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Beschneidung

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (24. Dezember 2012)

© Jupiterimages/Stockbyte

Unter Beschneidung versteht man Eingriffe an den äußeren Geschlechtsorganen von Mann oder Frau – also am Penis oder an der Vulva.

Bei der Beschneidung des Mannes oder auch Zirkumzision wird die Vorhaut des Penis ganz oder teilweise chirurgisch entfernt. Dies kann aus religiösen, medizinischen, hygienischen oder ästhetischen Gründen erfolgen. In Deutschland übernehmen die Krankenkassen die Kosten der Beschneidung, sofern es sich um eine medizinische Indikation handelt, wie zum Beispiel eine Vorhautverengung (Phimose). In den USA ist das routinemäßige Beschneiden neugeborener Jungen (engl. routine neonatal circumcision, RNC) gängige Praxis. Dort wurden bis vor wenigen Jahrzehnten routinemäßig fast alle neugeborenen Jungen beschnitten, im Jahr 2005 waren es noch rund 56 Prozent.

Ebenfalls lassen auch in Deutschland viele Eltern jüdischen oder muslimischen Glaubens ihre Söhne bescheiden. Das geschieht in der Regel im Kindesalter. Nachdem dies in der Vergangenheit als rechtswidrige Körperverletzung diskutiert wurde, legte der Deutsche Bundestag in einem Gesetz fest, dass die medizinisch fachgerechte Bescheidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen auch in Zukunft zulässig ist.

Die weibliche Beschneidung, also die Beschneidung von Mädchen und Frauen, ist dagegen einer Genitalverstümmelung gleichzusetzen und ist in Deutschland verboten. Hierbei wird entweder die Klitoris allein oder die Klitoris mitsamt der inneren und zum Teil auch äußeren Schamlippen entfernt. Damit soll das sexuelle Verlangen der Frauen reduziert beziehungsweise zerstört werden – auf Kosten ihrer psychischen und körperlichen Gesundheit. Pro Jahr werden etwa drei Millionen Mädchen und Frauen Opfer genitaler Verstümmelungen. Unter anderem in 28 Ländern Afrikas und einigen anderen Ländern in Asien und dem mittleren Osten ist das Beschneiden der äußeren weiblichen Geschlechtsorgane noch üblich. In bestimmten afrikanischen Ländern sind über 90 Prozent aller Frauen beschnitten. Durchschnittlich sind die Mädchen bei der Beschneidung zwischen vier und zwölf Jahre alt. Die weibliche Beschneidung wird selten im Beisein eines Arztes oder mit medizinischen Geräten, geschweige denn mit einer örtlichen Betäubung ausgeführt. Vielmehr finden die verschiedensten scharfen Gegenstände hierfür Verwendung – Rasierklingen, Glasscherben und sogar geschärfte Steine. Durch die meist unhygienischen Umstände bei der weiblichen Beschneidung kommt es bei den beschnittenen Frauen neben den direkten Schäden durch die Verstümmelung häufig auch zu Wundinfektionen, die teilweise zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen.

Zahlreiche Organisationen und Selbsthilfegruppen haben gegen diese Menschenrechtsverletzung seit Jahren Partei ergriffen, etwa die UNO, die WHO, die UNICEF und Amnesty International. In betroffenen Ländern haben sich mittlerweile vor allem Frauen zu nationalen Hilfsorganisationen zusammen geschlossen. Die internationale Dachorganisation hat ihren europäischen Sitz in Genf und findet sich dort unter dem Namen Inter-African-Committee on Traditional Practices Affecting the Health of Women and Children (IAC).


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