HCG, HCG-Wert: Rund ums Schwangerschafts­hormon

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. Februar 2013)

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HCG ist ein wichtiges Hormon, das die Schwangerschaft aufrechterhält. Der HCG-Wert wird während der Schwangerschaft kontrolliert – er erreicht im ersten Drittel sein Maximum. HCG spielt auch für Schwangerschaftstests eine Rolle: Sie beruhen darauf, HCG im Urin nachzuweisen. Die Abkürzung HCG steht für "humanes Choriongonadotropin".

Unabhängig von der Schwangerschaft kennen manche HCG aus dem Zusammenhang mit der HCG-Tropfen-Diät. Hierbei handelt es sich um eine wissenschaftlich fragwürdige, nicht zu empfehlende Methode, um abzunehmen.

Zu therapeutischen Zwecken verschreiben Ärzte HCG mitunter, um eine Unfruchtbarkeit zu behandeln. HCG lässt die weiblichen Eizellen reifen und unterstützt den Eisprung.

Wie entsteht HCG? Etwa eine Woche nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle in der Gebärmutter ein, die Keimblase entsteht. Hierbei handelt es sich um Gewebe, aus dem sich später das Kind und die Plazenta entwickeln. Ein spezieller Teil der Keimblase stellt HCG her – der Embryo signalisiert dem Körper der werdenden Mutter auf diese Weise gewissermaßen, dass er existiert.

HCG sorgt dafür, dass im Eierstock der Gelbkörper (Corpus luteum) erhalten bleibt. Der Gelbkörper produziert ein Hormon namens Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut für die Schwangerschaft stabilisiert. Etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) kann die Plazenta selbst genug Progesteron bilden, sodass die Bedeutung des Gelbkörpers und des HCG abnimmt.

HCG zählt zu den Peptidhormonen und besteht aus zwei Untereinheiten:

  • einer Alpha-Untereinheit und
  • einer Beta-Untereinheit (sog. Beta-HCG).
Das Bild zeigt eine Frau, die auf einen Schwangerschaftstest schaut. © Jupiterimages/Stockbyte

Schwangerschaftstests können HCG im Urin nachweisen.

Die gängigen Schwangerschaftstests aus der Drogerie oder Apotheke enthalten Antikörper, die mit Beta-HCG reagieren. Die frei verkäuflichen Urintests sind auf verschiedene Empfindlichkeiten eingestellt, dabei gilt: Je empfindlicher der Test, desto früher kann er eine Schwangerschaft nachweisen. Die empfindlichsten Tests können bereits vor der erwarteten Regelblutung HCG nachweisen, ungefähr zehn Tage nach der Empfängnis.

Im Blut lässt sich HCG etwa acht Tage nach der Befruchtung nachweisen. Fragen Sie hierzu Ihren Frauenarzt.

Ergebnis des Bluttests:

  • nicht-schwanger: unter 5 internationale Einheiten pro Liter (IE/l)
  • schwanger: über 20 IE/l (hängt vom Test ab)

HCG-Wert

Vor allem zu Beginn der Schwangerschaft kommen manche Frauen immer wieder mit dem HCG-Wert in Kontakt. Der Arzt misst ihn, da Höhe und Entwicklung des HCG-Wertes zusätzlich zu anderen Untersuchungen wichtige Hinweise liefern können, ob die Schwangerschaft normal verläuft.

  • In den ersten Wochen der Schwangerschaft steigt die Konzentration von HCG.
  • Der HCG-Wert verdoppelt sich circa ab der 7. SSW etwa alle zwei bis drei Tage – gemessen nach Ausbleiben der Regel.
  • Der höchste HCG-Wert findet sich im Blut etwa in der 10. bis 12. SSW oder grob zwischen dem 60. und 90. Tag der Schwangerschaft.
  • Der HCG-Wert liegt dann bei circa 50.000 bis 100.000 IE/l Blut.
  • Danach fällt der HCG-Wert bis zur 20. SSW kontinuierlich auf Werte um 1.000 bis 20.000 IE/l, die dann bis zur Geburt des Kindes konstant bleiben.

Bestimmte Befunde können auf eine gestörte Schwangerschaft hinweisen:

  • Der HCG-Wert im Serum ist für den Zeitpunkt der Schwangerschaft zu niedrig.
  • Der HCG-Wert steigt zwischen zwei Untersuchungen im Abstand von wenigstens 3 bis 5 Tagen unzureichend oder gar nicht.

