Sexsucht (Hypersexualität): Ursachen

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (10. April 2010)

Bei Sexsucht (Hypersexualität) beziehungsweise einem gesteigerten sexuellen Verlangen vermutet man die Ursachen in einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Die genauen Gründe sind unklar.

In manchen Fällen können auch bestimmte körperliche Erkrankungen zu einem gesteigerten sexuellen Verlangen führen, zum Beispiel Tumoren in der Nebennierenrinde. Auch im Rahmen einer psychischen Erkrankung kann der Wunsch nach sexueller Befriedigung außergewöhnlich hoch sein, etwa im Rahmen einer Manie.

Familiäre Faktoren

Häufig finden sich bei Familienangehörigen von Sexsüchtigen ebenfalls unterschiedliche Abhängigkeiten wie Alkoholismus. Dies deutet darauf hin, dass eine genetische Veranlagung für süchtiges Verhalten vorliegt. Bei der sexuellen Betätigung werden im Gehirn Botenstoffe ausgeschüttet, die zu den körpereigenen Opiaten gehören und einen Erregungsanstieg sowie einen sofortigen Stimmungswechsel bewirken (Ängste und Schmerzen werden reduziert). Diese Wirkung wird noch gesteigert, wenn in der sexuellen Situation Angst und Risiko im Spiel sind.

Psychologische Faktoren

In manchen Fällen von Sexsucht (Hypersexualität) waren die Betroffenen als Kind Opfer von Missbrauch – entweder in emotionaler, sexueller oder körperlicher Hinsicht. Als Folgen treten häufig ein starkes Schamgefühl auf sowie Selbstwertprobleme und das Gefühl, die eigene Persönlichkeit sei unvollständig.

Das Gefühl, die eigenen Probleme mit Sex lösen zu können, liegt häufig in der ersten sexuellen Erfahrung begründet. Viele Betroffene berichten von frühen sexuellen Erlebnissen, die als überwältigend intensiv erlebt wurden. In der Schilderung erinnert dies an den Kick, den Drogenabhängige bei ihren ersten Drogenerfahrungen beschreiben. Diese positive Ersterfahrung mit dem Suchtmittel wird immer wieder gesucht, um Unangenehmes zu vergessen. Die erlebte Intensität wird jedoch nicht mehr erreicht, sodass es zu fortwährender Wiederholung und Dosissteigerung kommt.