Reisethrombose: Vorbeugen

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (18. Juni 2012)

Die Wahrscheinlichkeit für eine Reisethrombose auf Langstreckenflügen (Flugdauer mehr als sechs bis acht Stunden) ist mit unter einem Zehntelprozent sehr gering. Wer vorbeugen will, kann sein Thromboserisiko mithilfe einfacher Maßnahmen beinah auf null reduzieren.

Bewegen Sie sich

Vermeiden Sie stundenlanges, starres Sitzen. Ob Sie nun häufiger zur Toilette spazieren oder Beinübungen (z.B. Fußwippen, isometrische Übungen) machen – Bewegung ist in allen Verkehrsmitteln möglich, sei es nun in Flugzeug, Zug, Bus oder Auto. Laufen Sie wenn möglich herum, gehen Sie im Gang auf und ab, strecken und dehnen Sie sich.

Regelmäßige Pausen bieten sich gerade bei längeren Reisen mit dem Auto auch aus mehreren Gründen an: Sie fördern nicht nur die Durchblutung der Beine, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit des Fahrers.

Wer die Beine übereinanderschlägt, verlangsamt den Blutfluss in den Beinen zusätzlich. Stellen Sie die Beine deshalb lieber locker nebeneinander auf.

Übungen im Sitzen

Einfache Übungen im Sitzen regen die Blutzirkulation an:

  • Wippen Sie mit den Zehen.
  • Stellen Sie beide Füße flach auf den Boden und heben Sie abwechselnd Fußballen und Fersen an.
  • Bewegen Sie das Kniegelenk, indem Sie die Füße nacheinander vor- und zurückschieben.
  • Lockern Sie die Hüfte, indem Sie die Knie abwechselnd anheben.
  • Spannen Sie den Bauch an und drücken Sie den Rücken an die Lehne. Strecken Sie danach den Bauch wieder nach vorn.
  • Drücken Sie den oberen Rückenbereich an die Lehne und bewegen Sie sich mit kleinen Bewegungen hin- und her.
  • Ziehen Sie jede Schulter abwechselnd einige Male nach oben. Kreisen Sie mit der linken Schulter vorwärts und rückwärts. Wiederholen Sie das für die rechte Schulter.
  • Drehen Sie den Kopf abwechselnd vorsichtig nach rechts und links und wieder zur Mitte, drücken Sie dann das Kinn zur Brust. Neigen Sie anschließend den Kopf jeweils nach rechts und links zur Seite Richtung Schulter und dann wieder nach vorne.

Trinken Sie viel

Achten Sie bei Langstreckenflügen oder langen Reisen darauf, ausreichend zu trinken: idealerweise einen Viertelliter Flüssigkeit auf zwei Stunden. Entscheiden Sie sich am besten für Wasser mit wenig Kohlensäure, Saftschorlen sowie Kräuter- oder Früchtetee. Halten Sie sich dagegen bei alkoholischen Getränken ein wenig zurück, da sie zu einer Entwässerung über die Nieren führen. Kaffee und schwarzer Tee entwässern dagegen nach neueren Erkenntnissen nicht und können ebenfalls zur Flüssigkeitsbilanz beitragen. Wegen des Koffeingehalts sollte man jedoch generell nicht mehr als vier Tassen Kaffee pro Tag trinken.

'No smoking, please'

Dass Rauchen in Flugzeugen und in vielen Ländern auch in Zügen verboten ist, ist nicht nur angenehm für Nichtraucher, es kommt auch den Rauchern zugute. Denn Rauchen hat sowohl einen nachteiligen Einfluss auf die Blutgerinnung als auch auf die Gefäßwände: Das Blut gerinnt schneller und die Blutgefäße verengen sich – diese Faktoren begünstigen eine Thrombose.

Kleidung

Tragen Sie auf langen Reisen eher lockere Kleidung und weite Schuhe, die den Körper und die Durchblutung nicht einengen. Bevorzugen Sie Strümpfe mit nicht zu engen Bündchen.

Kniehohe Stütz- oder Kompressionsstrümpfe können das Risiko für eine Reisethrombose auf Langstreckenflügen nachweislich senken. Diese sollten Sie jedoch mindestens zwei Stunden vor dem Flug anziehen und für die Dauer des Fluges tragen.

Medikamente

Immer wieder wird empfohlen, zum Vorbeugen einer Reisethrombose den Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) einzunehmen. Zwar gibt es inzwischen Studien mit Patienten mit sehr hohem Thromboserisiko, die zeigen, dass ASS nicht nur im arteriellen Blut, sondern auch im venösen System der Bildung von Blutgerinnseln entgegen wirken kann. Im Rahmen der Studie nahmen die Probanden ASS jedoch monatelang ein. Aus den Ergebnissen lässt sich nicht ableiten, wie lange vor einer Reise man mit der Einnahme von ASS beginnen sollte, um ein eventuelles Risiko für eine Reisethrombose zu senken beziehungsweise ob auch eine kurzfristige Einnahme vor Antritt der Reise das Risiko verringert.

Verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Phenprocoumon oder Heparin, die die Blutgerinnung hemmen (sog. Antikoagulanzien), senken dagegen nachweislich das Thromboserisiko. Allerdings gibt es bislang keine Studie in Zusammenhang mit Langstreckenflügen. Die blutgerinnungshemmende Wirkung setzt im Fall des Phenprocoumons jedoch erst nach circa drei Tagen ein – mit der Einnahme müsste daher einige Tage vor der Reise begonnen werden.

Risikopassagiere

Manche Passagiere haben ein erhöhtes Thromboserisiko (z.B. durch Diabetes mellitus, Blutgerinnungsstörungen, Übergewicht, Schwangerschaft o.Ä.). In solchen Fällen ist es sinnvoll, sich vor einem Langstreckenflug oder einer langen Reise mit seinem Arzt zu beraten. Dieser kann abwägen, ob besondere Vorbeuge-Maßnahmen zu treffen sind und verschreibt eventuell ein Medikament, das die Blutgerinnung hemmt.


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