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Infektionen in der Schwangerschaft

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (24. Januar 2011)

Infektionen mit Viren

Röteln

Die bekannteste Virusinfektion, die während der Schwangerschaft zu einer Schädigung des Kindes führen kann, ist die Rötelninfektion. Die klassische Rötelnembryopathie (eine vielfältige Organschädigung, die zu einer Fehl- oder Frühgeburt führen kann) kann bei einer Infektion des Kindes bis zur 16. SSW, selten auch bis zur 20. SSW auftreten. Die Häufigkeit von Fehlbildungen hängt vom Zeitpunkt der Rötelninfektion ab, wobei das Risiko für Schädigungen mit zunehmender Schwangerschaftsdauer abnimmt.

Voraussetzung für eine Infektion des Kindes ist eine frische Rötelninfektion der Mutter zu Beginn der Schwangerschaft. Das Rötelnvirus schädigt die embryonalen Zellen und führt so zu schweren, bleibenden Fehlbildungen innerer Organe. Die typischen Symptome sind Herzfehlbildungen, Augendefekte und Hörschäden. Treten gleichzeitig eine geistige Verlangsamung, Leber- und Milzvergrößerung, ein niedriges Geburtsgewicht sowie Skelettveränderungen auf, spricht man vom erweiterten Rubella-Syndrom. Um dieser schwerwiegenden Erkrankung vorzubeugen, wird jede Schwangere auf Rötelnantikörper untersucht. Ist der Antikörpertiter hoch genug, besteht ein aktiver Rötelnschutz, das heißt, eine erneute Impfung mit Röteln ist nicht nötig.

Die meisten Menschen infizieren sich bereits im Kindesalter mit Röteln, ohne Beschwerden zu bemerken. Daher ist es sinnvoll, Mädchen mit Eintritt in die Pubertät auf Röteln-Antikörper zu untersuchen. Ist das Ergebnis positiv, wurde die Erkrankung bereits durchgemacht. Ist das Ergebnis negativ, sollte eine Röteln-Impfung erfolgen, um mögliche spätere Schwangerschaften nicht unnötig zu gefährden. Spätestens bei bestehendem Kinderwunsch ist es sinnvoll, einen solchen Test durchführen zu lassen.

Wenn sich trotz aller Bemühungen und Vorsicht eine Schwangere mit dem Rötelnvirus infiziert, hängt die weitere Vorgehensweise von der Schwangerschaftswoche ab. Bis zur 16. SSW ist ein Schwangerschaftsabbruch ernsthaft zu erwägen, da das Schädigungsrisiko für das Kind sehr hoch ist. Wird die Schwangerschaft fortgeführt, kann der Verlauf der Infektion abgemildert werden, wenn innerhalb von sieben Tagen Rötelnimmunglobulin gegeben wird. Ab der 22. SSW ist nicht mehr mit bleibenden Schäden beim Kind zu rechnen.

Ringelröteln

Ringelröteln werden durch das Parvovirus B19 übertragen. Ein Großteil der Bevölkerung infiziert sich als Kind mit dem Virus und macht die Infektion meist beschwerdefrei durch oder leidet unter erkältungsähnlichen Symptomen. Ringelröteln sind ungefährlich für Kinder und Erwachsene. Eine Übertragung auf das ungeborene Kind während der Schwangerschaft ist möglich und kann in wenigen Fällen (5-10%), besonders in der ersten Schwangerschaftshälfte, schwere Schäden zur Folge haben. Durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft kann eine Infektion mit Ringelröteln rechtzeitig erkannt und behandelt werden.

Die Behandlung einer Infektion mit Ringelröteln beim Ungeborenen erfolgt über eine sogenannte intrauterine Austauschtransfusion. Dabei tauscht der Arzt von außen – über eine Punktion der Nabelschnurgefäße durch die Bauchdecke der Mutter – das Blut des Kindes mithilfe einer Bluttransfusion aus.

