Contergan: Das Arzneimittel Contergan und seine Folgen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. März 2014)

Das Arzneimittel Contergan enthielt den Wirkstoff Thalidomid. Thalidomid wurde 1956 von dem Chemiker Dr. Heinrich Mückler entwickelt und im Oktober 1957 durch die Firma Grünenthal GmbH in Stollberg bei Aachen als Schlaf- und Beruhigungsmittel in den Handel gebracht. Im November 1961 wurde Contergan, nach Bekanntwerden der schwerwiegenden Nebenwirkungen, vom Markt genommen.

Contergan galt als besonders sicher. Zu der damaligen Zeit waren viele Schlafmittel im Handel, die bei Überdosierungen ein hohes Risiko für eine Vergiftung beinhalteten. Die tödliche Dosis von Contergan war so hoch, dass es beispielsweise praktisch unmöglich war, mit diesem Arzneimittel Selbstmord zu begehen. Dass ungeborene Kinder durch die Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft möglicherweise geschädigt werden können, wurde zu der damaligen Zeit noch nicht ausreichend bedacht.

Contergan durchdringt die Plazentaschranke (es ist "plazentagängig"), gelangt damit in den Blutkreislauf des Embryos und beeinflusst die Organentwicklung negativ. Wurde Contergan in der frühen Schwangerschaft eingenommen, also etwa in der 4. bis 6. Schwangerschaftswoche, führte es zu Fehlbildungen der Gliedmaßen, fehlenden Ohrmuscheln und Schäden an den inneren Organen.

Viele Contergan-Geschädigte sind lebenslang auf eine zeit- und personalaufwändige Pflege angewiesen. Die Betreuung dieser Menschen besteht vor allem darin, die degenerativen Veränderungen an den Gelenken und der Wirbelsäule zu behandeln. Außerdem ist häufig eine Schmerzbehandlung vor allem der Schulter, der Ellenbogen oder der Hüfte erforderlich.