Das Bild zeigt einen Schlafwandler.
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Schlafwandeln (Somnambulismus)

Von: Onmeda-Redaktion, Brit Weirich (Medizinautorin, M.A. Mehrsprachige Kommunikation)
Letzte Aktualisierung: 25.11.2021

Schlafwandeln (Somnambulismus) ist ein Zustand, bei dem Betroffene im Schlaf das Bett verlassen und umhergehen oder manchmal auch komplexere Dinge tun. Lesen Sie, wie es zu dem Phänomen kommt und wie man Schlafwandeln verhindern kann.

Überblick

Aber auch weniger auffällige Verhaltensweisen im Schlaf, wie

  • Aufsetzen und Umherschauen im Bett,
  • Ziehen an der Bettdecke oder
  • das Untersuchen der Wand am Bett

können bereits als Schlafwandeln zählen.

Falls Betroffene das Bett beim Schlafwandeln verlassen, kehren sie meist von selbst wieder zurück und schlafen dort weiter. Einmal aufgestanden, unternehmen Schlafwandler teilweise auch komplexer anmutende Dinge, wie zum Beispiel:

  • Kleider anziehen
  • in andere Zimmer laufen
  • Fenster oder Türen öffnen
  • (teilweise) auf Ansprache reagieren

Man spricht hierbei von sogenannten automatisierten Handlungen.

Das Schlafwandeln findet gewöhnlich in der Mitte oder gegen Ende der Nacht statt und dauert in der Regel höchstens einige Minuten. Während der Episode hat der Schlafwandler meist geöffnete Augen und einen leeren, starren Gesichtsausdruck.

Am nächsten Morgen können sich Schlafwandler normalerweise nicht an ihre nächtlichen Aktivitäten erinnern. Bei Kindern tritt Somnambulismus häufiger auf als bei Erwachsenen.

Auch in der Alltagssprache ist der Begriff gebräuchlich. Man spricht von schlafwandlerischer Sicherheit und meint damit die Fähigkeit, etwas wie im Schlaf zu können – also so gut und routiniert, dass man nicht mehr dabei nachzudenken braucht.

In der Realität hat Somnambulismus wenig mit diesem umgangssprachlichen Ausdruck zu tun. Schlafwandler bewegen sich auf ihrem nächtlichen Streifzug zwar zielgerichtet, aber oft nicht sehr koordiniert. Meist haben sie das Bestreben, immer geradeaus zu laufen. Verletzungen durch Schlafwandeln sind nicht selten – so fallen Schlafwandler mitunter Treppen herunter, laufen gegen Wände oder stoßen sich an Möbeln. Manche Schlafwandler beginnen während einer nächtlichen Episode auch zu kochen oder zu essen. Dabei verspeisen sie unter Umständen Obst mitsamt der Schale oder Schokolade inklusive Alufolie.

Ursachen

Über die Ursachen des Schlafwandelns (Somnambulismus) ist man sich bis heute nicht vollkommen sicher. Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine familiäre Vorbelastung eine Rolle spielt, Schlafwandeln also vererbt werden kann. Aber auch Belastungen wie Stress und Ähnliches können auslösende Faktoren sein.

Man zählt das Schlafwandeln zu den

  • Parasomnien, also zu den abweichenden Verhaltensweisen, die während des Schlafs auftreten,
  • und genauer zu den Aufwachstörungen, da das Gehirn beim Schlafwandeln zum Teil zwar wach ist, aber zum Teil auch noch schläft.

Es wird vermutet, dass nach einem äußerlichen oder innerlichen Weckreiz Betroffene nicht richtig wach werden und in eine Art Zwischenzustand geraten. Die Folge sind teilweise komplexe Handlungen, an die später keine Erinnerung mehr vorliegt. Erklärungen dafür, dass das Aufwachen nicht vollständig erfolgt, gibt es bislang kaum.

Zu Schlafwandeln kommt es jedoch nicht während des "Traumschlafs" (REM-Schlaf), sondern aus dem normalen Schlaf (Non-REM-Schlafphase 2) oder dem Tiefschlaf (Non-REM-Schlafphase 3) heraus. Einflüsse, die den Schlaf vertiefen, können daher bei manchen Betroffenen Schlafwandeln hervorrufen. Zu solchen Faktoren zählen zum Beispiel:

Übrigens: Früher glaubte man, dass Schlafwandler vom Mond angezogen werden und der Erdtrabant die Ursache des Somnambulismus sei. Heute weiß man, dass Schlafwandler sich prinzipiell einer hellen Lichtquelle zuwenden und mit geöffneten Augen auf sie zulaufen – wahrscheinlich, um im Dunkeln besser sehen zu können. Die eigentliche Ursache des Schlafwandelns ist Helligkeit jedoch nicht.

