Contergan: Die Contergan-Katastrophe

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. März 2014)

Das Schlafmittel Contergan führte zu einem der schwerwiegendsten Arzneimittelskandale der Bundesrepublik Deutschland. Dies betrifft zum einen den Schweregrad der Schädigung und die Anzahl der Opfer und zum anderen die Art der Bewältigung dieses Vorgangs. Die Contergan-Katastrophe ist ein tragisches Beispiel für die damals unzulängliche Arzneimittelsicherheit.

Unter anderem war sie der Anlass für die Verabschiedung des deutschen Arzneimittelgesetzes, das mittlerweile einen weltweit führenden Standard für die Arzneimittelsicherheit in der Bundesrepublik Deutschland garantiert.

Der Umfang der Katastrophe ist unter anderem deshalb so groß, weil es Jahre dauerte, bis öffentlich anerkannt wurde, dass die plötzlich gehäuften Fälle von missgebildeten Neugeborenen mit dem Arzneimittel Contergan in Verbindung standen. Es verging wertvolle Zeit, in der weiterhin ahnungslose schwangere Frauen bei Schlafstörungen und Morgenübelkeit Contergan einnahmen.

Der Kampf um die Anerkennung der arzneimittelbedingten Schäden der Kinder durch Contergan dauerte sehr lange. Zwischen 1967 und 1970 fand ein Mammutprozess um Entschädigungszahlungen an die Betroffenen statt, der im Dezember 1970 von der Staatsanwaltschaft mit einem Vergleich eingestellt wurde. Die Verantwortlichen der Herstellerfirma Grünenthal GmbH wurden strafrechtlich nicht belangt. Erst im Jahr 1972 wurde von der Bundesrepublik Deutschland und der Grünenthal GmbH die Stiftung "Hilfswerk für behinderte Kinder" (später "Conterganstiftung für behinderte Menschen") mit einem Kapital von 100 Millionen DM aus Bundesgeldern und weiteren 100 Millionen DM von der Grünenthal GmbH gegründet. Die Bundesgelder wurden mehrfach aufgestockt, außerdem zahlte die Grünenthal GmbH 2009 weitere 50 Millionen Euro ein.

Weltweit werden etwa 2.700 Betroffen von der Stiftung betreut und erhalten von dieser jährliche Sonderzahlungen, eine einmalige Entschädigung sowie eine monatliche Rente, die sich an den gesetzlichen Renten orientiert. Seit 2013 können Betroffene außerdem speziellen Bedarf anmelden.