Schlafstörungen: Formen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Mai 2014)

Insomnie: Einschlafstörungen / Durchschlafstörungen

Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen, die auch unter dem Begriff Insomnie (Schlaflosigkeit) zusammengefasst werden, sind die häufigsten Schlafstörungen. Einschlafstörungen liegen vor, wenn mehr als eine halbe Stunde bis zum Einschlafen vergeht. Von Durchschlafstörungen spricht man, wenn nach einem nächtlichen Aufwachen mehr als eine halbe Stunde vergeht, bis der Betroffene wieder einschlafen kann. Auch wer zu früh am Morgen wach wird und nicht mehr einschlafen kann, leidet unter einer Insomnie.

Je nach Ursache werden Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen weiter unterteilt:

  • Akute Insomnie: Die akute Insomnie tritt in der Regel vorübergehend auf und hängt mit belastenden Lebensumständen zusammen, so zum Beispiel eine bevorstehende Prüfung oder ein Konflikt in der Partnerschaft. Entfällt die Belastung, normalisiert sich auch der Schlaf, insofern die Schlafstörung bis dahin nicht chronisch geworden ist.
  • Psychophysiologische Insomnie: Die psychophysiologische Insomnie hat ihre Ursachen in Übererregbarkeit (Hyperarousal) und einem falschen Schlafverhalten.
  • Pseudoinsomnie: Bei der Pseudoinsomnie (paradoxe Insomnie) liegt objektiv keine tatsächliche Schlafstörung vor, der Betroffene empfindet seinen Schlaf aber als gestört.
  • Idiopathische Insomnie: Die idiopathische Insomnie beginnt meist bereits ohne erkennbare Ursache in der Kindheit. Zum Teil spielt erlerntes Verhalten eine Rolle.
  • Verhaltensbedingte Schlafstörungen: Im Kindesalter kann es zu sogenannten verhaltensbedingten Schlafstörungen kommen. Ursache sind meist ungünstige erzieherische Maßnahmen der Eltern, wie fehlende Zubettgeh-Rituale.
  • Sekundäre Schlafstörungen: Unter sekundären Schlafstörungen versteht man Schlafstörungen aufgrund von Erkrankungen (sowohl körperlicher als auch psychischer) sowie durch den Einfluss von Medikamenten, Drogen, Alkohol etc.

Hypersomnie: übermäßige Tagesschläfrigkeit

Bei einer Hypersomnie haben die Betroffenen in der Regel keine Probleme mit dem Ein- oder Durchschlafen. Sie leiden jedoch trotz ausreichender Schlafdauer unter einem vermehrten Schlafdrang am Tag beziehungsweise einer erhöhten Einschlafneigung am Tag (sog. Tagesschläfrigkeit) oder haben ein allgemein erhöhtes Schlafbedürfnis (mehr als zehn Stunden).

Subjektiv bezeichnen Betroffene ihren Schlaf häufig als zufriedenstellend und fühlen sich tagsüber in der Regel auch nicht übermäßig müde. Gesundheitliche Probleme bringen sie oft nicht mit ihrem Schlaf in Verbindung. Objektiv gesehen liegt dennoch eine Schlafstörung vor.

Zwei wichtige Formen der Hypersomnie sind

Narkolepsie

Narkolepsie ist eine seltene chronische Erkrankung, die sich meist im Alter von 15 bis 25 Jahren oder von 30 bis 40 das erste Mal bemerkbar macht. Bei einer Narkolepsie kommt es zu verschiedenen Symptomen, wie zum Beispiel:

  • erhöhter Tagesschläfrigkeit: Narkoleptiker neigen dazu, am Tage immer wieder plötzlich einzuschlafen, auch in geschäftigen Situationen wie etwa mitten im Gespräch oder beim Essen.
  • Kataplexien: Emotionale Auslöser (z.B. Freude, Lachen, Ärger, Erinnerungen) können bei den Betroffenen bewirken, dass die Muskelspannung schlagartig nachlässt und bestimmte Muskelpartien (z.B. in den Beinen) erschlaffen (sog. Kataplexie). Als Folge kann es zu Stürzen kommen. Die Betroffenen sind während einer Kataplexie immer bei Bewusstsein.
  • Schlaflähmung: Bei einer Schlaflähmung (Schlafparalyse) sind die Muskeln während des Einschlafens oder Aufwachens gelähmt. Die Betroffenen können ihre Umgebung während der Schlaflähmung wahrnehmen, sich jedoch weder bewegen noch sprechen. Schlaflähmungen sind zwar nicht gefährlich, sie wirken aber besonders beim ersten Auftreten sehr beunruhigend. Die Lähmung geht nach kurzer Zeit von selbst vorbei, kann jedoch auch durch eine Berührung aufgehoben werden.
  • hypnagogen Halluzinationen: Unter hypnagogen Halluzinationen versteht man sehr lebendige, oft beunruhigende traumähnliche Wahrnehmungen, die bei den Betroffenen meist beim Aufwachen auftreten. Hypnagoge Halluzinationen wirken oft beängstigend, weil der Betroffene sich halb wach fühlt, sich aber nicht bewegen bzw. den "Traum" nicht aktiv unterbrechen kann.

Idiopathische Hypersomnie

Betroffene mit idiopathischer Hypersomnie haben nachts meist keine Schlafprobleme, leiden aber tagsüber unter einem erhöhten Drang einzuschlafen (Tagesschläfrigkeit), ohne sich dabei jedoch müde zu fühlen. Schlafmangel verstärkt die Tagesschläfrigkeit, während ein Mittagsschlaf oder Nickerchen die Tagesschläfrigkeit bei den Betroffenen aber nicht verbessert beziehungsweise nicht erholsam wirkt. Oft fühlen sich die Betroffenen nach einem Nickerchen am Tag eher benommen.

