Fehlgeburt (Abort): Definition

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (18. August 2016)

Von einer Fehlgeburt (Abort) spricht man, wenn die Schwangerschaft vor Ende der 22. bis 24. Schwangerschaftswoche (SSW) abbricht, das Kind keine Lebenszeichen wie Atmung, Herzschlag oder Nabelschnurpuls zeigt und unter 500 Gramm wiegt.

Wird das Kind zwischen der 24. SSW und der 35. SSW lebend geboren, spricht man von einer Frühgeburt.

Wird das Kind nach der 24. Schwangerschaftswoche tot geboren, spricht man von einer Totgeburt.

Als sogenanntes Windei wird eine Schwangerschaft bezeichnet, in der sich kein Embryo ausbildet. Die befruchtete Eizelle nistet sich ein, Fruchthöhle und Plazenta bilden sich, aber die Zellen, aus denen der Embryo entstehen sollte, entwickeln sich nicht oder nur unvollständig weiter. Im Ultraschall ist dann nur die leere Fruchthöhle zu sehen. 50 bis 90 Prozent der Fehlgeburten im 2. Schwangerschaftsmonat können auf ein Windei zurückgeführt werden.

Einteilung

Eine Fehlgeburt (Abort) kann nach verschiedenen Gesichtspunkten eingeteilt werden.

Nach der Ursache:

  • Spontanabort: Fehlgeburt aufgrund natürlicher Ursachen (z.B. genetische Defekte, Zervixinsuffizienz der Mutter, ...)
  • Künstlicher (artifizieller) Abort: Fehlgeburt durch Medikamente, Chemikalien oder andere äußere Einwirkungen; hierzu zählt beispielsweise auch eine Abtreibung

Nach dem Zeitpunkt des Auftretens:

  • Frühestabort: Der Frühestabort tritt meist infolge genetischer Schäden noch vor der Einnistung oder kurz danach auf und fällt zeitlich etwa mit der erwarteten Menstruation zusammen. Die Blutungsstärke entspricht häufig der einer normalen Regelblutung. Viele Frauen, die über eine verspätete Regelblutung berichten, hatten vermutlich tatsächlich einen Frühestabort.
  • Frühabort: Als Frühabort wird eine Fehlgeburt vor der 13. Schwangerschaftswoche bezeichnet.
  • Spätabort: Bei einer Fehlgeburt ab der 13. SSW handelt es sich um einen Spätabort.

Nach der Körpertemperatur der Mutter zum Zeitpunkt der Fehlgeburt:

  • afebriler Abort: unfiebrige Fehlgeburt, Temperatur bis 37,9°C
  • febriler Abort:
    • leichte Verlaufsform: fieberhafte Fehlgeburt, Temperatur zwischen 38° und 39°C
    • schwere Verlaufsform: septischer Abort (mit Blutvergiftung einhergehende Fehlgeburt), Temperatur über 39°C, Schüttelfrost

Nach Verlauf und Stadium werden folgende Formen einer Fehlgeburt unterschieden:

  • Ein Abortus imminens, also eine drohende Fehlgeburt, liegt vor, wenn zwar eine Blutung auftritt, die Schwangerschaft aber noch intakt ist. Häufig kann durch eine umgehende Therapie die Schwangerschaft erhalten werden.
  • Beim Abortus incipiens, der beginnenden Fehlgeburt, hat die Wehentätigkeit eingesetzt oder die Fruchtblase ist gesprungen. Dieser Verlauf ist nicht mehr aufzuhalten.
  • Kommt eine Fehlgeburt zum Stillstand, spricht man von einem Abortus incompletus, (unvollständige Fehlgeburt). In diesem Fall wird die Fehlgeburt in der Klinik beendet.
  • Bei einer vollständigen Fehlgeburt und einem Stillstand der Blutung spricht man von einem Abortus completus.
  • Eine Sonderform der Fehlgeburt ist die Missed abortion (verhaltener Abort). Es handelt sich dabei um einen frühen Tod des Embryos ohne Blutungen oder Wehentätigkeit.
  • Der septische Abort oder Abortus febrilis, also eine Fehlgeburt, die mit einer Blutvergiftung und schwerem Fieber einhergeht, ist auch für die Mutter gefährlich.
  • Als habitueller Abort, also als wiederholte Fehlgeburt, wird eine Fehlgeburt bezeichnet, wenn ihr bereits zwei oder mehr Fehlgeburten vorausgehen.

Häufigkeit

Fehlgeburten kommen häufig vor, in den meisten Fällen jedoch in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft, oft von den Frauen unbemerkt. Bei Frauen unter 30 Jahren sterben Schätzungen zufolge 40 bis 70 Prozent der befruchteten Eizellen ab (bei über 30-Jährigen liegt dieser Wert noch höher), ohne dass die Schwangerschaft festgestellt wurde, viele bereits, bevor sie sich in der Gebärmutter einnisten konnten.

Das Risiko, dass eine bereits festgestellte Schwangerschaft in einer Fehlgeburt endet, liegt bei 11 bis 15 Prozent.

Die meisten Fehlgeburten (75%) treten im ersten Drittel der Schwangerschaft (1. Trimester) auf. Da jedoch sehr frühe Fehlgeburten oft unbemerkt bleiben, kann die tatsächliche Anzahl nur geschätzt werden. Viele frühe Fehlgeburten werden von den Frauen als verspätete Menstruationsblutung wahrgenommen.

40 bis 70 Prozent der Fehlgeburten geschehen aufgrund chromosomaler Fehlbildungen beim Embryo.