Verwechslungsgefahr

Nicht immer handelt es sich bei dem, was für Schlafwandeln gehalten wird, auch tatsächlich um Schlafwandeln. So treten zum Beispiel bestimmte Formen der Epilepsie vor allem nachts auf. Solche Anfälle können mit Somnambulismus verwechselt werden.

Auch eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung (sog. Schenck-Syndrom) kann vorliegen, bei der Betroffene Trauminhalte ausleben, zum Teil aggressiv werden und um sich schlagen, ohne dass sie dabei die Umgebung wahrnehmen. Hierbei kann es sogar zu Verletzungen kommen. Im Unterschied zum "echten" Schlafwandeln können sich Betroffene jedoch meist sehr detailliert an den Traum erinnern.

Vom Schlafwandeln abgegrenzt werden müssen auch:

  • Verwirrtheitszustände während der Nacht (etwa durch Schlafmittel oder bei Demenz)
  • psychische Ausnahmezustände
  • eine Form der Schlafstörung, die mit Essen während der Nacht einhergeht
  • Nachtschreck bei Kindern

Um sicherzugehen, dass es sich beim vermeintlichen Schlafwandeln nicht doch um eine andere Erkrankung handelt, sollten Betroffene mögliche Ursachen deshalb ärztlich abklären lassen.

Was kann man tun?

Schlafwandlerinnen und Schlafwandler sollten möglichst nicht geweckt werden. Denn beim Aufwachen wissen sie zunächst meist nicht, wo sie sind und erschrecken sich, können sogar in Panik geraten. Oft erkennen sie die Person, die sie weckt, auch nicht sofort.

Ein Wecken ist nur dann sinnvoll, wenn sich Schlafwandler in eine Gefahrensituation begeben. Auf einem Balkon, in der Nähe eines Fensters oder einer Treppe etwa ist das Unfallrisiko hoch.

  • Sprechen Sie eine schlafwandelnde Person leise an und führen Sie sie sanft wieder in Richtung Bett. In der Regel folgt sie und schläft dann im Bett weiter.
  • Das Schlafzimmer sollte zudem immer gut abgedunkelt sein, denn Schlafwandler reagieren oft auf Lichtschein.

Bei häufigem Schlafwandeln mit Verletzungsgefahr sollte man Fenster und Türen abschließen. Quellen möglicher Verletzung (Möbelkanten, scharfe Gegenstände, im Weg stehende Möbel, etc.) sind entsprechend abzusichern.

Ist zu befürchten, dass man sich beim Schlafwandeln aus der Wohnung (oder dem Hotelzimmer, der Ferienwohnung ...) aussperrt, kann es helfen, die Tür abzuschließen und den Schlüssel weit entfernt abzulegen beziehungsweise zu verstecken. Betroffene können vor dem Schlafengehen auch einen zweiten Schlüssel am Bein anbringen.

Um seltener schlafzuwandeln, ist außerdem eine gute Schlafhygiene wichtig. Das heißt, Betroffene sollten auf ihren Schlafrhythmus achten und nächtliche Schlafdefizite, aber auch Mittagsschlaf vermeiden. Alkohol ist nur in geringen Mengen zu empfehlen.

Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können sich positiv auf das Schlafwandeln auswirken. Die Übungen sollten idealerweise vor dem Schlafengehen, jedoch nicht im Bett, sondern am besten im Sitzen durchgeführt werden, damit man nicht währenddessen einschläft. Die Entspannungsübung kann mit einer Vorsatzformel kombiniert werden, die man sich am Ende der Übung innerlich aufsagt. Zum Beispiel mit einem Satz wie: "Sobald meine Füße den Boden berühren, wache ich auf." Auf diese Weise können sich Schlafwandler unter Umständen umtrainieren.

Sind Stress oder Konflikte die Ursache für nächtliches Schlafwandeln, kann eine kognitive Verhaltenstherapie hilfreich sein.

In jedem Fall empfiehlt sich der Besuch bei einem Arzt oder einer Ärztin, um andere Schlafstörungen auszuschließen.