Der Mutterpass: Gravidogramm

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (23. August 2017)

Das Gravidogramm ist für Sie vermutlich am interessantesten. "Gravida" bedeutet Schwangerschaft – das Gravidogramm ist eine Übersicht über Ihren Schwangerschaftsverlauf. Hier notiert Ihr Arzt nach jeder Vorsorgeuntersuchung alle relevanten Daten. Sie, Ihr Arzt, Ihre Hebamme, aber auch andere Personen wie beispielsweise klinisches Personal in der Geburtsklinik, haben so einen schnellen Überblick über den gesamten bisherigen Verlauf Ihrer Schwangerschaft. Die meisten Einträge werden in Form von Kürzeln vorgenommen, die für den Laien zunächst oft unverständlich erscheinen:

  • aktuelle Schwangerschaftswoche (SSW)
  • wenn nötig die korrigierte SSW, wenn der Entbindungstermin nachträglich angepasst wurde
  • Fundusstand: Der Fundusstand, also die Lage des oberen Gebärmutterrandes, wird in "S+..." oder "N+/-..." angegeben. "S" steht für Symphyse (Schambeinfuge), "N" für Nabel, also den Bauchnabel. Die folgende Zahl gibt an, wie viele Fingerbreit der Fundus von der Symphyse (S) oder dem Nabel (N) entfernt ist. Zu Beginn der Schwangerschaft liegt der Fundus kurz über der Symphyse (etwa S+2), am Ende unter dem Rippenbogen (Rb, auch das kann im Mutterpass notiert sein).
  • Lage des Kindes: Beckenendlage (BEL), Schädellage (SL), Querlage (QL)
  • Herztöne des Kindes: Der Eintrag "US" bedeutet, dass die Herztöne per Ultraschall erfasst wurden, ein "+" steht für "Herztöne erfasst", "CTG" bedeutet, dass die Herztöne im CTG erfasst wurden.
  • Kindsbewegung: Auch hier bedeutet "+", dass Kindsbewegungen sichtbar bzw. unauffällig waren, "US" steht für Ultraschall. Einige Ärzte machen hier erst Angaben, wenn die Schwangere selber das Kind spüren kann.
  • Ödeme / Varikose: vermerkt, ob bei Ihnen Wassereinlagerungen oder Krampfadern beobachtet wurden
  • Gewicht: Ihr aktuelles Gewicht
  • RR syst. / diast.: Ihre Blutdruckwerte nach dem italienischen Kinderarzt Riva-Rocci. Steigen die Werte über 140 / 90 mmHg, müssen sie besonders beobachtet oder der Bluthochdruck behandelt werden.
  • Hb (Ery): Hb steht für Hämoglobin, Ery für Erythrozyten, also rote Blutkörperchen. Der Hämoglobinwert gibt die Konzentration von Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) im Blut an. Oft sinkt der HB-Wert während der Schwangerschaft stark, weil das Blutvolumen der Schwangeren bis zur Geburt um bis zu 50 Prozent zunimmt – das Blut verdünnt sich gewissermaßen. Um die Sauerstoffversorgung des Babys sicherzustellen, verschreibt der Arzt bei einem sehr niedrigen Wert meist Eisenpräparate.
  • Sediment (Eiweiß, Zucker, ...): Hier werden die Ergebnisse des Urintests notiert, der bei jeder Vorsorgeuntersuchung durchgeführt wird. Eiweiß, Zucker, Nitrit oder Blut im Urin können Anzeichen für Erkrankungen wie Schwangerschaftsdiabetes, Nierenprobleme oder Blasenentzündungen sein.
  • Vaginale Untersuchung: Nicht jede Vorsorgeuntersuchung erfordert eine vaginale Untersuchung. Einige Ärzte machen diese standardmäßig und notieren die Ergebnisse in diesem Feld. Die Untersuchung ist aber nicht zwingend notwendig, wenn es keine wichtigen Gründe (wie den Verdacht auf einen eröffneten Muttermund oder Ähnliches) gibt. Sie können Ihrem Arzt daher sagen, ob Ihnen die vaginale Untersuchung wichtig ist oder Sie lieber darauf verzichten möchten.
  • Risiko-Nr. nach Katalog-B: Hier wird Ihr Arzt nur dann einen Eintrag vornehmen, wenn sich im Verlauf der Schwangerschaft Komplikationen ergeben, die unter "Besondere Befunde ..." aufgezählt sind.
  • Sonstiges / Therapie / Maßnahmen: Hier kann Ihr Arzt alles Weitere notieren, was ihm wichtig erscheint. Häufig sind das die Länge des Gebärmutterhalses (als "Cx." abgekürzt), Größe und Gewicht des Babys, eventuell verschriebene Medikamente usw.
Mutterpass Seite 7 und 8 © Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)

Gravidogramm