Der Nachtschlaf ist oft (aber nicht immer) ungewöhnlich lang – viele Betroffene schlafen in der Nacht länger als zehn Stunden. Manche Betroffene haben zudem Probleme beim Aufwachen und sind nur schwer zu wecken.

Schlafbezogene Atmungsstörungen

Im Schlaf wird die Atmung nicht bewusst gesteuert, sondern erfolgt über das sogenannte vegetative Nervensystem. Schlafbezogene Atmungsstörungen treten auf, wenn der Schlaf diese Steuerung ungünstig beeinflusst.

Der Schlaf führt bei den Betroffenen zu einer Störung in der Atmung, beispielsweise einem kurzen Atemstillstand ausgelöst durch erschlaffte Muskeln im Rachenraum. Mechanismen im Gehirn beheben diese Störung in der Regel schnellstmöglich – der Schlaf ist aber für diesen Moment kurzzeitig gestört, was sich wiederum auf das Gesamtbefinden auswirkt. Mit der Zeit kann sich die gesamte Schlafstruktur ändern, ohne dass dem Betroffenen das unmittelbar bewusst ist.

Zu den schlafbezogenen Atmungsstörungen zählen das:

  • obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (übermäßige Schläfrigkeit, unregelmäßiges Schnarchen, regelmäßige Atemstillstände im Schlaf)
  • zentrale Schlafapnoe-Syndrom (ähnlich dem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom, aber andere Ursachen)
  • schlafbezogene Hypoventilationssyndrom (nachlassende Belüftung der Lunge im Schlaf, oft mit Erstickungsgefühl beim Aufwachen)

Schlafbezogene Bewegungsstörungen

Bewegungsstörungen, die im Schlaf auftreten, können den Schlaf stören. Häufige schlafbezogene Bewegungsstörungen sind:

  • Restless-Legs-Syndrom (RLS, sog. unruhige Beine)
  • Periodic Limb Movement Disorder (PLMD, sog. periodischen Bewegungen der Gliedmaßen)

Das Restless-Legs-Syndrom ist durch starke Missempfindungen in den Beinen gekennzeichnet, die sich bessern, wenn der Betroffene die Beine bewegt. Das führt zu den typischen "unruhigen Beinen". Dieser andauernde Bewegungsdrang tritt vor allem abends und in Ruhe auf und kann das Einschlafen verhindern oder verzögern.

Im Gegensatz zum RLS bemerken Betroffene periodische Bewegungen der Gliedmaßen im Schlaf nicht. Dabei bewegen sich vor allem die Beine in unregelmäßigen Abständen derart, dass der Schlafablauf gestört sein kann. Die PLMD tritt oft gemeinsam mit einer Schlafapnoe auf.

Parasomnie: Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf

Als Parasomnie werden Auffälligkeiten im Schlaf bezeichnet, die nicht zwingend die Erholung beeinflussen, aber andere Probleme nach sich ziehen können. Typische Parasomnien sind beispielsweise

Der Betroffene nimmt die Parasomnie meistens nicht unmittelbar wahr. Sie stellt aber unter Umständen ein gesundheitliches Risiko für den Betroffenen oder andere Personen dar: Schlafwandeln beispielsweise kann gefährliche Ausmaße annehmen, wenn Treppen und Fenster nicht gesichert sind. Um sich schlagen kann den Bettpartner verletzen. Zähneknirschen kann weitreichende Folgen für die Kiefermuskulatur und den Kauapparat haben.

Parasomnien im Kindesalter sind beispielsweise der sogenannte Nachtschreck (Pavor nocturnus) und die Schlaftrunkenheit. In beiden Fällen schreien die Kinder praktisch ohne Grund im Schlaf und lassen sich nicht beruhigen. Nach kurzer Zeit hört das Schreien auf, die Kinder schlafen weiter oder wachen auf, als sei nichts geschehen. Beim Nachtschreck schlagen die Kinder häufig um sich. Der Nachtschreck zeigt sich häufig bei Kindern zwischen zwei und fünf Jahren, die Schlaftrunkenheit kommt eher bei Säuglingen vor.

Zirkadiane Rhythmusstörungen

Der zirkadiane Rhythmus (sog. Schlaf-Wach-Rhythmus) umfasst etwa 24 Stunden, wobei die Dauer der Wach- und Schlafzeiten von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Normalerweise richtet sich der zirkadiane Rhythmus mithilfe der inneren Uhr am Hell-Dunkel-Wechsel von Tag und Nacht aus.

Der zirkadiane Rhythmus ist gestört, wenn die individuelle Verteilung von Schlaf- und Wachzeiten durcheinandergerät. Das ist zum einen der Fall, wenn sich der komplette Tageszyklus verschiebt, die Schlafphase etwa nach vorne oder nach hinten verlagert wird.

Aber auch, wenn das Schlaf-Wach-Verhalten vom 24-Stunden-Rhythmus abweicht, also deutlich länger oder kürzer ist oder mehrere Schlafperioden über den Tag verteilt auftreten, liegt eine zirkadiane Rhythmusstörung vor. Diese kann durch äußere oder innere Einflüsse entstehen.

Häufige zirkadiane Rhythmusstörungen sind beispielsweise Beschwerden aufgrund von Zeitverschiebung (Jetlag) oder Schichtarbeit.