Schlafstörungen: Diagnose von Schlafstörungen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Mai 2014)

Die Diagnose von Schlafstörungen ist ziemlich komplex, weil es sich häufig um Störungen mit mehreren Ursachen handelt oder mit Ursachen, die weit zurückliegen können. Darum werden bei Schlafstörungen in der Regel unterschiedliche Diagnoseverfahren eingesetzt, um ein möglichst genaues Bild der Beschwerden zu bekommen.

Am Anfang der Diagnose von Schlafstörungen stehen meist Schlaftagebücher und Schlaffragebögen. Der Betroffene beobachtet sein Schlafverhalten und notiert bestimmte Vorkommnisse und Auffälligkeiten. Wenn es jemanden gibt, der das Schlafverhalten des Betroffenen objektiv betrachten kann, wird auch diese Person mit einbezogen. Wichtige Punkte für Schlaftagebücher und Schlaffragebögen sind beispielsweise:

  • außergewöhnliche Vorkommnisse (vom Partner beobachtetes Schlafwandeln, Zähneknirschen etc.)
  • besondere Lebenssituation
  • bewusst wahrgenommene Wachphasen
  • subjektives Empfinden des Schlafs
  • Verhalten vor dem Schlafengehen und nach dem Aufwachen
  • Zubettgeh- und Schlafzeiten

Diese Datenerhebung erleichtert es dem Patienten, seine Beschwerden in Worte zu fassen und dem Arzt, einen Überblick über die Schlafstörungen zu bekommen.

Zur Diagnose von Schlafstörungen erfragt der Arzt die Krankengeschichte und versucht, mögliche zugrunde liegende Erkrankungen abzuklären. Das ist nicht ohne Weiteres möglich, da eine vorliegende Erkrankung nicht zwingend einen Einfluss auf das Schlafverhalten haben muss. Außerdem kann auch eine vergangene Erkrankung der Auslöser für die Schlafstörungen sein. Häufig wird vorübergehend die Diagnose einer organischen Insomnie gestellt, die der Arzt dann im Verlauf der Schlafstörungen anpasst. Im Rahmen der Anamnese klärt der Arzt außerdem ab, ob der Betroffene regelmäßig Medikamente einnimmt oder einen hohen Konsum von Koffein, Alkohol, Nikotin oder Drogen aufweist.

Die subjektive empfundene Tagesschläfrigkeit kann mithilfe der "Epworth Schläfrigkeitsskala" (ESS) erfasst werden. Bei einem Ergebnis über zehn liegt eine krankhafte Schlafstörung vor. Die objektive Schlafqualität wird mithilfe des "Pittsburgh Sleep Quality Index" (PSQI) erfasst.

Kernstück der Diagnose von Schlafstörungen ist die sogenannte Polysomnographie (PSG). Die Polysomnographie umfasst mehrere Untersuchungen, die durchgeführt werden, während der Betroffene eine Nacht im Schlaflabor verbringt. Untersuchungen im Rahmen der Polysomnographie sind:

  • Kontrolle der Atmung (z.B. Schnarchen, Atemaussetzer, ...)
  • Elektroenzephalogramm (EEG)
  • Elektrokardiogramm (EKG, Herzfunktion)
  • Elektromyogramm (EMG, Muskelaktivität an Beinen und Kinn)
  • Elektrookulogramm (EOG, Augenbewegungen)
  • Lage des Körpers
  • Sauerstoffgehalt im Blut

Mithilfe der Polysomnographie ist es möglich, die genaue Schlafstruktur einer Person zu erfassen. So kann der Schlafmediziner (Somnologe) beurteilen, ob der Schlaf gestört ist, die nötige Erholung nicht mehr möglich ist oder schwerwiegende Beeinträchtigungen (z.B. Schlafapnoe) vorliegen.

(Langzeit-)EEG und bildgebende Verfahren (wie MRT oder CT) können die Diagnose von Schlafstörungen unterstützen und genaueren Aufschluss über die Art der Schlafstörung geben.

Um schlafbezogene Bewegungsstörungen abzuklären, einen Eindruck des Schlaf-Wach-Rhythmus zu bekommen und die Therapie der Schlafstörungen zu überwachen, wird häufig die sogenannte Aktigraphie eingesetzt. Dabei werden über einen Sensor mehrere Tage lang Daten vom Handgelenk oder Fußgelenk abgelesen. Die Auswertung der Daten lässt Rückschlüsse über den Schlaf-Wach-Rhythmus zu und gibt Aufschluss über Beinaktivitäten im Schlaf, allgemeine Schlafgewohnheiten, Tagschlafepisoden und mögliche Therapieerfolge.

Eine Untersuchung im Schlaflabor kann helfen, die Ursache der Schlafstörungen zu ermitteln und die Diagnose einzugrenzen. Im Schlaflabor kann außerdem die Therapie der Schlafstörungen überwacht werden. Schlafbezogene Atmungsstörungen können hier genauer eingegrenzt werden.