Rheuma FAQ: Häufig gestellte Fragen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (04. Juli 2016)

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Allein in Deutschland leiden Millionen Menschen an rheumatischen Erkrankungen, im Volksmund oft Rheuma genannt. Der Begriff "Rheuma" bezeichnet also keine einheitliche Krankheit, sondern steht für eine ganze Gruppe von Erkrankungen. Allen gemeinsam ist, dass sie mit Schmerzen einhergehen.

Rheumatische Erkrankungen können sowohl den Bewegungsapparat (z.B. Knochen, Bänder, Muskeln, Sehnen und Gelenke) als auch das Bindegewebe betreffen. Mediziner unterscheiden

  • degenerative rheumatische Erkrankungen,
  • entzündliche rheumatische Erkrankungen,
  • Stoffwechselstörungen
  • und Weichteilrheuma.

1. Was ist Rheuma?

2. Was ist eine Autoimmunkrankheit?

3. Was ist ein Autoantikörper?

4. Was ist eine B-Zelle?

5. Was ist eine Plasmazelle?

6. Was ist eine T-Zelle?

7. Was ist der Rheumafaktor?

8. Was sind APCA?

9. Was bedeutet ACR?

10. Was bedeutet DAS(28)?

11. Was bedeutet EULAR?

12. Was bedeutet DMARD?

Was ist Rheuma?

Unter dem Begriff Rheuma wird eine ganze Gruppe rheumatischer Erkrankungen zusammengefasst. Rheumatischen Erkrankungen liegen genetische Faktoren oder Defekte im Immunsystem zugrunde. Als Rheuma wird häufig auch die rheumatoide Arthritis bezeichnet. Diese Autoimmunkrankheit ist die häufigste rheumatische Erkrankung. 

Was ist eine Autoimmunkrankheit?

Bei Autoimmunkrankheiten richtet sich das Immunsystem gegen Teile des eigenen Körpers. Beispiel: Bei der rheumatoiden Arthritin erkennt das Immunsystem die Gelenkinnenhaut als Fremdkörper und greift sie an. In der Folge kommt es zu schwerwiegenden Entzündungsreaktionen, die im weiteren Verlauf das Gewebe und den Knochen zerstören können.

Was ist ein Autoantikörper?

Wenn das Immunsystem auf Fremdkörper (z.B. Erreger) reagiert, bildet es Antikörper, die sich an die Fremdkörper anheften. Auf diese Weise markieren die Antikörper sie für sogenannte Fresszellen. Bei einer Autoimmunkrankheit werden Antikörper gegen körpereigenes Gewebe gebildet – sie heißen Autoantikörper.

Was ist eine B-Zelle?

B-Zellen oder B-Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Die B-Zellen können sich zu Plasmazellen oder Gedächtniszellen weiterentwickeln. In Form der Gedächtniszellen erinnern sie sich an bereits bekämpfte Fremdkörper, um bei einer erneuten Infektion schneller reagieren zu können.

Heute weiß man, dass B-Zellen auf unterschiedliche Arten eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der rheumatoiden Arthritis spielen. Somit bieten Sie einen Angriffspunkt für moderne Therapiekonzepte.

Was ist eine Plasmazelle?

B-Zellen können sich zu Plasmazellen weiterentwickeln. In dieser Form sind sie dafür verantwortlich, Antikörper beziehungsweise Autoantikörper zu bilden.

Was ist eine T-Zelle?

T-Zellen oder T-Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten). Sie entwickeln sich zu sogenannten Killerzellen, Helferzellen, Gedächtniszellen und regulatorischen T-Zellen. T-Zellen erkennen infizierte Körperzellen und leiten deren Zerstörung ein. In Form der Helferzellen halten sie andere Zellen des Immunsystems davon ab, körpereigenes Gewebe anzugreifen.

Was ist der Rheumafaktor?

Als Rheumafaktor wird ein bestimmtes Eiweiß bezeichnet, das sich bei einigen rheumatischen Erkrankungen, jedoch nicht bei jedem Betroffenen, im Blut nachweisen lässt. Der Rheumafaktor sagt nichts über die Ursache der Erkrankung aus und gilt als recht unspezifisch.

