Vergewaltigung, sexuelle Nötigung: Rechtliche Aspekte

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (26. September 2011)

Nach § 177 des deutschen Strafgesetzbuches ist sexuelle Nötigung und Vergewaltigung strafbar und wird je nach Schwere mit Freiheitsstrafe von mindestens sechs Monaten geahndet. Verursacht der Täter dabei den Tod des Opfers, greift der §178. In diesem Fall beträgt die Freiheitsstrafe mindestens zehn Jahre oder lebenslänglich.

Manche Täter nutzen die hilflose Lage ihres Opfers aus oder sie versetzen ihr Opfer vor der Vergewaltigung aktiv in eine hilflose Lage, aus der sie sich nicht wehren können – beispielsweise durch K.-o.-Tropfen. In diesem Fall wird § 179 angewandt.

Darüber hinaus kann auch der § 179 zum Tragen kommen, wenn der Täter die hilflose Situation des Opfers gezielt ausnutzt. Dies kann zum Beispiel der Fall sein, wenn das Opfer geistig behindert ist oder aber, wenn der Täter sein Opfer durch K.-o.-Tropfen außer Gefecht setzt.

§ 177 Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person

  • mit Gewalt,
  • durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
  • unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn

  • der Täter mit dem Opfer den Beischlaf vollzieht oder ähnliche sexuelle Handlungen an dem Opfer vornimmt oder an sich von ihm vornehmen lässt, die dieses besonders erniedrigen, insbesondere, wenn sie mit einem Eindringen in den Körper verbunden sind (Vergewaltigung), oder
  • die Tat von mehreren gemeinschaftlich begangen wird.

(3) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

  • eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,
  • sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden, oder
  • das Opfer durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt.

(4) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter

  • bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet oder
  • das Opfer a) bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt

(5) In minder schweren Fällen des Absatzes 1 ist auf Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren, in minder schweren Fällen der Absätze 3 und 4 auf Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren zu erkennen.

Vergewaltigung in der Ehe

Bis zum Jahr 1997 konnte eine Vergewaltigung in der Ehe – auch bei getrennt lebenden Eheleuten – nur als Körperverletzung und / oder Nötigung bestraft werden. Seit 1997 ist eine Vergewaltigung unter Eheleuten rechtlich der einer Vergewaltigung durch eine andere Person völlig gleichgestellt.