Der Mutterpass: Serologische Untersuchungen / Laboruntersuchungen

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (23. August 2017)

Im Mutterpass vor September 2009 "serologische Untersuchungen" genannt, ist die aktuelle Variante "Laboruntersuchungen" für die meisten Schwangeren verständlicher. Der Begriff "serologische Untersuchungen" bezieht sich nur auf Blutuntersuchungen. Mittlerweile zählen aber auch Urintests zu diesem Abschnitt, sodass die Bezeichnung "Laboruntersuchungen" korrekt ist.

Die meisten Laboruntersuchungen sind Bestandteil der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen und werden daher von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Zusätzliche Untersuchungen, wie beispielsweise ein Test auf Toxoplasmose-Antikörper, muss die Schwangere in der Regel aber selbst zahlen.

Mutterpass Seite 2 © Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)

Serologische Untersuchungen

Blutgruppenzugehörigkeit

Im Abschnitt "Blutgruppenzugehörigkeit" werden Ihre Blutgruppe sowie Ihr Rhesusfaktor erfasst. Der Rhesusfaktor spielt in der Schwangerschaft eine wichtige Rolle. Er kann positiv (Rh-pos. (D+)) oder negativ (Rh-neg. (D-)) sein.

  • Ist Ihr Rhesusfaktor positiv, gibt es keine Probleme mit einer Rhesusunverträglichkeit, auch wenn Ihr Kind Rhesus negativ ist.
  • Ist Ihr Rhesusfaktor negativ, kann es zu einer Blutgruppenunverträglichkeit kommen: Bei der Geburt kommt es zu einem Blutaustausch zwischen Ihnen und Ihrem Baby, bei dem Sie Antikörper gegen den fremden Rhesusfaktor im kindlichen Blut entwickeln können. Das ist für das Kind risikofrei – bei nachfolgenden Schwangerschaften kann es aber zu lebensgefährlichen Komplikationen für das neue Kind kommen (Rhesusunverträglichkeit).

Schwangere mit negativem Rhesusfaktor erhalten deshalb zwischen der 28. und 30. Schwangerschaftswoche sowie innerhalb von 72 Stunden nach der Geburt eine sogenannte Rhesusprophylaxe, die verhindert, dass sich körpereigene Antikörper bilden.

Ob bereits eine Rhesusunverträglichkeit besteht, ermittelt der Arzt mithilfe des Antikörpersuchtests.

Antikörpersuchtest

Mithilfe des Antikörpersuchtests testet Ihr Frauenarzt bei der Erstuntersuchung Ihr Blut darauf, ob es Antikörper enthält, die zu einer Blutgruppenunverträglichkeit führen (Rhesusunverträglichkeit). Der Test fällt negativ aus, wenn sich keine Antikörper im Blut finden. Der Arzt wiederholt den Test wischen der 24. und der 27. Schwangerschaftswoche. Ist auch dieser Test negativ, müssen Sie sich keine Sorgen wegen einer möglichen Rhesusunverträglichkeit machen.

Mutterpass Seite 3 © Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)

Laboruntersuchungen

Röteln-Antikörper-Test-Kontrolle

Mit dem Röteln-HAH-Test (HAH = Hämagglutinationshemmung) untersucht Ihr Arzt, ob Sie einen ausreichenden Schutz gegen Röteln haben.

Eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft kann das Baby schwer schädigen und unter Umständen ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch sein – darum ist es wichtig, dass Sie sich möglichst schon bei Kinderwunsch darauf untersuchen lassen, ob Sie bereits Röteln-Antikörper haben oder nicht. Gegebenenfalls können Sie sich vor einer geplanten Schwangerschaft noch gegen Röteln impfen lassen. Außerdem ist es sinnvoll, wenn Sie Ihr Kind nach der Geburt entsprechend der Impfempfehlungen frühzeitig gegen Röteln impfen lassen.

