Sexsucht (Hypersexualität): Symptome

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (10. April 2010)

Bei einer Sexsucht (Hypersexualität) nehmen die Symptome im Laufe der Zeit zu. Der Betroffene steigert seine sexuellen Betätigungen fortwährend. Dabei lässt die Befriedigung nach und der Einfluss auf das übrige Leben wird immer größer. Menschen mit einem gesteigerten sexuellen Verlangen verspüren einen nicht kontrollierbaren Drang, ihre Sexualität auszuleben. Als typische Kennzeichen einer Sexsucht gelten:

  • Die gedankliche Beschäftigung mit oder die Ausübung von Sexualität nimmt stetig zu, es kommt zur Dosissteigerung, da die sexuellen Aktivitäten zur Befriedigung nicht mehr ausreichen. Bei Verzicht entstehen Gefühle von Ängste oder Leere.
  • Das sexuelle Verhalten hat gravierende negative Folgen. So entstehen bei Sexsüchtigen oft schwere Partnerschaftsprobleme. Außerdem ist das Risiko, sich mit Geschlechtskrankheiten zu infizieren, erhöht. Nicht zuletzt kommt es häufig zu finanziellen oder beruflichen Schwierigkeiten, da der Betroffene zunehmend mehr Zeit und Geld in seine Sucht investiert. Zudem versucht er, die Sucht zu verheimlichen.
  • Die Betroffenen verlieren über ihr sexuelles Verhalten zunehmend die Kontrolle: Gerade aufgrund der negativen Folgen ihres Verhaltens bemühen sich Sexsüchtige immer wieder, die sexuellen Handlungen zu begrenzen. Diese Versuche scheitern meist, weil der Wunsch nach Befriedigung zu stark wird. Hier wird die Zwanghaftigkeit des sexsüchtigen Verhaltens deutlich, da es trotz des enormen Leidensdrucks nicht gelingt, das schädliche Verhalten zu unterlassen.
  • Im Umgang mit Schwierigkeiten und negativen Gefühlen werden sexuelle Zwangsvorstellungen und Fantasien als primäre Bewältigungsversuche eingesetzt. Das sexuelle Verhalten dient dazu, aufgestaute Emotionen auszuleben. Dies hat zunächst eine betäubende Wirkung. Lässt die Betäubung nach, folgen meist starke Schuldgefühle.
  • Sexualität wird zum alles bestimmenden Lebensbereich: Die Betroffenen verwenden große Teile der Freizeit für sexuelle Betätigung beziehungsweise die Erholung davon. Das Verhalten ist derart auf sexuelle Befriedigung fokussiert, dass sie wichtige soziale oder berufliche Pflichten vernachlässigen.
  • Meist wird die Sexualität nicht als lustvoll erlebt und der Betroffene fühlt sich nicht oder nur für kurze Zeit befriedigt.

Oft zeigt sich eine Vorliebe für anonymen Sex. So suchen Menschen mit einem sexuell gesteigerten Verlangen gezielt Orte auf, die Möglichkeiten für Sexkontakte mit Unbekannten bieten, wie Parkanlagen, Swinger- oder Saunaclubs. Auch wird Sexualität oft als Ware gehandelt, das heißt die Betroffenen zahlen entweder für sexuelle Aktivitäten (Telefonsex, Bordelle) oder bieten selbst sexuelle Dienste gegen Geld an.

Neben diesen sexuellen Vorlieben kann es bei einer behandlungsbedürftigen Sexsucht auch zu kriminellen Handlungen kommen: Viele Sexsüchtige zeigen voyeuristisches oder exhibitionistisches Verhalten. Auch können Zudringlichkeiten (z.B. das Berühren anderer ohne deren Erlaubnis), das Ausnutzen einer Machtposition oder Sex mit Kindern im Rahmen einer Sexsucht auftreten. Keinesfalls gilt Sexsucht als Entschuldigung für derartige Handlungen. Jeder Betroffene muss sich dieser Tatsache bewusst sein und sich verantworten.

Sexsucht tritt häufig gekoppelt mit anderen psychischen Störungen auf. Am häufigsten ist die Kombination von sexuell süchtigem Verhalten mit einer Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit.