Sexsucht (Hypersexualität): Therapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (10. April 2010)

Ist der Leidensdruck hoch, kann bei Sexsucht (Hypersexualität) eine Therapie sinnvoll sein. Insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, das gesteigerte sexuelle Verlangen besser zu kontrollieren. Dabei lernen die Betroffenen schrittweise zu verstehen, wie die Sexsucht zustande kommt und wie sie ihr Verhalten ändern können. Unter Umständen kann es auch hilfreich sein, die Sexsucht mithilfe von Psychopharmaka zu behandeln.

Ein spezifisches Therapiekonzept wird in Deutschland nur in Kliniken mit allgemeinen suchttherapeutischen Schwerpunkten angeboten. Auch in der ambulanten Praxis haben nur wenige Therapeuten Erfahrungen mit der Behandlung der Sexsucht. Liegt neben der Hypersexualität eine weitere psychische Störung vor, sollte diese ebenfalls behandelt werden. Im Fall von Alkoholismus oder Medikamentenabhängigkeit steht deren Therapie zunächst im Vordergrund. Am Anfang ist oft eine stationäre Behandlung notwendig. Da aber die Therapie der Sucht oft mehrere Jahre andauert, erfolgt die Nachbehandlung meist ambulant.

Als generelles Ziel bei der Behandlung von Sexsucht steht im Vordergrund, wieder zu erlernen, Intimität ohne Sexualität zu erleben und negative Gefühle zuzulassen, ohne sie mit Sex zu verdrängen. Am Anfang der meisten Therapien steht ein längeres Zölibat, eine Zeitspanne, während der keine sexuellen Handlungen mit sich oder anderen erlaubt sind. Die während dieser Zeit erlebten auftretenden extremen negativen Gefühle werden in der Gruppe mit anderen Betroffenen aufgearbeitet. Ziel ist es, dem Süchtigen die Möglichkeit zu geben, zunächst eine gesunde Beziehung zu sich selbst aufzubauen, da dies erst die Beziehung zu anderen und zur Sexualität ermöglicht.

In Selbsthilfegruppen können sich Betroffene mit Gleichgesinnten austauschen und gegenseitig helfen.