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Forenexperte: Dr. med. Bernhard Riecke
Stress, Nervosität & innere Unruhe
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Stand: 18. Oktober 2010Autor: Onmeda-Redaktion
Zu den persönlichen Stressverstärkern zählt man all diejenigen persönlichen Einstellungen, Motive, Vorerfahrungen, Bewertungen und Ansprüche an einen selbst, die dazu beitragen, dass eine Stressreaktion in Gang gesetzt oder stärker wird. Man könnte solche Stressverstärker deshalb auch als "hausgemachten Stress" bezeichnen. Persönliche Stressverstärker sind individuell verschieden und mit ein Grund dafür, dass manche Menschen durch bestimmte Situationen stark gestresst sind, während andere davon kaum berührt werden. Die individuelle Bewertung macht den Unterschied aus, ob eine Situation Stress auslöst oder nicht.
Beispiele für persönliche Stressverstärker:
Stress kann auch zum "Werkzeug", zum "Vehikel" werden und so eine Art Selbstzweck bekommen. Manche Menschen benötigen den Stress, um unangenehmen psychischen Dingen aus dem Weg zu gehen und sich nicht damit beschäftigen zu müssen. So stressen sich manche Menschen selbst, weil sie so Gefühle der inneren Leere, Sinnlosigkeit, Einsamkeit oder sogar depressive Verstimmungen unterdrücken oder überspielen können.
Stressverstärkend kann es sich auch auswirken, wenn man ständig zu vielen Reizen ausgesetzt ist. Viele Menschen lassen fast den ganzen Tag den Fernseher oder das Radio oder sogar beides laufen und können Momente der Ruhe unter Umständen kaum noch aushalten. Die ständige Berieselung mit Geräuschen und Inhalten hält eine Daueranspannung aufrecht. Auch in der Freizeit fällt es vielen Menschen schwer, einfach mal nichts zu tun. Sie verfallen stattdessen in einen permanenten Aktionismus, bei dem sich eine Aktivität an die andere reiht. Auf lange Sicht gesünder ist sicher ein regelmäßiger Wechsel von aktiven und passiven Phasen.
Da persönliche Stressverstärker ganz individuell sind und mit der Lebensgeschichte des einzelnen zusammenhängen, sind sie so sehr Teil des eigenen Selbst, dass ihre stressverstärkende Wirkung manchmal nicht leicht zu erkennen ist. Vielmehr kommt einem die eigene Sichtweise oft als die einzig richtige vor. Beim individuellen Stresserleben ist es deshalb oft schwer, zu unterscheiden, ob der Stress durch einen selbst entsteht oder durch die äußere Situation gegeben ist. Um persönliche Stressverstärker zu erkennen, ist es daher unausweichlich, sich zwar näher mit sich selbst zu beschäftigen, gleichzeitig aber zu versuchen, sich und die eigenen Verhaltensweisen einmal "neutral" zu betrachten.
Wie sehr man durch äußere Belastungen unter Stress gesetzt wird, hängt letztlich davon ab, wie man die Situation mitsamt den bestehende Möglichkeiten und den Wegen zur Bewältigung bewertet.
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