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12. SSW (Schwangerschafts­woche)

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (19. Januar 2017)

© iStock

Mit der 12. Schwangerschaftswoche (SSW) enden sowohl der 3. Schwangerschaftsmonat als auch das 1. Drittel der Schwangerschaft  – und damit die kritische Zeit: Das Risiko einer Fehlgeburt sinkt nun stark. Der Embryo ist jetzt etwa fünf Zentimeter lang (Scheitel-Steiß-Länge = SSL).

Die ersten 12 Wochen der Schwangerschaft werden auch als die sogenannte kritische Phase bezeichnet. In dieser Zeit muss sich Ihr Körper auf die hormonellen Veränderungen einstellen. Beim Baby entwickeln sich lebenswichtige Strukturen wie Nervenbahnen und Organe. Alle negativen Einflüsse in diesen Wochen können sich schwerwiegend auf die Schwangerschaft (z.B. in Form einer Fehlgeburt) sowie die weitere Entwicklung des Babys (z.B. in Form von Missbildungen) auswirken. Zu diesen Einflüssen zählt beispielsweise:

  • falsches Verhalten seitens der Schwangeren, wie der Konsum von Alkohol, Zigaretten oder Drogen,
  • Infektionen wie etwa Listeriose oder Toxoplasmose,
  • erbliche Vorbelastungen,
  • Fehlbildungen, die während der Zellteilung aufgetreten sind,
  • Gelbkörperhormonschwäche der werdenden Mutter
  • u.a. 

Ab dem 2. Trimester hat sich die Schwangerschaft so weit eingespielt, dass der Körper sich an die Hormonumstellung gewöhnt hat, und die wichtigsten Entwicklungsschritte des Fötus sind abgeschlossen. Ab jetzt kann weniger passieren – wobei Sie weiterhin ein paar Regeln beachten sollten (z.B. auf bestimmte Lebensmittel verzichten, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Drogen usw.). Viele Frauen warten aus diesen Gründen etwa bis zum Ende der 12. SSW, bevor sie ihrem Umfeld von der Schwangerschaft erzählen.

Zwischen Beginn der 9. SSW und Ende der 12. SSW ist die erste große Vorsorgeuntersuchung inklusive Ultraschall vorgesehen. Dabei sind folgende Untersuchungen und Daten wichtig:

  • mütterliches Gewicht und Blutdruck
  • Urinuntersuchung (Eiweiß, Zucker, Keime)
  • Hämoglobingehalt (gibt Hinweis auf den Eisengehalt)
  • Lage der Gebärmutter (Fundusstand: wird ermittelt über den Abstand von oberem Gebärmutterrand (über die Bauchdecke durch Tasten feststellbar) zum Bauchnabel)
  • Ultraschall:
    • Scheitel-Steiß-Länge (SSL)
      •    alternativ zur SSL: Biparietaler Durchmesser (BPD – Abstand von Schläfe zu Schläfe)
    • Lage, Bewegungen und Herzaktivität des Babys
    • Feststellung der Einlings- oder Mehrlingsschwangerschaft
    • Entwicklung von Gehirn, Organen und Gliedmaßen

Die Untersuchung umfasst außerdem eine ausführliche Beratung entsprechend dem Schwangerschaftszeitpunkt.

Im Anschluss an die Ultraschalluntersuchung druckt der Frauenarzt gewöhnlich ein bis mehrere Ultraschallbilder aus und übergibt Sie den werdenden Eltern.

In der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche kann bei Bedarf (z.B. bei einer Risikoschwangerschaft oder auf ärztlichen Rat) die sogenannte Chorionzottenbiopsie durchgeführt werden, die genetische Besonderheiten wie Trisomien (z.B. Trisomie 21) und verschiedene Stoffwechselerkrankungen nachweisen kann. Bei unklarem Befund schließt sich an die Chorionzottenbiopsie eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) an.

Zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche kann außerdem die Nackenfaltenmessung durchgeführt werden. Sie dient dazu, bestimmte genetische Erkrankungen wie das Down-Syndrom sowie bestimmte Herz- und Skelettfehler auszuschließen oder zu erkennen.

Chorionzottenbiopsie und Nackenfaltenmessung sind keine Kassenleistungen. Wenn sich werdende Eltern für diese Untersuchungen entscheiden, müssen sie die Kosten selber tragen. Es sei denn, der Frauenarzt sieht einen erhöhten Bedarf, etwa im Rahmen einer Risikoschwangerschaft. Dann können die Krankenkassen diese Leistungen in einigen Fällen übernehmen. Die Fruchtwasseruntersuchung gehört erst für Frauen ab 35 Jahren zur Schwangerschaftsvorsorge dazu und ist ab diesem Zeitpunkt eine Kassenleistung.

Was bedeutet 12. SSW?

In der 12. SSW ist der Fötus etwa zehn Wochen alt – der Unterschied zwischen Lebensalter und Schwangerschaftswoche kommt daher, dass die ersten zwei Schwangerschaftswochen lediglich der Berechnung dienen. Insgesamt umfasst eine Schwangerschaft 40 Wochen oder zehn Monate. Dabei startet die Berechnung etwa zwei Wochen vor der Befruchtung – nämlich mit dem ersten Tag der letzten Regelblutung. Diese Rechnung hat sich bewährt, da sich nicht bei jeder Frau der Termin des Eisprungs rückwirkend eindeutig bestimmen lässt.

