Orgasmus: Die vier Phasen des Orgasmus

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (09. Juni 2017)

Die sexuelle Erregung, die im Orgasmus gipfelt, verläuft in vier aufeinanderfolgenden Phasen:

  1. Erregungsphase
  2. Plateauphase
  3. Orgasmusphase
  4. Entspannungsphase

Bei Frauen und Männern gibt es innerhalb dieser vier Phasen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede.

1. Erregungsphase

Nimmt die körperliche Erregung an Fahrt auf, beschleunigt sich der Puls, der Atem wird schneller und der Blutdruck steigt. Diese Erregungsphase kann bei beiden Geschlechtern relativ plötzlich einsetzen und sich rasch steigern. Sie kann zwischen wenigen Minuten bis zu Stunden dauern. Normalerweise lassen sich Frauen aus der Erregungsphase leichter ablenken als Männer. Zudem benötigen Frauen eher eine direkte Stimulierung der Klitoris, während Männer auch stark auf rein visuelle Reize reagieren.

Bei der Frau:

Bei der Frau schwellen in der Erregungsphase Klitoris und Schamlippen an und färben sich zunehmend rot. In der Scheide (Vagina) sondert sich in der Scheidenschleimhaut vermehrt Flüssigkeit ab (sog. Transsudation). Dass die Scheide feucht wird – auch Lubrikation genannt – erleichtert dem Penis, einzudringen. Die Scheide wird außerdem länger und weiter, die Gebärmutter erhebt sich leicht. Die Brüste können leicht anschwellen und die Brustwarzen richten sich auf. Bei einigen Frauen zeigt sich ein sogenannter Sex flush (engl. flush = Erröten), bei dem sich die Haut in bestimmten Bereichen (wie Gesicht, Brust, Rücken) rötet.

Beim Mann:

Beim Mann fließt in der Erregungsphase mehr Blut in die Schwellkörper des Penis, der dadurch nicht nur dicker, sondern auch länger wird. Der Penis richtet sich auf und wird steif. Den gesamten Vorgang bezeichnet man als Erektion (von lat. erectio = Aufrichten). Die Hoden und der Hodensack (Skrotum) ziehen sich zusammen.

2. Plateauphase

In der Plateauphase vor dem Orgasmus nimmt bei Mann und Frau die körperliche Erregung zu, die Muskelspannung steigt und die Kontrolle über den Körper lässt immer mehr nach. Die Erregung hat in dieser Phase eine bestimmte Höhe (Plateau) erreicht und steigt nur noch langsam an. Puls und Blutdruck steigen weiter an, die Atmung beschleunigt sich. In der Regel dauert diese Phase nicht länger als einige Minuten.

Bei der Frau:

Bei der Frau färben sich in der Plateauphase die kleinen Schamlippen noch intensiver und schwellen weiter an. Die sogenannten Bartholin-Drüsen, die im Scheidenvorhof zwischen den beiden kleinen Schamlippen liegen, geben ein Sekret ab, welches das Eindringen und Gleiten des Penis in die Scheide erleichtert. Die Brüste erreichen den größten Umfang.

Beim Mann:

Beim Mann nimmt der Penis in der Plateauphase weiter an Größe zu, vor allem im Bereich der Eichel. Diese verfärbt sich rötlich-violett. Aus der Harnröhrenöffnung tritt eventuell ein wenig Flüssigkeit hervor, der sogenannte Lusttropfen oder Sehnsuchtstropfen, der bereits einige Samenzellen (Spermien) enthalten kann. Die Hoden schwellen an.

3. Orgasmusphase

Der Orgasmus stellt den Höhepunkt der körperlichen Erregung dar: Die Orgasmusphase geht mit einer allgemeinen Muskelanspannung und mit (individuell unterschiedlich stark ausgeprägten) Veränderungen des Bewusstseins einher, das viele Menschen als "Schweben" beschreiben. Atemfrequenz, Blutdruck und Puls haben ihr Maximum erreicht. Die Intensität des Orgasmus kann variieren. Sie ist von vielen Faktoren abhängig, so zum Beispiel von Grad und Dauer der vorher bestehenden Erregung. In der Regel dauert diese Phase bei Männern nicht länger als ein paar Sekunden, bei Frauen bis zu einer Minute.

Bei der Frau:

Beim Orgasmus der Frau zieht sich die Muskulatur von Scheide, Gebärmutter und Beckenboden mehrfach rhythmisch zusammen. Das untere Scheidendrittel verengt sich zur sogenannten orgastischen Manschette. Frauen können ihren Orgasmus über einen verhältnismäßig langen Zeitraum von 20 bis zu 60 Sekunden aufrechterhalten.

Beim Mann:

Der Orgasmus ist beim Mann deutlich kürzer als bei der Frau und durch die Ejakulation, also sowie ein rhythmisches Zusammenziehen der Beckenbodenmuskulatur gekennzeichnet. Beim Samenerguss wird Sperma aus der Harnröhre geschleudert.

4. Entspannungsphase

Nach dem Orgasmus beginnt die Entspannungs- oder Rückbildungsphase, in der sich Atmung, Blutdruck und Puls normalisieren. Die Muskelanspannung lässt nach. Vor allem Männer empfinden in dieser Phase ein ausgeprägtes Schlafbedürfnis.

In der Rückbildungsphase unterscheiden sich beide Geschlechter durch die unterschiedlich lange Erholungsphase. Männer sind in diesem Stadium gegenüber sexuellen Reizen weniger empfänglich. Einige Frauen dagegen können in kurzer Abfolge, sogar während eines Geschlechtsverkehrs, mehrere Orgasmen erleben (sog. multipler Orgasmus). Aber auch hier tritt irgendwann eine Rückbildungsphase ein.

Bei der Frau:

Bei der Frau schwellen in der Rückbildungsphase Klitoris und Schamlippen langsam ab, die Scheide verkürzt sich wieder und die Gebärmutter senkt sich. Die Rückbildung der Scheide ist bereits nach etwa 15 Minuten abgeschlossen, wohingegen das vollständige Abschwellen der Schamlippen bis zu drei Stunden dauern kann.

Beim Mann:

Beim Mann verkleinert sich der Penis nach dem Orgasmus verhältnismäßig rasch wieder auf den normalen, erschlafften Zustand. Die Hoden schwellen ebenfalls ab und treten wieder tiefer.