mit der beobachteten Person intim zu werden: In der Regel sucht ein Voyeur keinen direkten Kontakt zur beobachteten Person. Vielmehr liegt seine sexuelle Erregung darin, heimlich zu agieren, ohne dass jemand etwas bemerkt. Das Risiko, möglicherweise entdeckt zu werden, steigert die Erregung zusätzlich. Hinzu tritt die Vorstellung, dass sich das Opfer schämen und gedemütigt fühlen würde, wenn es den Voyeur entdecken würde.

Krankhafter Voyeurismus stellt eine Störung der sexuellen Präferenz (Paraphilie) dar. In schweren Fällen ist das "Spannen" für die Person die einzige Form sexueller Aktivität. Der Voyeur ist dabei unfähig, sexuelle Kontakte einzugehen. In leichteren Ausprägungen pflegt der Voyeur zusätzlich normale sexuelle Verbindungen.

Voyeurismus stellt einen erheblichen Eingriff in die Privatsphäre dar, der unter bestimmten Bedingungen bestraft werden kann.

Voyeurismus tritt in mehr als der Hälfte aller Fälle bereits vor dem 15. Lebensjahr auf. Die meisten Voyeure sind Männer – Opfer sind hauptsächlich Frauen oder Paare. Voyeure sind oft unauffällige, zurückgezogene Menschen. Wie viele Voyeure es gibt, ist nicht abzuschätzen, da die meisten von ihnen unentdeckt bleiben.

Voyeure gelten Untersuchungen zufolge als gehemmt im Umgang mit anderen Menschen. Sie gelten als unauffällig und zurückgezogen. Sie sind häufig nicht in der Lage, sexuelle Kontakte einzugehen oder sie haben Angst vor derartigen Kontakten oder auch vor der eigenen Sexualität. Der Voyeurismus kann somit der Ersatzbefriedigung dienen. In ihrer passiven, anonymen Rolle fühlen sich Voyeure geschützt.

Ein Mann beobachtet etwas durch ein Gucklock. © Jupiterimages/Hemera

Voyeurismus kann als Ersatzbefriedigung dienen.

Der Reiz des Heimlichen spielt beim Voyeurismus eine große Rolle: Frauen, die sich bewusst für einen Voyeur ausziehen – zum Beispiel in einer Peepshow – führen bei ihm nicht zur sexuellen Erregung.

Durch fortschreitende technische Entwicklung kann ein Voyeur zunehmend auf Hilfsmittel zurückgreifen, um sein Verlangen zu stillen. So kann er beispielsweise heimlich Aufnahmen oder Bilder mit einem Handy oder eine Digitalkamera herstellen. Voyeurismus wird somit erleichtert.

In der Sexualität ist der Voyeurismus ein kaum eindeutig zu definierender und trennscharfer Begriff. Das intensive Betrachten des Partners, das Betrachten erotischer Bilder sowie von Filmen oder TV-Sendungen gilt als normal und ist gesellschaftlich voll akzeptiert. Das Betrachten von Nackten auf FKK-Geländen ist hingegen fragwürdig. Voyeurismus kann als eine legitime Spielart menschlicher Sexualität angesehen werden, solange bei den Betroffenen kein Leidensdruck entsteht und die Rechte Anderer nicht verletzt werden.

Voyeurismus kommt im weiteren Sinn auch außerhalb der Sexualität vor, so zum Beispiel in Form der im Volksmund als "Gaffer" bezeichneten Schaulustigen bei Verkehrsunfällen.


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