Zwillinge, Mehrlinge: Alltag mit Zwillingen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (31. Juli 2017)

Der Alltag mit Zwillingen, Drillingen oder mehr gestaltet sich gerade zu Beginn sicherlich schwieriger als mit nur einem Kind oder als mit einem Neugeborenen, das ältere Geschwister hat. Bei Mehrlingen müssen die Bedürfnisse von allen Babys befriedigt werden, und häufig kommt es vor, dass der eine Säugling unruhig wird, wenn Sie den anderen gerade zum Schlafen gebracht haben. Zwillingseltern brauchen daher Unterstützung, am besten aus einem guten sozialen Netzwerk von Freunden und Verwandten. Aber auch Unterstützung von außerhalb kann helfen, sich im Alltag mit Zwillingen zurechtzufinden und eine Routine zu entwickeln.

Zwillinge stillen

Stillen mit Zwillingen ist möglich! Es bedarf nur einiger Übung, die Sie am besten mit einer erfahrenen Stillberaterin bekommen. Suchen Sie daher schon in der Schwangerschaft nach jemandem, der Ihnen nach der Geburt beim Stillen zur Seite steht.

Zu Beginn ist es sinnvoll, wenn Sie sich die Zeit nehmen, die Zwillinge einzeln zu stillen. So können Sie sich ganz einem Baby widmen und das Stillen üben – denn das ist sowohl für Mutter als auch für das Baby nötig. Wenn Sie ein bisschen mehr Routine haben (und keine Sorge, die kommt nach ein paar Tagen), können Sie die Zwillinge gleichzeitig anlegen. Dabei gibt es einige sinnvolle und häufig verwendete Stillpositionen:

  • die Rückenhaltung,
  • die Über-Kreuz-Haltung und
  • die Parallelhaltung

Für die Rückenhaltung liegt der Säugling unter ihrem Arm mit dem Gesicht zur Brust und den Füßen zu Ihrem Rücken hin. So können Sie unter jedem Arm – am besten auf einem langen Stillkissen – jeweils ein Kind bequem halten und an der jeweiligen Brust anlegen.

Die Über-Kreuz-Haltung basiert auf der Wiegehaltung für einzelne Kinder. Ein Baby liegt dabei in der normalen Wiegehaltung: mit dem Körper vor der Mutter, der Kopf zeigt zur Brust, an der gestillt werden soll und wird von Ihrem Unterarm gestützt. Das zweite Baby liegt ebenso, nur hinter dem ersten Baby. Sein Kopf wird von Ihrem anderen Unterarm und gestützt, sein Oberkörper liegt auf den Beinen des ersten Babys auf.

Alternativ können Sie die Parallelhaltung verwenden. Hier schauen beide Babys in die gleiche Richtung: eines liegt in der Rückenhaltung, das andere in der Wiegehaltung.

Probieren Sie mithilfe der Stillberaterin aus, was für Sie am bequemsten ist. Und keine Sorge: Auch für Zwillinge reicht die Milch in der Regel aus! Denn je mehr an einer Brust getrunken wird, desto mehr Milch produziert diese.

Stillpositionen für Zwillinge © iStock

Stillpositionen für Zwillinge

Tragen

Auch Zwillinge können im Tragetuch getragen werden. Natürlich ist das eine größere Belastung für Ihren Rücken, darum sollten Sie unbedingt sicherstellen, die richtige Tragetechnik zu erlernen. Hierfür bieten viele Hebammenpraxen spezielle Kurse an. Neben speziellen Bindetechniken für Tragetücher gibt es auch fertige Tragehilfen speziell für Zwillinge. Lassen Sie sich dafür am besten in einem Fachgeschäft beraten.

Finanzielles & Organisation

Zwillingseltern sollten sich schon in der Schwangerschaft um ein gutes Netzwerk bemühen, damit nach der Geburt alles reibungslos läuft. Stillberatung und Nachsorgehebamme sind da nur ein Teil des Pakets. Vielen Eltern hilft es, sich über Selbsthilfegruppen mit anderen Zwillingseltern auszutauschen. Schwangerschaftsberatungsstellen beraten außerdem kostenlos über Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung und geben Organisationstipps.

Familien, die in eine finanzielle Notlage geraten sind, können spezielle Unterstützung über die Bundesstiftung "Mutter und Kind" beantragen. Es ist außerdem sinnvoll, sich bei Zwillingen, Drillingen und mehr über gesonderte Unterstützung durch das zuständige Bundesland oder die Kommune zu informieren. In einigen Bundesländern und Kommunen gibt es beispielsweise ein sogenanntes Begrüßungsgeld, wenn Sie Drillinge oder mehr bekommen. Auch diverse Vergünstigungen bei Eintrittspreisen, beim Parken etc. sind mit Mehrlingen möglich.

Deutschlandweit gilt: Bei Zwillingsschwangerschaften beginnt der Mutterschutz sechs Wochen vor der Geburt (wie bei Einlingsschwangerschaften auch). Er endet aber erst zwölf anstelle von acht Wochen nach der Geburt.