Was sind APCA?

Die Abkürzung APCA steht für "Antikörper gegen citrullinierte Proteine/Peptide". Finden sich APCA im Blut, weist dies auf eine rheumatiode Arthritis hin. Ein hoher Titer dient als Anhaltspunkt für den möglichen Krankheitsverlauf und das Risiko für eine Gelenkzerstörung. Beispiele für APCA sind zum Beispiel CCP- und MCV-Antikörper. CCP steht für cyclisch citrullinierte Peptide, MCV für mutiertes citrulliniertes Vimentin.

Was bedeutet ACR?

ACR steht für American College of Rheumatology und bezeichnet die wissenschaftliche Vereinigung der US-amerikanischen Rheumatologen. Ärzte ziehen die sogenannten ACR-Kriterien heran, um Rheuma festzustellen und um festzulegen, wie aktiv die Erkrankung im jeweiligen Fall ist. Die ACR-Kriterien von 1987 für die rheumatoide Arthritis umfassen folgende sieben Punkte:

  1. Morgensteifigkeit in einem Gelenk über mindestens eine Stunde
  2. Arthritis in drei oder mehr Gelenken
  3. Arthritis an Hand- oder Fingergelenken
  4. gleichzeitiger, beidseitiger Befall der gleichen Gelenke (symmetrische Arthritis)
  5. Rheumaknoten unter der Haut (subkutan)
  6. Nachweis des Rheumafaktors
  7. Radiologische Veränderungen der Gelenke

Rheuma liegt laut dieser Klassifikation vor, wenn mindestens vier der sieben Kriterien erfüllt sind.

Mit den Werten ACR20, ACR50 und ACR70 werden jeweils die prozentualen Verbesserungen der rheumatischen Beschwerden angegeben (20, 50 oder 70 Prozent).

Im Jahr 2010 hat das ACR gemeinsam mit der EULAR (European League against Rheumatism) Klassifikationskriterien erstellt, die vor allem dabei helfen sollen, frühzeitig eine rheumatoide Arthritis zu erkennen. Dies ermöglicht es, früh mit einer Therapie zu beginnen, was wiederum den Verlauf der Krankheit günstig beeinflusst. Die vier Aspekte dieser Klassifikation sind:

  1. Welche und wie viele Gelenke schmerzen oder sind geschwollen?
  2. Finden sich der Rheumafaktor oder sogenannte ACPA im Blut?
  3. Sind die Entzündungswerte (Blutsenkung, C-reaktives Protein) im Blut erhöht?
  4. Dauern die Symptome länger als sechs Wochen an?

Was bedeutet DAS(28)?

DAS steht für Disease Activity Score und erfasst unter Berücksichtigung von 28 Gelenken – daher DAS(28) – die Krankheitsaktivität einer rheumatoiden Arthritis. Der DAS wird heutzutage zunehmend anstelle der ACR-Kriterien eingesetzt. Die Skala des DAS reicht von 0 bis 10, wobei Null für die nicht vorhandene Krankheitsaktivität steht und zehn für die größte Aktivität. Der DAS(28) dient dazu, zu beurteilen, wie gut eine Person auf die Behandlung anspricht. Der Wert errechnet sich aus

  • der Zahl der schmerzhaften und geschwollenen Gelenke (0 bis 28),
  • dem Befinden des Patienten 
  • und einem Entzündungswert (Blutsenkungsgeschwindigkeit).

Was bedeutet EULAR?

EULAR steht für European League against Rheumatism und bezeichnet die wissenschaftliche Vereinigung der europäischen Rheumatologen. Den sogenannten EULAR-Kriterien liegt die Interpretation der DAS-Wert-Veränderungen zugrunde.

Was bedeutet DMARD?

Disease modifying antirheumatic drugs (DMARD) sind lang wirksame Medikamente gegen Rheuma (Antirheumatika). Diese Medikamente können die chronische Entzündung stoppen oder zumindest verlangsamen und Schmerzen lindern. Sie werden häufig gemeinsam mit Kortikosteroiden (umgangsprachlich "Kortison") eingesetzt. Im Frühstadium kommt meist Methotrexat gegen die rheumatoide Arthritis zum Einsatz.