Erniedrigter HCG-Wert

Ist der HCG-Wert zu niedrig oder steigt er zu langsam, kommen unter anderem folgende Ursachen in Betracht:

  • falsche Berechnung der aktuellen SSW (Schwangerschaftsalter)
  • sog. EUG (Extrauteringravidität)
  • drohende Frühgeburt oder drohende Fehlgeburt

Bei einer EUG handelt es sich um eine Form der Schwangerschaft, bei der sich eine befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutter einnistet. In der Ultraschalluntersuchung durch die Scheide lässt sich im Falle einer EUG kein Fruchtsack in der Gebärmutter nachweisen.

Erhöhter HCG-Wert

Ein erhöhter HCG-Wert findet sich bei Mehrlingsschwangerschaften (z.B. Zwillinge), aber auch bei gutartigen oder bösartigen Erkrankungen der Keimblase. Sie gehen meist mit stark bis sehr stark erhöhten HCG-Werten einher. Hierzu zählen:

  • die Blasenmole, eine Entwicklungsstörung der Plazenta (je nach Größe wiederholt HCG-Werte um 500.000 bis 1 Million IE/l),
  • bösartige Tumoren, die sich aus der Zellmembran der Keimblase entwickeln (Chorionkarzinome) sowie
  • Tumoren, die HCG bilden.
Das Bild zeigt eine schwangere Frau, die auf der Couch sitzt und Obst isst. © Jupiterimages/iStockphoto

HCG gilt als das Schwangerschaftshormon!

HCG-Wert und Ersttrimesterscreening

Beim sogenannten Ersttrimesterscreening handelt es sich um eine Untersuchung, die zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche stattfindet. Das Screening dient dazu, das individuelle Risiko der Mutter zu bestimmen, ob bei dem Kind Abweichungen an den Chromosomen bestehen.

Die Chromosomen tragen die Erbinformationen und können zum Beispiel strukturell verändert sein oder in falscher Anzahl vorliegen. Zusammengefasst sprechen Ärzte in solchen Fällen von Chromosomenaberrationen. Hierzu zählt beispielsweise das Down-Syndrom, bei dem das Chromosom Nummer 21 drei- statt zweifach vorliegt – daher auch der fachliche Name Trisomie 21. Weitere Beispiele sind die Trisomie 13 und die Trisomie 18.

Mithilfe statistischer Tests lässt sich das Risiko anhand zweier Blutwerte, einer Ultraschalluntersuchung und dem Alter der Schwangeren berechnen. Das Ersttrimesterscreening umfasst folgende Untersuchungen:

  • Blutwerte
    • freies Beta-HCG
    • PAPP-A (ein schwangerschaftsspezifisches Eiweiß)
  • im Ultraschall gemessene sog. Nackentransparenz (NT) des Fetus

Die Kombination aus erhöhtem HCG-Wert und erniedrigtem PAPP-A-Wert kann auf ein erhöhtes Risiko für eine Trisomie 21 hinweisen.

Wichtig: Das Testergebnis kann in manchen Fällen auf eine Chromosomenaberration hinweisen, obwohl das Kind völlig gesund ist. Die Tests allein können nie ein sicheres Ergebnis liefern! In Zweifelsfällen und wenn das Risiko stark erhöht ist, kann sich die Mutter überlegen, ob sie ihr Fruchtwasser untersuchen lassen möchte (sog. Amniozentese). Eine Fruchtwasseruntersuchung liefert eine sichere Aussage, geht aber mit einem gewissen Risiko einher. Bei erfahrenen Untersuchern ist es allerdings sehr gering.

HCG-Wert und Triple-Test

Der Dreifach- oder Triple-Test galt früher als wichtigster Risikotest. Er wird inzwischen immer häufiger vom Ersttrimester-Screening abgelöst. Der Triple-Test erfolgt um die 16. SSW, ist aber umstritten, da er zu oft ein erhöhtes Risiko ausweist, obwohl das Kind gesund ist (sog. falsch-positives Ergebnis).

Beim Triple-Test bestimmt der Arzt

  • den HCG-Wert (freies Beta-HCG),
  • das Eiweiß Alphafetoprotein und
  • Estriol, ein weibliches Sexualhormon.

Für das Vorliegen eines Down-Syndroms (Trisomie 21) spricht, wenn der HCG-Wert erhöht und gleichzeitig das Alphafetoprotein und das Estriol vermindert sind. Es kommt dabei aber auf die Zahlenwerte und nicht allein die Tendenz an!

Hintergrund: Normalerweise fällt der HCG-Wert im Verlauf der Schwangerschaft – im Falle einer Trisomie 21 ist der Wert jedoch höher als in nicht betroffenen Schwangerschaften.