Infektionen in der Schwangerschaft: Infektionen mit Bakterien

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (29. Juli 2014)

Infektionen mit Bakterien werden meist erst bei der Geburt auf das Kind übertragen. Je nach Erreger können sie aber auch dann noch schwerwiegende Folgen für das Neugeborene haben. Einige bakterielle Infektionen (Listeriose, Toxoplasmose, ...) können Sie vermeiden, indem Sie sorgsam mit rohen Lebensmitteln umgehen und bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen. Nehmen Sie außerdem die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen bei wahr: Wenn Sie eine bakterielle Infektion haben, kann diese gewöhnlich auch in der Schwangerschaft mit Antibiotika behandelt werden. So vermeiden Sie Spätfolgen für Ihr Kind.

Listeriose

Einer Infektion mit sogenannten Listerien, den Erregern der Listeriose, können Sie relativ einfach vorbeugen, indem Sie in der Schwangerschaft auf bestimmte Lebensmittel verzichten.

Rohmilchprodukte sollten in der Schwangerschaft nicht auf Ihrer Ernährungsliste stehen. Auch andere rohe tierische Erzeugnisse, wie rohes Fleisch oder roher Fisch, sollten Sie jetzt nicht verzehren. Verzichten Sie außerdem auf vorgeschnittene Blattsalate und achten Sie darauf, sich gründlich die Hände zu waschen, wenn Sie rohes Fleisch oder rohen Fisch verarbeitet haben. Verwenden Sie unterschiedliche Schneidebretter und Messer für rohe Tierprodukte und andere Lebensmittel.

Wenn Sie diese Regeln beachten, ist die Gefahr einer Listeriose-Infektion äußerst gering. Und keine Sorge: Eine gesunde und schmackhafte Ernährung in der Schwangerschaft ist trotz einiger weniger Einschränkungen möglich.

Eine Listeriose kann auf unterschiedlichem Weg von der Mutter auf das Kind übertragen werden:

  • während der Schwangerschaft über die Plazenta,
  • während der Geburt oder
  • nach der Geburt über engen Kontakt zwischen Mutter und Kind.

Die Erkrankung verläuft bei der Schwangeren oft beschwerdefrei oder mit grippeähnlichen Symptomen. Für das ungeborene Kind ist die Infektion aber äußerst gefährlich und kann schwere Spätfolgen (wie beispielsweise eine Meningitis) nach sich ziehen. Eine Listeriose kann mit Antibiotika behandelt werden, sowohl während der Schwangerschaft als auch beim Neugeborenen.

Chlamydien

Chlamydien gehören zu den häufigsten Erregern von Infektionen der Geschlechtsorgane und der Harnwege und werden durch Geschlechtsverkehr übertragen. In vielen Fällen verläuft eine Infektion mit Chlamydien beschwerdefrei, sie kann aber zu Frühgeburten und Fehlgeburten führen und Ursache für häufige Blasenentzündungen sein.

Während der Schwangerschaft werden Chlamydien nur selten über die Plazenta auf das Kind übertragen. Häufiger infiziert sich das Baby während der Geburt. In der Folge können Augen- und Lungenentzündungen beim Neugeborenen auftreten.

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wird der Urin der werdenden Mutter regelmäßig auf Chlamydien untersucht. Liegt eine Infektion vor, kann die Schwangere in Absprache mit dem Arzt Antibiotika einnehmen. Wenn Sie zusätzlich auf Nummer sicher gehen möchten, verwenden Sie während der Schwangerschaft Kondome beim Sex.

Syphilis (Lues)

Eine der gefährlichsten bakteriellen Erkrankungen, die während der Schwangerschaft von der Mutter auf das Kind übergehen können, ist die Syphilis (Lues).

Infiziert sich das Ungeborene, zeigt es erst nach der Geburt Symptome. Dabei unterscheidet man zwischen der sogenannten Frühsyphilis (Lues connata praecox) und der Spätsyphilis (Lues connata tarda). Die Frühsyphilis tritt bereits bei Neugeborenen und Säuglingen auf. Bei der Spätsyphilis zeigen sich die Symptome erst zwischen dem 3. und 14. Lebensjahr.

Die Folgen einer Syphilis bei Säuglingen und Kindern sind vielfältig und schwerwiegend – daher wird in Deutschland vorbeugend jede Schwangere im Rahmen der Schwangerenvorsorge auf eine Syphiliserkrankung untersucht (sog. LSR-Test oder Lues-Such-Reaktion) und erhält im Falle einer Infektion Antibiotika.

Gonorrhö (Tripper)

Auch die Gonorrhö (Tripper) wird durch sexuellen Kontakt übertragen und kann von der Mutter an das Kind weitergegeben werden. Der Erreger, Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken), geht während der Geburt von der Genitalregion der infizierten Gebärenden auf das Kind über. Das Baby kann durch die Gonokokken in der Folge eine Bindehautentzündung bekommen, die unbehandelt in kürzester Zeit zur Erblindung führt. Vorbeugend träufelte man deshalb lange Zeit jedem Neugeborenen je einen Tropfen einprozentige Silbernitratlösung in den Bindehautsack beider Augen (Credé-Prophylaxe), was jedoch umstritten und schmerzhaft war. Seit 1992 ist die Credé-Prophylaxe nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben.

Neugeborene infizieren sich heutzutage äußerst selten mit Gonorrhö, da die Schwangere im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig auf eine Infektion mit Neisseria gonorrhoeae untersucht wird und bei Bedarf das Antibiotikum Penicillin erhält. Darum nehmen Ärzte die Credé-Prophylaxe heute auch nur noch selten vor. Alternativ dazu verwenden sie heutzutage eine PVP-Jod-Lösung oder antibiotische Augentropfen.