Schwangerschafts­beschwerden: Zahnbeschwerden

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (27. Mai 2015)

Im Lauf der ersten drei Schwangerschaftsmonate können sich plötzlich spürbare Veränderungen im Mundraum ergeben, die oft recht unangenehm sein können und den Gang zum Zahnarzt unumgänglich machen. Alte Volksweisheiten, wie "Jedes Kind kostet die Mutter einen Zahn" oder "Die Zähne der Schwangeren werden weicher, um den Calziumbedarf des ungeborenen Kindes zu decken", geben die medizinischen Zusammenhänge zwar nicht korrekt wieder, deuten aber darauf hin, dass sich während der Schwangerschaft einiges in der Mundhöhle und an den Zähnen tut.

Aufgrund des veränderten Hormonhaushalts kommt es zu einem gesteigerten Wachstum der Blutgefäße im Bereich des Zahnhalteapparats. Daher treten gehäuft Zahnfleischbluten und, meist in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft, eine Mundschleimhautentzündung, die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis, auf. Es kann neben der Rötung des Zahnfleischs zu Wassereinlagerungen (Ödemen), Mundgeruch und vor allem Schmerzen kommen.

Ab dem dritten Schwangerschaftsmonat treten zum Teil auch Wucherungen des Zahnfleischs in Erscheinung. Hormonelle Faktoren und lokale Reize wie Zahnstein oder Kronenränder rufen diese als Schwangerschaftsepulis bezeichnete Schleimhautwucherung hervor. Sie kann recht schmerzhaft sein und auch stärker bluten.

Ein kariesfreier Mund bleibt hingegen auch in der Schwangerschaft meist kariesfrei. Aber es besteht ein erhöhtes Kariesrisiko, welches vor allem die Ausbreitung von bereits bestehenden kariösen Schäden bedingt. Durch die hormonelle Umstellung erhöhen sich der Säuregehalt und die Menge des Speichels, was die Kariesentwicklung begünstigt.

Behandlung

Eine Zahnfleischentzündung (Gingivitis) während der Schwangerschaft bedarf einer optimalen Mundpflege. Jede schwangere Frau sollte zu Hause konsequent ihr Zahnfleisch massieren und ihre Zähne regelmäßig reinigen. Der Zahnarzt kann sie bei der Mundpflege professionell mithilfe lokaler mechanischer Behandlungen sowie durch Ultraschall unterstützen. Chirurgische Eingriffe sind nicht notwendig, da sich die Schleimhaut nach Ende der Schwangerschaft wieder normalisiert. Bei guter Mitarbeit sind keine bleibenden Schäden zu erwarten. Versuche, die Schleimhautwucherungen während der Schwangerschaft chirurgisch zu entfernen, misslingen meist. Daher sollte auf eine solche Therapie erst nach der Entbindung zurückgegriffen werden. Zum größten Teil ist dies aber nicht notwendig – die Zahnbeschwerden klingen nach der Geburt meist spontan ab.

Vorbeugen

Aufgrund der hormonellen Veränderungen ist es einer Schwangeren kaum möglich, die Schleimhautveränderungen zu vermeiden. Jedoch zeigen klinische Erfahrungen, dass Frauen mit stets einwandfrei gepflegten Zähnen wesentlich weniger beziehungsweise gar nicht mit Zahnproblemen in der Schwangerschaft belastet sind. Folglich ist es ratsam, das Gebiss vor Beginn der Schwangerschaft zu sanieren sowie auf eine gründliche Zahnpflege zu achten. Damit wirkt die Schwangere nicht nur den Bakterien im eigenen Mundraum entgegen, sondern schützt auch das Neugeborene. Denn durch Küssen können die Kariesbakterien der Mutter in den Mundraum des Kindes wandern und dort später Karies verursachen.