Wenn Sie Röteln als Kind hatten oder dagegen geimpft wurden, sind Sie lebenslang immun. Den ersten aktiven Impfschutz erhalten Kinder in der Regel gemeinsam mit dem Impfstoff gegen Mumps und Masern im Alter von 11 bis 14 Monaten. Die zweite Impfung bekommen Sie dann im Alter von 15 bis 23 Monaten, die Auffrischimpfung im Alter von 5 bis 17 Jahren.

Sind Sie nicht immun gegen Röteln, kann die Impfung nicht während der Schwangerschaft nachgeholt werden. In diesem Fall sollten Sie unbedingt jeden Kontakt zu an Röteln erkrankten Personen meiden.

Nachweis von Chlamydia-trachomatis-Antigen

Im älteren Mutterpass (vor September 2009) heißt es hier: "Nachweis von Chlamydia trachomatis-Antigen", im neueren Mutterpass "Nachweis von Chlamydia-trachomatis-DNA aus einer Urinprobe mittels Nukleinsäure-amplifizierendem Test (NAT)". Noch vor wenigen Jahren machte der Arzt zum Chlamydien-Nachweis einen Abstrich aus dem Gebärmutterhals (Zervix). Mittlerweile ist der Nachweis aber über eine Urinprobe möglich.

Chlamydia trachomatis ist ein Krankheitserreger, der im Gebärmutterhals vorkommen und beim Neugeborenen zu Augen- und Lungenentzündungen führen kann, wenn es bei der Geburt damit in Kontakt kommt und sich infiziert. Ist der Test positiv, muss die Schwangere daher mit Antibiotika behandelt werden.

LSR (Lues-Suchreaktion)

Mithilfe der Lues-Suchreaktion wird ermittelt, ob Syphilis-Erreger im Körper der Mutter vorliegen. Die Lues venera oder Syphilis ist eine Geschlechtskrankheit, die oft unerkannt bleibt, heutzutage aber relativ selten ist.

Etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche kann die Erkrankung über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen. Daher ist es wichtig, Lues rechtzeitig zu erkennen. Ist die Erkrankung aktiv, erhalten Sie Antibiotika. Das Testergebnis wird im Mutterpass nicht festgehalten, hier steht lediglich, ob der Test durchgeführt wurde.

Nachweis von HBs-Antigen aus dem Serum

HBs steht für Hepatitis B surface (engl.: Oberfläche). Spätestens in der 36. Schwangerschaftswoche, für gewöhnlich aber früher, wird der Arzt einen Test auf das HBs-Antigen durchführen und das Ergebnis im Mutterpass festhalten. Die Mutter kann Hepatitis B bei der Geburt auf das Baby übertragen – eine Erkrankung mit Hepatitis B ist für Neugeborene lebensgefährlich. Darum werden Neugeborene, deren Mütter an Hepatitis B erkrankt sind, umgehend nach der Geburt geimpft.

Weitere Blutuntersuchungen

Auf eigenen Wunsch oder auf Anraten des Arztes erfolgen weitere Blutuntersuchungen. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen beispielsweise einen HIV-Test, dessen Ergebnis wie das des Lues-Tests nicht im Mutterpass erfasst wird. Dort steht lediglich, ob der Test gemacht wurde.

Auch eine akute Toxoplasmose während der Schwangerschaft kann das Kind schädigen. Daher kann es unter Umständen sinnvoll sein, zu testen, ob Sie gegen Toxoplasmose immun sind. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie aber nicht gleich jeden Kontakt zu Katzen vermeiden, wie viele denken. Toxoplasmose wird häufiger über rohes Fleisch oder während der Gartenarbeit übertragen. Wenn Sie keine Toxoplasmose-Antikörper haben, achten Sie auf Folgendes:

  • Reinigen Sie die Katzentoilette nicht selber oder nur mit Handschuhen. Reinigen Sie die Toilette mindestens einmal alle 24 Stunden.
  • Waschen Sie sich nach der Verarbeitung von rohem Fleisch gründlich die Hände.
  • Verwenden Sie unterschiedliche Messer und Unterlagen, wenn Sie rohes Fleisch und Obst oder Gemüse schneiden.
  • Tragen Sie zur Gartenarbeit Handschuhe.