Herpes

Eine weitere Gefährdung des Neugeborenen durch Viren besteht in einer Erstinfektion der Mutter mit Herpesviren im Genitalbereich (Herpes genitalis). Eine Erstinfektion mit Herpesviren erfolgt bei den meisten Menschen (ca. 85%) bereits im Kindes- oder Jugendalter – flammt eine solche Infektion in der Schwangerschaft erneut auf, ist die Gefahr für das Baby wesentlich geringer als bei einer Erstinfektion. Dennoch müssen Mutter und Kind in diesem Fall ärztlich überwacht werden.

Für eine wieder aufflammende Infektion gilt: Selten infiziert sich das Kind bereits während der Schwangerschaft, und auch während der Geburt werden die Viren eher selten übertragen.

Bei einer Erstinfektion liegt das Risiko wesentlich höher: Unter der Geburt infiziert sich jedes zweite Kind. Die Infektion kann schwere Folgen haben und auch tödlich verlaufen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich die Infektion schon während der Schwangerschaft behandeln. Zusätzlich wird das Kind zur Sicherheit per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

Hepatitis

Während der Schwangerschaft ist das ungeborene Kind selten durch Hepatitis-Viren gefährdet. Es kann sich lediglich mit Hepatitis B infizieren. Die Infektion verläuft in der Regel aber unbedenklich, da es von der Mutter Antikörper erhält. Infizierte Kinder können die Erkrankung jedoch auf andere übertragen, daher untersucht man Schwangere routinemäßig auf eine aktive Hepatitis B. Infizierte Kinder erhalten dann gleich nach der Geburt eine Impfung.

HIV

Ist die Mutter HIV positiv, kann das HI-Virus (HIV) bei der Geburt von der Mutter auf das Kind übergehen. Ist HIV bei der Schwangeren bekannt, gibt es jedoch Methoden, mit der sich die Übertragung vermeiden lässt. Ein HIV-Test gehört nicht zu den regulären Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft; wenn Sie einen Test machen lassen möchten, übernehmen diesen jedoch die gesetzlichen Krankenkassen. Bei positivem Ergebnis besprechen Sie die weiteren Schritte bitte mit Ihrem Arzt.

Zytomegalie

Zytomegalie wird von bestimmten Herpesviren (den Zytomegalie-Viren, CMV) übertragen. Eine Erstinfektion in der Schwangerschaft ist selten, etwa die Hälfte aller Schwangeren trägt das Virus bereits in sich. Das Risiko, die bestehende Erkrankung auf das ungeborene Kind zu übertragen, ist sehr gering. Das höchste Risiko für das Kind, sich anzustecken, besteht bei einer Erstinfektion der Mutter im ersten oder zweiten Trimester. Die Zytomegalie kann während der Schwangerschaft über die Plazenta, während der Geburt oder später über die Muttermilch (besonders bei Frühchen) auf das Kind übertragen werden.

Infiziert sich das Ungeborene trotz allem mit Zytomegalie, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit gesund zur Welt kommen und ist dann lediglich potenzieller Überträger des Virus. In seltenen Fällen können geistige und motorische Entwicklungsstörungen die Folge sein.

Beim Kind lässt sich Zytomegalie über eine Chorionzottenbiopsie oder eine Fruchtwasseruntersuchung nachweisen, bei der Mutter über den Urin oder den Speichel. Ein Test auf Zytomegalie gehört nicht zu den üblichen Tests im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, kann aber auf eigenen Wunsch oder bei Verdacht durchgeführt werden. Für Schwangere ist es deshalb sinnvoll, einer Zytomegalie-Infektion vorzubeugen, indem sie besonders auf Hygiene achten, vor allem, wenn sie bei ihrer Arbeit mit den Ausscheidungen von kleinen Kindern in Kontakt kommen (z.B. Erzieherinnen).

Zytomegalie kann, auch in der Schwangerschaft, mit dem virenhemmenden Wirkstoff Ganciclovir behandelt werden. Diese Therapie wird aber nicht bei einer Erstinfektion empfohlen und auch nicht für das ungeborene Kind. Daher ist es besonders wichtig, dass Schwangere entsprechend vorbeugen.







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