In der 12. SSW sind Sie 11 Wochen und x Tage schwanger – die 12. SSW besteht demnach aus den Tagen:

  • 11+0 = 1. Tag der 12. SSW
  • 11+1 = 2. Tag der 12. SSW 
  • 11+2 = 3. Tag der 12. SSW
  • 11+3 = 4. Tag der 12. SSW
  • 11+4 = 5. Tag der 12. SSW
  • 11+5 = 6. Tag der 12. SSW
  • 11+6 = 7. Tag der 12. SSW

Bis zum errechneten Geburtstermin sind es nun noch etwa 28 Wochen.

Die Mutter in der 12. SSW

Im Lauf der 12. Schwangerschaftswoche (SSW) lassen Schwangerschaftsbeschwerden wie übermäßige Müdigkeit und Übelkeit bei den meisten Schwangeren nach. Das 1. Schwangerschaftsdrittel geht seinem Ende zu, Ihr Körper hat sich nun auf die hormonellen Veränderungen eingestellt.

Die Gebärmutter ist jetzt etwa so groß wie eine Männerfaust. Sie wächst mit ihrem oberen Rand (Fundus) nun allmählich über den Rand des Schambeins hinaus. Wenn Sie zu den eher schlanken Frauen gehören, können Sie die Gebärmutter eventuell selber dort ertasten. Das Baby liegt darin sicher und geschützt – in wenigen Wochen werden Sie seine Bewegungen spüren können. Bis der Bauch deutlich wächst, dauert es aber noch eine Weile.

Das sollten Sie in der 12. SSW beachten!

Die Schilddrüse des Babys nimmt in der 12. SSW ihre Funktion auf. Außerdem muss Ihre Schilddrüse in der gesamten Schwangerschaft verstärkt arbeiten. Daher sollten Sie nun mehr Jod mit der Nahrung (oder bei Bedarf und nach Absprache mit dem Arzt über Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente) aufnehmen, um selber keinen Jodmangel in der Schwangerschaft zu bekommen.

Der tägliche Jodbedarf einer Schwangeren beträgt etwa 250 Mikrogramm – wenn Sie unsicher sind, ob Sie diesen Bedarf mit der Nahrung decken können, sollten Sie sich mit Ihrem Frauenarzt besprechen.

Durch die aktivere Schilddrüse sind Sie nun unter Umständen oft gereizt und lustlos oder auch depressiv verstimmt. Gönnen Sie sich häufiger Ruhepausen und atmen SIe immer wieder mal tief durch.

Der Fötus in der 12. SSW

Der Fötus ist in der 12. Schwangerschaftswoche (SSW) etwa fünf Zentimeter groß und bringt etwa 16 Gramm auf die Waage. Nach wie vor ist sein Kopf im Vergleich zum Körper riesig und kann nun einen Durchmesser von rund 20 Millimeter haben. Auf dem Ultraschallbild kann man die hohe Stirn und die kleine Nase gut erkennen. Die Windungen der Gehörgänge sind bereits angelegt. Im Unterkiefer entwickeln sich die Zahnknospen, die Anlagen für die Zähne. An Fingern und Zehen zeichnen sich die Nägel deutlicher ab. Rippen und Wirbelsäule beginnen nun zu verknöchern.

Die Augen verlagern sich langsam von den Schläfen auf die Vorderseite des Kopfes, liegen aber immer noch sehr weit auseinander. Über den Augen sind schon ansatzweise die Augenlider zu erkennen und die Netzhaut setzt sich dunkel unter der immer noch recht durchsichtigen Haut ab. Die Schilddrüse nimmt in der 12. SSW ihre Funktion auf, indem sie damit beginnt, Hormone zu produzieren. Beim weiblichen Fötus werden in dieser Zeit die äußeren Geschlechtsorgane sichtbar. 

Der Dottersack, der den Fötus in den ersten Wochen ernährt hat, hat sich in der 12. SSW restlos aufgelöst. Die Plazenta ist nun komplett ausgebildet und kann den Fötus vollständig mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen.

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Was kann das Baby in der 12. SSW?

Die Nervenbahnen sind jetzt so weit entwickelt, dass sie Muskelkontraktionen auslösen können. Der Fötus bewegt sich aber noch nicht koordiniert: Beispielsweise ballt er nun unbewusst die Fäuste oder dreht seine Füße und Hände. Wenn das Baby wächst und kräftiger wird, werden auch Sie diese Kindsbewegungen fühlen können.

In der 12. Schwangerschaftswoche beginnt der Fötus außerdem Fruchtwasser zu schlucken und kann seinen ersten Schluckauf haben und gähnen – beides notwendige Atemübungen.

Sowohl Größe als auch Gewicht des Babys entwickeln sich mit fortschreitender Schwangerschaft immer individueller. Die genannten Werte können daher nur Durchschnittswerte sein. Wenn die Daten Ihres Kindes von diesen Werten abweichen, ist das kein Grund zur Besorgnis.

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