Libido: Libidostörung, Libidoverlust

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. September 2016)

Eine Libidostörung ist eine Störung des sexuellen Verlangens (sog. sexuelle Appetenzstörung): Damit gehört sie zu den sogenannten sexuellen Funktionsstörungen.

Typischerweise äußert sich eine Libidostörung dadurch, dass jemand zeitweise wiederholt kein Bedürfnis nach sexueller Aktivität verspürt und keine sexuellen Fantasien hat. Eine solche sexuelle Lustlosigkeit – auch als Libidomangel bezeichnet – kann bis hin zum vollständigen Libidoverlust reichen. Manche Betroffenen fühlen sich durch sexuelle Annäherungsversuche des Partners belästigt, andere verspüren sogar eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Sexualität (sog. sexuelle Aversion).

Demnach lässt sich eine Libidostörung einteilen in:

  • allgemeine oder situationsabhängige sexuelle Unlust – zum Beispiel gegenüber einem bestimmten Partner
  • sexuelle Aversion oder Sexualangst, die sich in einem ausgeprägten Widerwillen gegen bestimmte Formen oder jede Art von sexuellen Handlungen äußert, wobei die  Betroffene teilweise sexuelle Aktivitäten vollständig meiden

Da jeder Mensch Sexualität anders erlebt, lässt sich allerdings nicht eindeutig eingrenzen, ab wann ein Libidomangel als Störung anzusehen ist. Wenn der ein oder andere Partner hin und wieder keine Lust auf Geschlechtsverkehr oder sonstige sexuellen Aktivitäten hat, ist dies noch keine sexuelle Funktionsstörung: Von einer Libidostörung sprechen Mediziner erst dann, wenn sexuelles Verlangen mindestens sechs Monate lang ganz oder wiederholt ausbleibt und dies mit einem Leidensdruck verbunden ist.

Menschen mit einer reinen Libidostörung können aber trotzdem noch sexuell erregbar sein oder bei sexuellen Aktivitäten ein Gefühl sexueller Befriedigung erreichen. Sie ergreifen hierzu nur selten die Initiative.

Ein Mangel oder Verlust der Libido kommt bei der Frau deutlich öfter vor als beim Mann: Insgesamt haben 20 Prozent der Frauen und weniger als 3 Prozent der Männer eine Libidostörung. Gerade bei Frauen beeinflussen Faktoren wie Anspannung, Stress, Müdigkeit, Unsicherheit, körperliche Erkrankungen oder Probleme in der Partnerschaft die Libido. Fast jede dritte Frau verspürt – zumindest zeitweise – kein Verlangen nach Sex.

Das Bild zeigt ein Paar im Bett, das voneinander abgewandt ist. © Jupiterimages/Creatas Images

Die Ursachen für mangelndes sexuelles Verlangen sind vielfältig.

Für eine Libidostörung beziehungsweise einen Libidoverlust kommen verschiedene Ursachen infrage. Dazu gehören:

Auch Angst oder Scham können hinter einem Libidoverlust stecken: So kann sexuelle Unlust beispielsweise in einer strengen, konservativen Erziehung begründet sein. Wenn Eltern etwa nicht offen über Sexualität sprechen oder Sex und sexuelle Lust als etwas Anstößiges vermitteln, kann dies im Erwachsenenalter zu Hemmungen, Scham- oder Schuldgefühlen führen, welche die natürlichen sexuellen Bedürfnisse und die Libido unterdrücken. Kultur, Sitte oder Brauchtum können ebenfalls bestimmte Vorstellungen hervorrufen, die bei ihren Zugehörigen Scham oder Angstgefühle gegenüber Sexualität auslösen.

Zur Behandlung einer Libidostörung bieten sich eine Sexualberatung, eine Sexualtherapie und / oder eine Psychotherapie an. Unterstützend können auch Antidepressiva oder beruhigende beziehungsweise angstlösende Substanzen dabei helfen, die Libido zu steigern.